Darmstadt,
02
September
2026
|
11:30
Europe/Amsterdam

Der Ort bestimmt die Architektur – und das Hotelerlebnis

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Authentizität ist zum zentralen Unterscheidungsmerkmal im Hotelmarkt geworden. Häuser, die die Sprache ihres Ortes sprechen, gewinnen an Bedeutung. Laut hotelaktuell.ch schaffen Hotels, die ihre regionale Identität durch Architektur, Material und Atmosphäre sichtbar machen, eine emotionalere Bindung zu ihren Gästen. Der Ort wird spürbar, das Haus selbst zur Erfahrung.

Hotels als Tor und Verbindung zur Region

Reisende suchen bei der Auswahl ihres Hotels bzw. ihrer Ferienunterkunft nicht mehr nur Komfort und einen Platz zum Schlafen, sondern darüber hinaus Orientierung und Echtheit. Der Wunsch, wirklich an einem Reiseziel anzukommen, treibt Reiseentscheidungen zunehmend mit an. Eine Architektur, die tief in den Gegebenheiten vor Ort verwurzelt ist und die Landschaft respektiert, schafft dafür die Grundlage.

Aber eine regionale Bauweise hat weit mehr als atmosphärische Konsequenzen; sie hat auch messbare ökologische. Heimische Materialien wie Naturstein oder Holz verkürzen Transportwege und reduzieren Emissionen in der Logistik. Wer ansässige Handwerksbetriebe einbezieht, erhält ortsspezifisches Wissen und stärkt lokale Wirtschaftskreisläufe. Und Architekten, die Topografie, Klima und Vegetation eines Standorts in ihre Planung einbeziehen, schaffen Gebäude, die weniger technische Kompensationen wie Kühlung, Heizaufwand oder Wartung benötigen:

  • Natürliche Verschattung statt permanenter Kühlung

  • Wandstärken, die Wärme speichern, statt Heiztechnik, die das ausgleichen muss

  • Traditionelle Dachkonstruktionen, die über Jahrhunderte für die klimatischen Bedingungen des Standorts optimiert wurden

Diese in der Bauform gespeicherte, technische Intelligenz gewinnt heute im Kontext von Dekarbonisierung und Ressourcenschonung immer weiter an Relevanz.

Architektur als Basis einer verantwortungsbewussten Hotellerie

Die Green Pearls® Partner verstehen Architektur in diesem Sinn nicht (nur) als Stilfrage, sondern als strukturelle Grundlage verantwortungsvollen Wirtschaftens. Die folgenden Beispiele, von den Südtiroler Alpen bis zur sizilianischen Südküste, vom Schwarzwald bis zur kroatischen Insel, zeigen, was das konkret und individuell bedeutet.

Im Kern der Markenidentität

Die ADLER Spa Resorts & Lodges werden bereits in der sechsten und siebten Generation seit 1810 von der Familie Sanoner unter genau diesem Anspruch geführt. Was als Gasthof in St. Ulrich in Südtirol begann, umfasst heute vom Dolomitenhochplateau bis zur sizilianischen Südküste sieben Häuser, deren gemeinsame Sprache unter anderem die landschaftsgebundene Architektur und Naturverbundenheit ist.

Ein besonders prägnantes Beispiel für diese Haltung ist das ADLER Ritten. Auf einer Waldlichtung des Südtiroler Hochplateaus gelegen, fügt sich das Ensemble aus Haupthaus, Nebengebäude und einzelnstehenden Chalets nahezu selbstverständlich in die Umgebung ein. Die Lodge setzt auf eine zurückhaltende Integration in den Ort, die das natürliche Layout der Landschaft nutzt statt sich ihm aufzuzwingen. Dunkle Holzfassaden und regionale Materialien prägen das Erscheinungsbild. Verwendet wurden unbehandelte Fichten- und Lärchenhölzer für die Fassaden, während Eichenböden im Inneren Wärme und Wertigkeit vermitteln. Besondere Akzente setzen die kunstvoll gestalteten Holzpaneele in der Lobby. Dafür wurden einzelne Bretter gezielt gegen die Maserung gehobelt, wodurch eine reliefartige, fast skulpturale Oberfläche entsteht.

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Der schwarze Holzmantel der Gebäude lässt die Architektur mit der Waldlandschaft eins werden. Dabei folgt die Gestaltung keinem internationalen Designvorschlag oder importierten Ästhetik. Vielmehr spricht das Gebäude die Sprache des Ortes. Proportionen, Materialität und Maßstab orientieren sich an einer Kulturlandschaft, die über Jahrhunderte von der bäuerlichen Baukultur Südtirols geprägt wurde. Entworfen wurde das ADLER Ritten von den Inhabern Andreas und Klaus Sanoner gemeinsam mit dem Südtiroler Architekten Hugo Demetz. Ihr Entwurf zeigt, wie zeitgenössische Architektur durch Zurückhaltung und Ortsbezug eine starke Wirkung entfalten kann.

In einer Welt, die immer schneller wird und in der sich Identitäten aufzulösen scheinen, braucht es für den Einzelnen Rückzugsorte, um wieder zu sich selbst zu finden. So ein Rückzugsort ist das ADLER Ritten.

Klaus Sanoner, Inhaber der ADLER Spa Resorts & Lodges

Im Juli 2022 eröffnete das ADLER Sicilia an der Südküste Siziliens. Es ist das erste mediterrane Haus der Collection und zugleich ihr erstes Resort am Meer. Die Anlage liegt an einem kilometerlangen, unberührten Sandstrand nahe dem Tal der Tempel in Agrigent und unmittelbar neben dem WWF-Naturreservat Riserva Torre Salsa. Die Architektur aus Zedernholz und Glas ist auf einer Anhöhe errichtet und in die Landschaft integriert. Insgesamt umfasst das Resort 90 Gästezimmer mit begrünten Dächern. In der Ausstattung kommen überwiegend regionale Materialien wie Tuffstein zum Einsatz. Die Wände sind mit Terracruda, roter Erde vom Ätna, verputzt, die durch ihre feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften zu einem stabilen Raumklima beiträgt

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Zurückhaltung als Entwurfsprinzip

Das Hotel Weihrerhof auf dem Ritten, direkt am Wolfsgrubener See gelegen, ordnet sich bewusst dem Ort unter. Das Gebäude weist unter anderem die traditionelle Dachform des Rittens auf, jene für das Hochplateau typische Konstruktion, die das Landschaftsbild seit Generationen prägt. "Gebaut wird mit sehr viel Zurückhaltung: so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich", beschreibt Gastgeber Klaus Pichler den Ansatz. Das Grundstück umfasst sieben Hektar Wald und drei Hektar Wiesen, die seit mehr als zwanzig Jahren weder gedüngt noch bewirtschaftet werden.

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Oberhalb von Brixen wurde das Hotel My Arbor auf Stelzen errichtet, eine Bauweise, die an die hohen Bäume im umgebenden Wald erinnert und es gleichzeitig ermöglichte, einen Großteil des bestehenden Baumbestands zu erhalten. Holzfassaden und natürliche Materialien greifen die Bergwaldlandschaft Südtirols sowohl im Inneren als auch Äußeren auf und sorgen für eine authentische Atmosphäre.

Auch das Naturresort Gerbehof am Bodensee schafft über die Materialauswahl Verbindungen zur Umgebung: Die Steine für den Spa-Bereich stammen aus der Rheinmündung in den Bodensee. Das Holz der Möbel und EinIntegration statt Inszenierung

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Die Summit Lodges in Tirol fügen ihre Naturstammhäuser wiederum behutsam in den Hang ein, mit Steinmauern die direkt aus dem Material des Aushubs errichtet wurden. Was ausgegraben wurde, fand Wiederverwendung. Das APIPURA hotel rinner in Südtirol geht noch einen Schritt weiter: Der Lehmboden, der beim Umbau ausgehoben wurde, fand als Erdpyramiden in den Hotelgängen wieder Verwendung. Dazu kommen einheimisches Zirben- und Lärchenholz, hiesiger Plima-Stein im Treppenhaus und Heuplatten als Dekorelemente. Wer durch dieses Haus geht, geht durch die Region.

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Integration statt Inszenierung

Manche Häuser inszenieren die Natur, andere lassen sie den Ton angeben. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Architektur sich zurücknimmt, regionale Materialien und traditionelle Bauweisen aufgreift und so Teil des jeweiligen Ortes wird, statt ihn zu überformen.

Authentizität ist ein Schlagwort, was häufig gebraucht wird. Für die beiden Luxusresorts der unabhängigen vietnamesischen Hotelgruppe The Anam gibt es jedoch kaum eine passendere Beschreibung. Die Architektur der beiden 5-Sterne-Resorts auf der Halbinsel Cam Ranh und in Mui Ne im Süden des Landes setzt bewusst und konsequent auf regionale Bautraditionen. So finden Gäste die typischen Dachformen, gemusterte Fliesen hergestellt von Handwerker*innen aus dem ganzen Land sowie Kunst und Dekor, das die enge Verbundenheit zur jeweiligen Region widerspiegelt. Beim Bau wurde zudem darauf geachtet, dass die Hotels die umliegende Natur nicht überragen. So ducken sich die Villen und Gebäude des The Anam Cam Ranh in eine naturnahe Gartenanlage mit über 3000 Palmen, währen sich das The Anam Mui Ne beinahe kaskadenartig an die Hügel schmiegt, die sich zum Strand hinab erstrecken. 

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Das LA VIMEA Vegan Hotel in Südtirol steht inmitten eines parkartigen Gartens im Herzen eines Alpentals in Südtirol. Naturgarten und Teich sind kein dekorativer Rahmen, sie sind Teil des Lebensraums des Hauses. Gäste schwimmen im Naturteich zwischen Seerosen. Ein Terrassendach wurde vollständig begrünt und ist damit selbst zum Garten geworden. Beim Bio- und Wellnessresort Stanglwirt im Unterinntal setzt die alpine Landschaft rund um den Wilden Kaiser den Maßstab. Kern der Bio-Bauphilosophie ist der traditionelle Tiroler Baustil gepaart mit neuesten Erkenntnissen des ressourcenschonenden Bauens: uraltes Tennholz in der Hotelbar, Holztramdecken statt Stahlkonstruktionen, heimisches Zirbenholz in den Innenräumen; Holzziegel werden mit Kalkmörtel statt Zement gebunden. Was sich anfühlt wie selbstverständliche Tiroler Gastlichkeit, ist das Ergebnis konsequenter Entscheidungen, in Konstruktion, Material und Betrieb.

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Das Relais del Maro an der ligurischen Riviera, das Naturhotel Outside in Osttirol und das Hotel Das Rübezahl im Allgäu verbinden eine ähnliche Haltung: Architektur wird hier als Fortsetzung der Landschaft verstanden. Das Relais del Maro arbeitet mit biologischen Naturbaustoffen und traditionellen, teils antiken Techniken, während die beiden anderen Häuser auf regionale Materialien wie Holz, Stein und natürliche Stoffe setzen, die ihre jeweilige Baukultur prägen. Charakteristisch für alle drei ist der Verzicht auf spektakuläre Signature-Architektur zugunsten einer zurückhaltenden, ortsbezogenen Formensprache. Auch die Innenräume bleiben dieser Logik treu. Naturfarben, natürliche Materialien und regionale Bezüge schaffen fließende Übergänge zwischen Innen und Außen, sodass die Natur nicht zur Bühne wird, sondern zum integralen Teil des Aufenthalts.

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Der Ort bestimmt die Form

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Das sich Tradition und Morderne nicht ausschließen müssen, zeigt das OLM Nature Escape im Tauferer Ahrntal, welches 2023 eröffnete. Einerseits wirkt der moderne Bau in seiner kreisrunden Form ungewohnt und  trägt doch seinen Namen aus dem Südtiroler Dialekt: Alm. Die kreisrunde Form des Hauses verweist auf den endlosen Kreislauf der Zeit, aber auch an die Mühlsteine in den Mühlen, die früher dort betrieben wurden. Gebaut wurde mit regionalen Baustoffen und ausgestattet mit Lärchenholz, viel Glas und natürlichen Materialien. Die Energie stammt vollständig aus eigenen Photovoltaik-Anlagen und Erdwärmesonden ergänzt durch Wasserkraft. Das Haus ist seit Eröffnung nach dem GSTC-Standard zertifiziert.

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Das SCHWARZWALD PANORAMA in Bad Herrenalb beschreitet einen verwandten, aber eigenständigen Weg. Das Circular-Living-Konzept, das schrittweise im gesamten Haus umgesetzt werden soll, orientiert sich an den vorhandenen Ressourcen der Region und an den Prinzipien einer kreislauffähigen Bau- und Einrichtungskultur. Der Schwarzwald wird dabei unmittelbar in Materialwahl und Handwerk in das Projekt eingebunden. Jedes Ausstattungsdetail wurde nach Kriterien der Kreislauffähigkeit, Langlebigkeit und Gesundheitsverträglichkeit bewertet. Verwendet werden Materialien, die sich in bestehende Stoffkreisläufe integrieren lassen und deren Herkunft sowie ökologische Wirkung transparent nachvollziehbar sind. Die Verbundenheit mit dem Ort spiegelt sich allerdings nicht nur in der Materialwahl, sondern auch in der gestalterischen Umsetzung wider. Realisiert wurden die Circular-Living-Zimmer gemeinsam mit dem Schwarzwälder Hotel-Inneneinrichter FRITZ SCHLECHT | SHL.

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Das Hotel Korinjak auf der kroatischen Insel Iž wurde in den 1960er Jahren gebaut, als Energieeffizienz oder nachhaltiges Bauen noch kein fester Bestandteil architektonischer Planung  war. Dennoch verkörpert das Haus heute eine selbstverständliche Einbindung in die Landschaft. Mit nur zwei Geschossen, einem zurückhaltenden Haupthaus und einer klaren, funktionalen Struktur tritt das Hotel nicht in Konkurrenz zu seiner Umgebung. Es überragt weder die Küstenlinie noch dominiert es die charakteristische Insellandschaft aus Pinien, Naturstein und Meer. Stattdessen fügt es sich in die Topografie und den Maßstab des Ortes ein.

Was Architektur leistet, wenn sie sich zurücknimmt

Warum ist das alles relevant? Nicht weil regionale Baukultur schöner ist, sondern weil sie Konsequenzen hat, die weit über Ästhetik hinausgehen. Örtliche Materialien bedeuten kürzere Transportwege und geringere Emissionen. Lokale Handwerker bedeuten Wissenstransfer. Traditionelle Dachformen und Wandkonstruktionen sind klimatisch erprobt, über Jahrhunderte optimiert für genau jene Bedingungen, unter denen das Gebäude stehen wird.

Und Architektur schafft eine wahre Identität. Wer in einem Haus ankommt, das so gebaut ist, als könnte es überall stehen, weiß nicht, wo er ist. Ein Haus, das die Sprache seines Ortes spricht, vermittelt etwas, das kein Marketingkonzept ersetzen kann: das Gefühl, wirklich angekommen zu sein.

Die Hotels der Green Pearls® Collection sind so unterschiedlich, wie die Regionen in denen sie sich befinden. Aber sie teilen eine Haltung und verstehen Architektur nicht als Selbstdarstellung, sondern als Verantwortung. Sie bauen nicht gegen ihren Ort, sie bauen mit ihm. Denn verantwortungsbewusste Architektur entsteht nicht durch Trends. Sie entsteht durch Zuhören.