„Eine Anstupserin, die inspiriert und ausprobiert“
Interview mit der Nachhaltigkeitsbeauftragten des Hotels SCHWARZWALD PANORAMA
Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt in Hotels immer mehr an Bedeutung. Im SCHWARZWALD PANORAMA in Bad Herrenalb wurde nun sogar eine neue Stelle geschaffen, die ausschließlich der nachhaltigen Entwicklung gewidmet ist. Green Pearls® hat mit Stephanie Schießl über ihre neuen Aufgaben, Ziele und die Integration von Nachhaltigkeit im Hotelalltag gesprochen.
Seit diesem Jahr gibt es im SCHWARZWALD PANORAMA die neue Position „Entwicklung nachhaltiges Bewusstsein“. Welche Aufgaben beinhaltet diese?
Die neue Stelle ist eine Verknüpfung aus aktivem Umweltschutz, sozialem Engagement und unternehmerischem Denken. Als USP und Kern der Unternehmensphilosophie wurde immer deutlicher, dass eine derartige Stelle sinnvoll wäre. Sinnvoll war auch, diese Position mit jemandem zu besetzen, der für das Thema Nachhaltigkeit brennt und Erfahrung aus der Branche mitbringt. Die Aufgaben umfassen zum Beispiel: Inspiration zu nachhaltigem Verhalten innerhalb und außerhalb des Betriebs, so dass im Idealfall ein inneres Bedürfnis für Schutz, Verbesserung und Erhalt der Umwelt entsteht, Unterstützung bei der Implementierung nachhaltiger Maßnahmen in Kernprozesse, Aufklärungs- und Informationsarbeit zu sämtlichen relevanten Themen und die Teilnahme an themenbezogenen Veranstaltungen, Messen und Wettbewerben.
Wichtig ist, die Menschen dort abzuholen, wo sie mit der Thematik stehen – und das ist bei 70 Mitarbeitern sehr unterschiedlich. Es gilt Weitsicht und Offenheit zu aktivieren, ganz nebenbei, während des laufenden Geschäftsbetriebs.
Dazu gehört auch, die beste Methode zu finden, wie man gewisse Themen angeht, und dabei immer die Waage zu halten. Auch die innere Haltung spielt eine Rolle: von welchem Standpunkt heraus kommuniziert man – weniger als 100%-ig authentischer Ökoprediger, der Maßnahmen überstülpt, eher als liebevolle Anstupserin, die inspiriert und ausprobiert.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter zu nachhaltigem Verhalten?
Momentan führen wir das Team mit Infos über verschiedene Kanäle wie das Ecoboard oder Mitarbeitermailings an Themen heran und schaffen eine erste Sensibilisierung als Basis, um die Thematik dann tiefer ins Bewusstsein zu rufen. Durch erste und kleinere operative Maßnahmen, wie z.B. die erneute Verwendung von einseitig bedrucktem Papier, integrieren wir Themen aktiv in die Abteilungen.
Weitere Aktionen wie ein DVD-Verleih mit Ökofilmen sollen visuell (und im Kreise von Familie oder Freunden zu Hause) helfen, das Bedürfnis nach Umweltschutz zu wecken. Doch es wird auch zum Selbstläufer, denn zum einen kommen Mitarbeiter direkt mit Ideen auf ein persönliches Gespräch im Büro vorbei, zum anderen bekommt man über den Buschfunk mit, wo es in den Abteilungen aktuell Bedarf für mehr Nachhaltigkeit gibt.
Spezielle Umweltaktionen wie z.B. die gemeinschaftliche Reinigung und Verschönerung des Müllbereiches haben meist neben der eigentlichen Intention immer auch noch andere wertvolle Nebeneffekte: Team Building und Schaffung einer wertschätzenden Umgebung für diejenigen, die dort täglich zu Gange sind. Im Rahmen des Schulungskalenders 2019 sind auch themenbezogene Ausflüge (z.B. Biohöfe oder Müllverbrennungsanlagen) und Referentenbesuche (z.B. Bioland oder Imker) angedacht und sollen durch das aktive Erleben begeistern.
Warum ist Ihnen ein nachhaltiger Hotelalltag so wichtig?
Neben meiner ganz privaten Leidenschaft für dieses Thema und dem Wunsch, mich auch beruflich in diesem Feld weiter zu entwickeln, steht im Vordergrund, unsere Geschäftsbasis – eine intakte Natur – zu erhalten sowie unseren Beitrag als Unternehmen zum Thema Umweltschutz zu leisten. In unserer Branche einer der ersten sein zu können, die als Pioniere vorausgehen, und eine eigens dafür geschaffene Stelle zu besetzen, finde ich spannend und es bedeutet für mich Herausforderung und Ehre zugleich.
Was waren die ersten Schritte auf dem Weg dorthin?
Ein guter Weg war, für eine Woche in die Abteilungen zu schnuppern und unter anderem mit den Führungskräften dort zu sprechen. Neben dem Kennenlerneffekt konnte ich so direkt das Thema anschneiden und viele hatten auch gleich gute Ansatzpunkte für mich parat, die wir dann gemeinsam in Angriff nahmen. So kam der Stein ins Rollen …
Zu den wichtigsten Schritten für meine Arbeit gehörte es, sich auf die aktuelle Lage und die Wünsche und Anregungen der Mitarbeiter einzulassen. Außerdem war es wichtig, sich zu informieren und tiefer in die Thematik und die tatsächliche Umsetzbarkeit einzuarbeiten. Und vor allem geht es darum, einfach anzufangen und auszuprobieren: die Themenbreite ist unüberschaubar und komplex, manchmal stößt man schnell auf Widerstand, manchmal läuft es direkt gut. Wichtig ist, die Umstellung aktiv mit zu unterstützen, bis es als Routine angenommen und verinnerlicht wird.
Und welche Maßnahmen sind für die Zukunft noch in Planung?
Aus unserem DNK Bericht (freiwillige Selbstverpflichtung) [DNK: Deutscher Nachhaltigkeitskodex, Anm. d. Red.] und der Unterzeichnung der WIN Charta [WIN: Wirtschaftsinitiative Nachhaltigkeit, Anm. d. Red.] sowie aus unserer Philosophie ergeben sich zahlreiche Ziele, welche zum Großteil bereits umgesetzt und kontinuierlich ausgebaut werden: Zum Beispiel sollen unsere CO2-Emissionen in den kommenden 5 Jahren um jährlich 5 % reduziert werden. Die Qualität der naturnahen Küche wollen wir erhalten und den Bio-Anteil von 70 % auf 100 % erhöhen. Und auch bei unseren Lieferanten wollen wir uns dafür einsetzen, dass Nachhaltigkeit einen noch größeren Stellenwert erhält. Außerdem setzen wir auf die Zusammenarbeit mit nachhaltigen Kooperationspartnern wie Green Pearls®, Bioland, WIN Baden-Württemberg und Climate Partner. Weitere Beispiele unter vielen sind die Vermeidung sämtlicher Verpackungen im Gastbereich, die Einführung von Veggietagen in der Gästeverpflegung, aktives Engagement im Artenschutz und soziales Engagement.
Wie wird das Angebot der klimaneutralen Übernachtung von Privatpersonen angenommen?
Buchungen über die eigene Homepage ist die Tendenz von klimaneutralen Übernachtungen von Privatpersonen durchaus steigend, allerdings im Vergleich zum Gesamtbuchungsvolumen immer noch gering, da z.B. Onlineportale selten ermöglichen, diese Funktion zu aktivieren und die meisten Buchungen eben dort generiert werden. Generell steigt das Bewusstsein (gerade bei unseren Gästen), dennoch wird es noch dauern, bis die Thematik als Automatismus in die Branche und das individuelle Buchungsverhalten einziehen wird.
