Nachhaltig: Seltene Nutztierarten vorm Aussterben bewahren

Wenn wir an Nachhaltigkeit denken, kommen uns oft zuerst Lebensmittelverschwendung, Umweltschutz und das Plastikproblem in den Sinn. Aber auch Förderung und Erhalt ökologischer Vielfalt sind wichtige Nachhaltigkeitsaspekte. Bedingt durch unsere steigende Nachfrage ist die Artenvielfalt von Nutztieren im letzten Jahrhundert stark zurückgegangen. Die Gesellschaft will Fleisch, Milch, Eier, Leder, Wolle – und all das schnell, in großen Mengen und zu kleinen Preisen. Um dem nachzukommen, spielt in der Züchtung Produktivität und Optimierung eine immer größere Rolle. Mit Vielfalt ist das meist nicht vereinbar, was zur Folge hat, dass viele alte Rassen vom Aussterben bedroht sind. Umso schöner, dass es Menschen gibt, die sich für die Zucht von seltenen und alten Tierarten einsetzen, wie zum Beispiel die Besitzer des Hotels Schloss Wartegg mit der Haltung ihrer Bündner Oberländer Schafe oder des Berghotel Rehlegg mit seinen Schwarzen Alpenschweinen.

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Schafe statt Rasenmäher

Durch ihre Wendigkeit können die vitalen Bündner Oberländer Schafe sehr gut im alpinen Gelände leben. Ebenso wohl fühlen sie sich im Schlossgarten des Schloss Warteggs, in dem sie sich die saftigen Wiesen schmecken lassen. Glücklicherweise gibt es Organisationen, die sich für den Erhalt von genetischer Vielfalt einsetzen: Die Bündner Oberländer Schafe kommen von der Schweizer Organisation „Pro Specie Rara“. Genau genommen sind die Schafe eine Kreuzung aus alten Schafsrassen – und entsprechend sehr anpassungsfähig und robust. Besondere Merkmale sind ihre Mischwolle, die sich vor allem zum Filzen eignet, sowie die schneckenförmigen Hörner der Widder. Da sie eine so ursprüngliche Rasse sind, weisen sie außerdem kaum Erbfehler auf. Reichlich gute Gründe, diese Art vor dem Aussterben zu bewahren.

Schafe, Schloss Wartegg
Die Bündner Oberländer Schafe im großzügigen Park des Schloss Wartegg © Schloss Wartegg

Das Schwarze Alpenschwein zurück in Bayern

Mehr als 100 Jahre lang waren die Schwarzen Alpenschweine aus Bayern verschwunden. Doch seit einigen Jahren sind sie zurück, dank Johannes Lichtmannegger vom Berghotel Rehlegg. Grund für ihr Verschwinden war die konventionelle Schweinemast: Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die alte Nutztierrasse durch ergiebige und schnellwachsende Arten wie das asiatische Fettschwein ersetzt, die in kurzer Zeit schlachtreif gemästet werden, um dem stetig steigenden Fleischkonsum nachzukommen. „1907 wurde in Bayern das letzte Alpenschwein geschlachtet. Als ich davon hörte, war für mich klar, diese Rasse muss bei uns in der Region wieder angesiedelt werden“, erklärt Lichtmannegger.

Schwarzes Alpenschwein © Sebastian Kettenbacher
Die Schwarzen Alpenschweine © Sebastian Kettenbacher

Der Weg zurück in die Alpen

Von der italienischen Organisation „Pro Patrimonio Montano“, die einheimische Tiere aus der Alpenregion schützt, erhielt der Hotelier 2016 sechs Alpenschwein-Ferkel. Zum einen wollte er die robusten Tiere zurück in ihre bayrische Heimat holen, zum anderen lehnt er die konventionelle Masttierhaltung ab, denn für ihn zählt das Wohl der Tiere. Im Berghotel Rehlegg soll nur Fleisch aus artgerechter Haltung serviert werden und Lichtmannegger freut sich, dass viele genauso denken: „Qualität von Fleisch war lange Zeit kein Kriterium in der Produktion, es ging um Masse. Mittlerweile gibt es eine Rückbesinnung auf Qualität, man interessiert sich wieder für die Tiere. Unsere Gäste fragen nach, woher unsere Zutaten und Produkte kommen.“

Die süßen Ferkel der Schwarzen Alpenschweine © Berghotel Rehlegg

Eine alte Schweinerasse mit vielen Vorteilen

Gegenüber dem Mastschwein haben die Schwarzen Alpenschweine einige Vorzüge, die ihnen ein artgerechtes Leben in den Bergen ermöglichen. Die robusten Tiere sind wie für alpine Bedingungen gemacht und können daher ganzjährig im Freien leben. Durch ihre dunkle Hautpigmentierung und das schwarze Fell sind sie optimal vor den Wetterbedingungen in den Alpen geschützt, ob Sonnenschein oder Kälte. Da sie wesentlich mehr Zeit zum Wachsen benötigen, ist ihr Fleisch feiner marmoriert als das der Masttiere. Ihre Ernährung mit saftigem Gras und frischen Kräutern verleiht dem Fleisch einen intensiven Geschmack und bewirkt einen hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren, welche in Mastfleisch selten vorhanden sind. Mittlerweile zählt die Zucht des Berghotel Rehlegg weit mehr als die ursprünglichen sechs Tiere und bringt Schwein für Schwein ein Stück tierisches Kulturgut nach Bayern zurück.

 

Titelbild © Berghotel Rehlegg