Sechs Fakten über atmosfair: CO₂-Kompensation, Klimaschutzprojekte und Transparenz
Wer sich mit Nachhaltigkeit befasst, kommt um das Thema CO2-Emissionen und Kompensation nicht herum. Klimaneutral und klimapositiv – Das sind Schlagworte, mit denen Konsument*innen und Verbraucher*innen gegenwärtig aus allen Ecken konfrontiert werden. Ob in der Drogerie oder beim Buchen eines Fluges, überall geht es darum, CO2-Emissionen zu kompensieren und damit „klimaneutral“ zu handeln.
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atmosfair, einer der bekanntesten Kompensationsanbieter und mehrfacher Test- und Studiensieger, verwendet diese Begriffe nicht, sondern sieht sie kritisch. Die Gründe dafür gehen aus der wissenschaftsbasierten Grundeinstellung und der Philosophie der gemeinnützigen Organisation hervor. Marketing rund um “Klimaneutralität” ist laut atmosfair häufig irreführend und stellt nicht sicher, dass sich ein Unternehmen tatsächlich für Klimaschutz einsetzt. Aussagekräftiger – und sicherer – sind realistische, gleichzeitig ambitionierte Reduktionsziele und -maßnahmen sowie die Qualität der finanzierten Klimaschutzaktivitäten. Es geht außerdem darum, wann Kompensation Sinn macht, und wie atmosfair die Kompensationsbeträge und Spenden sinnvoll und transparent einsetzt.
1. Wer ist atmosfair?
Die Berliner atmosfair gGmbH ist vielen Reisenden vor allem als Kompensationsanbieter bekannt. In erster Linie ist es jedoch eine gemeinnützige Klimaschutzorganisation, die mithilfe von CO2-Kompensation Klimaschutzprojekte mit dem Schwerpunkt Erneuerbare Energien und Energieeffizienztechnologie im Globalen Süden vorantreibt. Sie entstand 2004 aus einem Forschungsprojekt des deutschen Bundesumweltministeriums, des Reiseveranstalterverbandes forum anders reisen und Germanwatch, einer Umwelt- und Entwicklungsorganisation.
Im Mittelpunkt des Engagements steht der Flugverkehr vor allem im privaten aber auch im geschäftlichen Bereich. atmosfair bietet hier die Möglichkeit, unvermeidbare Treibhausgase zu kompensieren. Zudem berät und begleitet die Organisation Unternehmen bei der Transformation zu einem klimafreundlichen Wirtschaftsbetrieb.
Um den Klimafußabdruck von Reisen zu reduzieren, ist es am wirksamsten, alternative Transportmittel und kürzere Anreisen auszuwählen. Ganz nach dem Motto: “Vermeiden vor Reduzieren vor Kompensieren.” Wenn Flugreisen unvermeidbar sind, kann die Kompensation der Emissionen eine sinnvolle Maßnahme sein.
2. Was macht atmosfair?
Wie bereits angedeutet, hat atmosfair drei große Schwerpunkte:
- Kompensation unvermeidbarer Treibhausgase insbesondere im Flugverkehr auf Strecken, wo es aktuell keine klimafreundliche Alternative gibt
- Klimaschutzprojekte nach CDM Gold Standard sowie Gold Standard Microscale zur Förderung von erneuerbaren Energien, Energieeffizienztechnologien und nachhaltiger Entwicklung
- die Unternehmensbegleitung auf dem Weg zum dekarbonisierten Wirtschaften
Über allem stehen die großen Werte Transparenz und die Sinnhaftigkeit der einzelnen Maßnahmen. So betont atmosfair immer wieder, dass eine Kompensation erst dann wirklich effektiv ist, wenn zuvor alles Mögliche getan wurde, um Emissionen zu reduzieren.
Darüber hinaus verwendet atmosfair circa 95 % der Einnahmen und Spenden für die Projekte. Nur 5 % fließen in Unternehmenskosten, wie Verwaltung, IT oder Öffentlichkeitsarbeit. atmosfair trägt zudem das DZI Spendensiegel. Dieses wird nach einer unabhängigen Prüfung vom Deutschen Zentralinstitut für Soziale Fragen in Berlin an gemeinnützige Organisationen verliehen, die sich unter anderem durch Transparenz, Wirksamkeit und Fairness auszeichnen. Auch die Stiftung Warentest beschied atmosfair das Urteil „sehr gut“ und setzte sie auf Platz 1 im Vergleich verschiedener Kompensationsanbieter (2022). Hervorgehoben wurde vor allem die Auswahl der Klimaschutzprojekte ausschließlich nach dem Goldstandard.
3. Wann macht eine CO2-Kompensation Sinn?
Vermeiden, Reduzieren und erst dann Kompensieren. Dieser Grundsatz steht allem anderen voran. Zusätzlich kommt es auf die Art der Emission an. Dabei unterscheidet atmosfair grundsätzlich drei Arten:
- die Klimaunverträglichen, wie zum Beispiel täglicher Fleischkonsum
- die Auslaufmodelle, für die es bereits klimafreundliche Alternativen gibt,
- und die Wandelbaren, die aktuell noch nicht klimafreundlich sind, für die aber das Potenzial einer technischen, emissionsarmen oder -freien Lösung vorhanden ist.
Erstere sollte immer weiter reduziert und bestenfalls ganz vermieden werden. Bei der zweiten Art besteht der Lösungsansatz darin, dass die klimafreundlichen Alternativen attraktiver und bekannter gemacht werden. Nur bei der dritten Emissionsart, den Wandelbaren, ist die Kompensation der entstehenden Treibhausgase sinnvoll, bis technische Innovationen und Lösungen vorhanden sind.
4. Warum liegt der Fokus auf (Langstrecken- bzw. Interkontinental-) Flugreisen?
Im Reisesektor und insbesondere bei der Anreise liegt ein enormes Einsparungspotenzial für Emissionen. Allein durch die bewusste Entscheidung für ein näher gelegenes Reiseziel, was einen Flug vermeidet, oder durch die Wahl eines klimafreundlicheren Verkehrsmittels wie eines Fernverkehrszug anstelle eines Inlandsflugs, können bis zu 87 Prozent der CO2-Emissionen pro Personenkilometer1 eingespart werden.
Während es auf kürzeren Strecken bereits jetzt klimafreundliche Alternativen gibt, fehlen diese bei interkontinentalen Flügen bisher. Gleichzeitig bietet der Flugverkehr das Potenzial, ihn durch zukünftige technische Innovationen wie die Entwicklung von problemfreien Biotreibstoffen, E-Kerosin oder Null-Emissions-Flugzeugen klimafreundlich weiterzuentwickeln. Bis es soweit ist, können Flugpassagiere freiwillig die bei ihrem Flug entstehenden Emissionen durch einen Geldbetrag bei atmosfair kompensieren.
5. Wie kompensiert man richtig? Der Ansatz von atmosfair.
Unvermeidbare Emissionen, wie zum Beispiel von einem Interkontinentalflug, werden von Reisenden oder Unternehmen freiwillig durch einen Geldbetrag kompensiert. Um eine Tonne CO2 zu kompensieren, zahlt man bei atmosfair 30,00 Euro. Dieser Betrag wird von atmosfair genutzt, um gezielt Projekte und Maßnahmen im Globalen Süden zu finanzieren, die dort eine Tonne CO2 einsparen, beispielsweise durch den Ausbau erneuerbarer Energien oder den Einsatz effizienterer Technologien.
Bei der Auswahl bzw. der Entwicklung der Projekte, legt atmosfair großen Wert auf Zusätzlichkeit. Das bedeutet, die Maßnahme, das Projekt oder der Ausbau finden zusätzlich und nur durch die Einnahmen aus der Kompensation statt. Es werden keine Projekte finanziert, die auch ohne die Einnahmen aus der Kompensation existieren würden, weil sie beispielsweise anderweitig gefördert werden.
Weiterhin werden ganzheitlich gedachte Projekte entwickelt, die neben der positiven Wirkung auf das Klima auch die allgemeine Umweltwirkung sowie soziale und wirtschaftliche Effekte auf die lokale Bevölkerung bedenken. So profitieren Menschen vor Ort durch den Ausbau der erneuerbaren Energien vom Zugang zu ständig verfügbarem Strom, wodurch gleichzeitig Bildung und Chancengleichheit gefördert werden. Sicher gestellt werden diese Voraussetzungen unter anderem durch die doppelte Registrierung der Projekte unter dem Standard der UNFCCC und dem Gold Standard. Ist ein Projekt registriert, erfasst atmosfair mit seinen lokalen Partnern in regelmäßigen Abständen, wie viel Emissionen der Projektbetrieb tatsächlich einspart. Die Ergebnisse werden in einem Bericht zusammengefasst und von unabhängigen Prüfer*innen kontrolliert.
Zusätzlich kooperiert atmosfair mit Reiseveranstaltern, Fluggesellschaften, Flughäfen, Reisebüros, Touristikverbänden und Medien, um Reisende zu sensibilisieren, zu informieren und dazu anzuregen, bewusstere Reiseentscheidungen insbesondere bei Flugreisen zu treffen. Beispielweise können auch Reiseveranstalter die Kompensation mit atmosfair in ihren Buchungsprozess integrieren.
6. Welche Tools gibt es zum Errechnen von Emissionen und zur klimafreundlichen Reiseplanung?
Neben dem Emissionsrechner bietet atmosfair mit dem aktuell in der Beta-Version veröffentlichten Smart Travel Tool auch eine Möglichkeit, schon in der Reiseplanung die Klimafreundlichkeit bestimmter Entscheidungen zu berücksichtigen. Dazu zählen zum Beispiel Informationen rund um die Klimawirkung der eigenen Reise, aber auch praktische Tipps, wie diese Wirkung verringert werden kann. Im Zentrum steht dabei die Berechnung des CO2-Fußabdrucks der Reise, auf dessen Grundlage Vorschläge zur Reduktion gegeben werden. Doch nicht nur für Menschen, die gerade eine konkrete Reise planen, ist es ein praktisches Werkzeug. Die Integration aktueller Forschungsergebnisse vor allem in Bezug auf Transportmittel macht es auch für Journalist*innen und Akteure der Reisebranche zu einer wertvollen Ressource.
atmosfair ist eine der führenden gemeinnützigen Organisation im Bereich CO2-Kompensation und Klimaschutzprojekte, die sich durch Transparenz, Wirksamkeit und die Förderung nachhaltiger Entwicklung im Globalen Süden auszeichnet. Mit einem starken Fokus auf die Vermeidung von Emissionen vor der Kompensation bietet atmosfair sowohl Reisenden als auch Unternehmen Möglichkeiten, ihren ökologischen Fußabdruck zu errechnen und mit dessen Kompensation einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.
