Darmstadt,
16
Mai
2019
|
09:53
Europe/Amsterdam

Pioniere der Nachhaltigkeit: Interview mit Florian Hallermann vom Zeavola Resort

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Im 12. Teil der Reihe „Pioniere der Nachhaltigkeit“ geht es um Florian Hallermann, General Manager des Zeavola Resorts auf Koh Phi Phi. Im Interview berichtet er über sein Engagement und die Herausforderungen im thailändischen Luxus-Eco-Resort. Demnächst eit erscheint sein erstes Buch über den Entwicklungsprozess des Zeavola zu einem nachhaltigen Resort.

 

Guten Tag Herr Hallermann, würden Sie sich und das Zeavola Resort kurz vorstellen?

Mein Name ist Florian Hallermann gebürtig aus Wien in Österreich. Seit 30 Jahren lebe ich gemeinsam mit meiner wundervollen Ehefrau und unseren Kindern in meiner neuen Heimat Thailand. Vor 11 Jahren, in 2008, wurde ich zum Verwalter und General Manager des Zeavola Resorts bestellt.

Das Zeavola ist besonders, denn das Konzept war eine Herzensangelegenheit des vorherigen Eigentümers. Ich habe acht Hoteleröffnungen in der Region begleitet und schlussendlich festgestellt, dass genau hier der richtige Ort war  mich niederzulassen. Das Resort ist im Stil eines südthailändischen Dorfs gebaut. Unser Slogan lautet „Zurück zur Einfachheit“, was sich auch in unserem Barfuß-Luxus-Konzept und unseren Service-Angeboten widerspiegelt. Auf Trip Advisor sind wir auf Platz 1 der Hotels auf Koh Phi Phi, sind Mitglied bei Luxe Collection und eines der Gründungsmitglieder von Green Pearls®. Wir möchten unseren Gästen Raum und Zeit geben sich zu finden, damit sie erholt und gestärkt in ihren Alltag zurückkehren können.

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Wann und wieso haben Sie sich entschieden den Schritt zu gehen und das Zeavola in ein nachhaltiges Resort zu entwickeln?

Ich bin in einer umweltfreundlichen Familie aufgewachsen. Auf Koh Phi Phi wollte ich die Möglichkeiten als neuer Geschäftsführer nutzen, um wirklich etwas zu bewirken. Über die Verwendung von Shampoo in Plastikflaschen und einzelverpackten Kosmetikprodukten ärgere ich mich am meisten – besonders, wenn das Hotellogo darauf abgebildet ist. Das ist schlecht und wirkt sich negativ aufs Marketing aus. Innerhalb von vier Monaten haben wir auf regional hergestellte Keramik-Flaschen umgestellt, was auch zu enormen Einsparungen geführt hat. In den vergangenen 11 Jahren konnten wir somit ca. eine halbe Millionen Plastikflaschen vermeiden. Das war der Anfang und seither höre ich auf die Stimme der Natur. Nimmt man diese aufmerksam wahr, kann man leicht Ausgaben reduzieren, und gleichzeitig sowohl den Gewinn steigern als auch die Umwelt für diese und kommende Generationen schützen.

 

Wie haben Sie die Umstellung umgesetzt?

Zeavola liegt an einem abgeschiedenen und wunderschönen Ort. Aufgrund der fragilen Natur dieses Standortes, müssen wir alle auf die Umwelt achten und die Natur als unseren Wegweiser akzeptieren. Wenn hier eine Maßnahme eingeführt wird, die nicht konsequent durchdacht wurde, bekommen wir nach 6-9 Monaten die Rechnung der Natur. Diese Konsequenzen sind letztendlich kostenintensiver und vor allem kontraproduktiv für das Wohlergehen des Resorts und der Mitarbeiter. Außerdem ist uns wichtig, dass unsere Teammitglieder ein faires Arbeitsumfeld haben und gefördert werden, um ihr Potenzial komplett entfalten zu können. Neben der Natur geht es auch um die Mitarbeiter und lokalen Gemeinschaften. Der jetzige Hoteleigentümer legt Wert auf sozial verträgliche Arbeitsbedingungen, zufriedene Mitarbeiter entwickeln ihr volles Potenzial, was die internationale Gästezufriedenheit von 93 %, erhoben mit Review Pro, widerspiegelt.

 

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Was ist der interessanteste Aspekt Ihrer Rolle? 

Ich habe das Glück, für tolerante Eigentümer zu arbeiten, die mir viel Eigenverantwortung überlassen. Wir haben bereits so viele Veränderungen umgesetzt und noch viel vor; auch einige Gäste haben zur nachhaltigen Entwicklung des Zeavola beigetragen. Aufgrund meines Ingenieurstudiums ist die Implementierung von anspruchsvollen sowie umweltfreundlichen Technologien im Resort unfassbar bereichernd für mich. Es macht Spaß nach umsetzbaren Lösungen zu suchen, um die Alltagspraxis zu optimieren, Kosten zu senken, Einnahmen zu steigern und vor allem den negativen Einfluss auf die Natur zu minimieren.

 

Vor welchen Herausforderungen bei der Umsetzung ihrer nachhaltigen Projekte standen Sie? Wie haben Sie diese überwunden?

Die größte Herausforderung bei nachhaltigen Projekten ist der Mangel an Kenntnis über die neusten Technologien und Praktiken. Als Einzelunternehmen und unabhängig geführtes Resort haben wir keinen Hauptsitz mit technischem Leiter. Es erfordert daher viel Eigeninitiative und vor allem Kreativität, um auf dem neusten Stand zu bleiben und neue Technologien zu finden. Glücklicherweise haben wir ein talentiertes Team von Ingenieuren, das uns baut, was immer wir benötigen. 

Manchmal ist es auch einfach pures Glück. Unser Gast Alexander Auer, Unternehmensberater in Umweltfragen, sah, dass ich Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Wasseraufbereitungsanlage hatte. So stellte er kurzerhand alle notwendigen Pläne aus Europa zur Verfügung, die wir mit den lokalen Möglichkeiten umsetzen konnten. Mittlerweile ist das Abwasser so sauber, dass dort sogar Fische leben.

 

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Haben Sie jemals ein Projekt abbrechen oder die Umsetzung verschieben müssen, weil der richtige Zeitpunkt noch nicht gekommen war?

Im Juli 2018 konnten wir endlich selbst gereinigtes Trinkwasser in wiederverwendbaren Glasflaschen anbieten. Zwischen den ersten Gedanken bis zur Einführung der Trinkwasseraufbereitungsanlage lagen drei Jahre. Im ersten Jahr waren wir zu voreilig beim Bau der Anlage zur Flaschenreinigung und Befüllung. Erst danach entdeckten wir, dass wir nicht ausreichend Wasser produzierten. Mit einem Jahr Verzögerung und einer beträchtlichen Investition von 250.000 € für unsere Umkehrosmoseanlage, konnten wir endlich genug Wasser herstellen. Dann wurde klar, dass wir eine zweite Anlage benötigen, die die Wasserqualität testet, was zu einem weiteren Jahr Wartezeit führte. Zu guter Letzt führten wir im vierten Jahr in der Trockenzeit einen Test mit den Anlagen durch, um festzustellen, ob wir ausreichend Wasser herstellen können. Nach einigen Rückschlägen, heftigen Rechnungen und einem außerordentlichen Lernprozess waren wir am Ende aber erfolgreich.

 

Wie bilden Sie Ihre Mitarbeiter fort und wie begegnen Sie der Herausforderung Nachhaltigkeit in einem Land einzuführen, das in vielen Bereichen noch nicht grün orientiert ist?

Wir beziehen unsere Mitarbeiter in den Prozess mit ein. Wir verwenden keine Einweg-Plastikflaschen und haben jedem Teammitglied einen Trinkbecher aus Metall geschenkt. Hinter dem Haus sowie in den Wohnbereichen der Mitarbeiter haben wir Trinkwasser-Brunnen installiert. Wir teilen Bilder unseres Teams mit ihren neuen Flaschen und Bechern in den sozialen Medien. Auf diese Weise machen wir zum einen auf die Trinkwasser-Initiative aufmerksam und zum anderen macht es die Mitarbeiter stolz, wodurch sie die Umstellung leichter annehmen.

 

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Was bedeutet Nachhaltigkeit für Sie persönlich?

Ein bedeutendes Wort im Buddhismus ist „genug“. Ich glaube viele westliche Nationen haben den Punkt erreicht, an dem das Maß voll ist. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, eine sichere und lebenswerte Zukunft für unsere Kinder zu schaffen. Ein kleines Hotel, eine Familie oder eine Einzelperson haben bereits enormen Einfluss und ich hoffe, dass auch große Unternehmen diesen Weg einschlagen und damit noch viel mehr bewirken können.

 

Können Sie uns einige Beispiele dafür nennen, wie Nachhaltigkeit im Privatleben umsetzen?

Ich nutze zum Beispiel Baumwollbeutel zum Einkaufen und wenn ich in meinem Lieblingsrestaurant Essen zum Mitnehmen hole, bringe ich immer wiederverwendbare Dosen mit. In meinem Garten finden Vögel geschützte Plätze zum Brüten und wenn ich von Kajak-Touren zurückkehre, sehe ich aus wie die Müllabfuhr. Meine Frau und ich erziehen unsere Kinder im Bewusstsein für die Umwelt, damit sie mit offenen Augen durchs Leben gehen und wissen, wie sie das Richtige tun.

 

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Wo sehen Sie sich in Bezug auf Nachhaltigkeit in 5 Jahren?

Glücklicherweise unterstützen die Hoteleigentümer des Zeavola alle Vorhaben in Sachen Nachhaltigkeit. Auf Ausstellungen und Tagungen suchen wir nach neuen Technologien, die wir umsetzen, sofern sie finanziell rentabel sind. Natürlich ist es wichtig, Optimierungsprozesse voranzutreiben, allerdings würde ich gern mehr an öffentlichen Debatten teilnehmen und große Firmen sowie andere Hotels mithilfe unserer Initiativen motivieren, ihre Firmen-Philosophie grün umzuschreiben. Es reicht nun mal nicht, dass ein Hotel oder eine Firma etwas für den Umweltschutz unternimmt. Wir müssen alle das Richtige tun, bevor es zu spät ist.

 

Denken Sie, nachhaltiger Tourismus ist wichtig? Und warum?

Nachhaltiger Tourismus ist mehr als wichtig, er ist unentbehrlich. Wenn die Menschheit plant, noch eine Weile hier zu sein, müssen wir alle sofort anfangen umzudenken. Die Zeiten, in denen Nachhaltigkeit das Hobby wohlhabender Nationen war, sind vorbei. Diese Länder müssen die Verschmutzung stoppen. Sie müssen andere Nationen mit Technologien und gezielten Investitionen unterstützen, ohne den Profit als höchstes Ziel zu verfolgen.

 

Ihre letzten Worte für dieses Interview?

Die Natur braucht die Menschheit nicht. Die Menschheit braucht die Natur. Es gibt keinen Planeten B.

 

Vielen Dank für dieses Interview, Florian Hallermann.