16
September
2026
|
11:30
Europe/Amsterdam

Wenn die KI den Urlaub plant – zwischen digitaler Sichtbarkeit und persönlicher Gastfreundschaft

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Wer heute eine Reise plant, tut das seltener mit einem Katalog auf dem Sofa und immer öfter im Dialog mit einer künstlichen Intelligenz. Was noch vor wenigen Jahren nach Science-Fiction klang, ist 2026 Alltag geworden und verändert nicht nur die Art, wie Reisende Entscheidungen treffen, sondern auch, wie Hotels mit ihren Gästen kommunizieren (müssen), um sichtbar zu bleiben und Vertrauen aufzubauen.

Ein Drittel der Deutschen plant Urlaub per KI

Die Zahlen sind eindeutig: Der Adyen Index „Hospitality & Travel Report 2025“, für den die Finanztechnologie-Plattform Adyen weltweit 40.000 Konsumenten und mehr als 8.000 Hoteliers befragt hat, belegt einen sprunghaften Anstieg der KI-Nutzung in der deutschen Reiseplanung. Fast ein Drittel der Befragten in Deutschland (32 Prozent) greift mittlerweile auf KI-gestützte Tools zurück, wenn es um die Planung von Urlaubsreisen geht. Im Vergleich zum Vorjahr 2024 entspricht das einem Wachstum von 72 Prozent innerhalb von zwölf Monaten.

Besonders bemerkenswert ist die Breite dieser Entwicklung. Zwar führen die Generation Z mit 62 Prozent und die Millennials mit 46 Prozent die Nutzungsstatistiken an; doch das stärkste Wachstum verzeichnen die älteren Generationen. Die Babyboomer steigerten ihre KI-Nutzung für Reisebuchungen laut Adyen-Studie um 106 Prozent, die Generation X um 95 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

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Die Frage nach dem Warum ist vielschichtig. Am Ende steht aber immer dasselbe Bedürfnis nach Orientierung in einer überfordernden Informationsfülle. Laut Adyen-Studie empfinden 70 Prozent der KI-Nutzer*innen soziale Medien als frustrierend, weil sie dort von Werbung, Influencer-Inhalten und gesponserten Beiträgen überflutet werden. In diesem Kontext bieten KI-Tools eine willkommene Abkürzung. Zusätzlich integrieren immer mehr Anbieter KI direkt in ihre Plattformen, um ein nahtloses Erlebnis von der Inspiration bis zur Buchung zu gewährleisten.

Buchungsverhalten 2026: spontaner, kurzfristiger, direkter

Neben dem KI-Trend lässt sich eine zweite, eng damit verwobene Entwicklung beobachten. Das Buchungsverhalten wird spontaner. Reisende entscheiden häufiger Last Minute, reagieren stärker auf aktuelle Faktoren wie Wetter oder Verfügbarkeit und vergleichen Angebote in Echtzeit. Die Suche nach Reisen beginnt immer öfter über digitale Kanäle wie Suchmaschinen, Buchungsplattformen, soziale Netzwerke und eben KI-Chats. Wer heute auf TikTok einen Ort entdeckt, der ihn anspricht, kann nur Stunden später dort eine Unterkunft gebucht haben. Inspiration, Vergleich und Buchung liegen manchmal nur Minuten auseinander.

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Für Tourismusbetriebe stellt sich in diesem Umfeld die drängende Frage, wie die eigene Website auffindbar bleibt, wenn Reisende ihre Planung zunehmend über KI-Tools abwickeln, die keine klassischen Suchergebnisse mehr liefern, sondern direkte (und oft kaum nachverfolgbare) Empfehlungen aussprechen. Erste KI-Agenten sind bereits in der Lage, vollständige Reisepläne zu erstellen. Wer in diesen Systemen nicht sichtbar ist, existiert für einen wachsenden Teil potenzieller Gäste schlichtweg nicht. Viele Hoteliers haben diese neue Realität bereits erkannt. Laut Adyen-Report glauben 55 Prozent der deutschen Unterkunftsanbieter, dass KI-Suchwerkzeuge die Branche grundlegend verändern werden.

Zwischen den großen Studienzahlen und den konkreten Erfahrungen an der Rezeption liegt allerdings oft eine Diskrepanz. Green Pearls® hat daher seine Partnerhotels gefragt, was sie in ihrem Alltag tatsächlich an verändertem Buchungsverhalten und dem Einsatz von KI beobachten und wie sie auf etwaige Veränderungen reagieren.

Die Rückkehr der Unverbindlichkeit

Seit der Pandemie registrieren die beiden veganen Südtiroler Schwesterhotels Paradiso Pure.Living und LA VIMEA einen deutlichen Wandel, der durch die wirtschaftliche Unsicherheit in Europa in den vergangenen zwei Jahren noch an Fahrt aufgenommen hat. Der Anteil kurzfristiger Buchungen sei deutlich gestiegen, berichten die Teams der beiden Hotels. Gäste planen weniger langfristig, bevorzugen stattdessen Flexibilität und entscheiden je nach Lage, Wetter und persönlicher Stimmung. Gleichzeitig hat sich die durchschnittliche Aufenthaltsdauer verkürzt. Beide Hotels sehen darin keine Laune des Zeitgeists, sondern eine Reaktion auf reale Bedingungen wie wirtschaftliche Unsicherheit, veränderte Arbeitssituationen und ein generell gewachsenes Bedürfnis, sich möglichst wenig festzulegen. Für die Häuser bedeutet das, in ihrer Kommunikation und Angebotsgestaltung noch mehr Wahlfreiheit zu signalisieren.

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Eine sehr ähnliche Erfahrung macht das Naturresort Gerbehof am Bodensee. Seit Corona haben sich die Buchungsgewohnheiten fundamental verändert. Gäste buchen ohne lange Vorplanung und am liebsten mit Stornogarantie bis zur Anreise; ein Wunsch, den viele kleinere Betriebe nicht erfüllen können, ohne ihr wirtschaftliches Fundament zu gefährden. Alles laufe digital ab, persönliche Anrufe seien zur Ausnahme geworden, berichtet Inhaberin Ursula Wagner außerdem. Anfragen würden gleichzeitig an Dutzende Hotels geschickt, ohne persönliche Bindung an ein Haus. Das ist die Schattenseite der neuen Buchungskultur. Vergleichbarkeit und Effizienz aus Gastsicht, aber auch eine Entpersonalisierung, die dem Geist echter Gastfreundschaft zuwiderläuft.

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Beim ADLER Ritten in Südtirol zeigen sich zwei beinahe gegensätzliche Entwicklungen gleichzeitig: Einerseits wollen Gäste länger verweilen, um die Kultur, Geschichte und Energie eines Ortes wirklich aufzunehmen. Der Trend zu bewusstem Reisen ist im ADLER Ritten spürbar: ankommen, sich setzen, die Aussicht und die Stille genießen. Andererseits nehmen vor allem in den Zwischensaisons Last-Minute-Buchungen insbesondere für kürzere Aufenthalte zu. Viele Reisende entscheiden heute kurzfristiger. Wer sich nicht früh festlegen möchte, bucht spontan, vorausgesetzt, die Inspiration kommt zum richtigen Zeitpunkt.

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Das Baumhotel My Arbor in Südtirol beobachtet kürzere Entscheidungszyklen, intensivere Preisvergleiche und eine wachsende Nachfrage nach personalisierten Angeboten. Digitale Assistenzsysteme, darunter KI-Tools, spielen dabei eine zunehmende Rolle. Das Haus setzt daher darauf, noch individueller auf Gästewünsche einzugehen und Erlebnisse zu schaffen, die kein Algorithmus reproduzieren kann. Wer einen Aufenthalt im My Arbor bucht, sucht kein standardisiertes Hotelerlebnis. Er sucht etwas, das sich einer schematischen Einordnung entzieht. Das ist das stärkste Argument des besonderen Wellnesshotels gegenüber den KI-gestützten Buchungskanälen.

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Was kein Algorithmus ersetzen kann

schwarzwald panorama Auszeit vom Alltag

Das SCHWARZWALD PANORAMA in Bad Herrenalb sieht ebenfalls Veränderungen, die sich mit den Erfahrungen der anderen Hoteliers decken. Gäste informieren sich intensiver, vergleichen stärker und nutzen zunehmend digitale und KI-gestützte Recherchetools. Der Wunsch nach Transparenz, Sinnhaftigkeit und glaubwürdiger Nachhaltigkeit wächst aber ebenfalls. Mehr Persönlichkeit, nicht mehr Digitalisierung, lautet die Devise, und so setzt das Hotel bewusst auf individuelle Beratung, authentische Kommunikation und klare Werte. Denn gerade im Zeitalter der KI suchen viele Gäste nicht nur reine Informationen, sondern Orientierung, Vertrauen und echte Empfehlungen.

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Den Trend zu kurzfristigeren Buchungen und einer steigenden Preissensibilität registriert auch das Hotel Das Rübezahl im Allgäu; beides Zeichen eines veränderten Entscheidungsverhaltens, das auch KI-Nutzung in der Recherchephase widerspiegelt. Die Antwort des Hauses ist persönlich gehalten und setzt auf Nähe, persönliche Beratung, Empfehlungen von Herzen und individuelle Betreuung. Das kann kein Algorithmus ersetzen und das Hotel sieht darin einen klaren Wettbewerbsvorteil. Was Menschen an diesem Ort schätzen, lasse sich nicht automatisieren, ist das Team überzeugt.

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Das Tiroler Traditionshaus Hotel Klosterbräu in Seefeld sieht derzeit dagegen keine klar messbaren Veränderungen im Buchungsverhalten, die eindeutig auf KI zurückzuführen wären. Gäste informieren sich weiterhin über klassische Kanäle und persönliche Empfehlungen. Dennoch ist das Haus überzeugt, dass KI-gestützte Inspiration, automatisierte Angebotsvergleiche und personalisierte Reisevorschläge an Bedeutung gewinnen werden. Das Haus investiert daher weiterhin in klare, authentische Inhalte, transparente Angebote und eine starke Direktbuchungsstrategie. Der persönliche Kontakt bleibt zentraler Erfolgsfaktor. Technologie wird Prozesse effizienter machen, aber Vertrauen, Emotion und echte Gastfreundschaft entscheiden letztlich darüber, ob ein Gast wiederkommt.

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Eine Erfahrung, die für viele kleinere Boutique-Betriebe zutreffen dürfte, macht das kroatische Retreat Hotel Korinjak. Die meisten Gäste finden über Mundpropaganda oder persönliche Vorerfahrung zu ihnen. KI-gesteuerte Buchungsströme sind bislang nicht spürbar, was das Haus auf die spezifische Natur seines Angebots zurückführt. Wer ein besonderes, schwer kategorisierbares Produkt hat, taucht in den Ergebnislisten gängiger Suchmaschinen wie in den Vorschlägen von KI-Tools oft nicht auf und muss sich auf persönliche Weiterempfehlungen und starke Netzwerke verlassen.

Wenn KI die Gäste schickt

Einen besonders konkreten Datenpunkt liefert das Kärntner Hotel Schloss Lerchenhof. Mehrere Restaurantgäste haben erzählt, dass sie aufgrund einer KI-Empfehlung zum Essen gekommen sind. Ein erster messbarer Beleg dafür, wie KI zunehmend zur Orientierung auch bei der Restaurantwahl beiträgt, nicht nur auf Hotelsuche-Ebene. Bei den Buchungen zeigt sich auch im Schloss Lerchenhof ein klarer Trend zur Kurzfristigkeit. Langzeitbuchungen über eine Woche werden seltener; der durchschnittliche Aufenthalt liegt inzwischen bei vier Nächten. Bemerkenswert ist außerdem, dass der Lerchenhof seit der Umstellung auf ein neues Buchungssystem im Jahr 2024 rund 80 Prozent Direktbuchungen verzeichnet, gegenüber zuvor rund 50 Prozent. Eine Entwicklung, die zeigt, dass digitale Infrastruktur und Direktvertrieb zusammengehen.

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Das Hotel Okelmann‘s in Niedersachsen bemerkt deutlich, dass immer mehr Gäste über eine KI-Suche auf das Hotel aufmerksam werden, sowohl für private Aufenthalte als auch für Geschäftsreisen und Veranstaltungen. Diese Entwicklung bewertet das Haus sehr positiv. Gleichzeitig ist auch die Zahl der Direktbuchungen über die eigene Website deutlich gestiegen. Um diesen Trend weiter zu fördern, führt das Okelmanns im Frühjahr einen Korrespondenz-Manager ein, der die Kommunikation mit Gästen vereinfacht und beschleunigt. Dies zeigt, wie wichtig es ist, nach einer erfolgreichen Auffindbarkeit über KI auch mit einer überzeugenden Website und einem unkomplizierten Buchungsprozess zu punkten.

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Klarheit als Strategie

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Das Hotel Weihrerhof am Wolfsgrubener See in Südtirol stellt fest, dass Suchanfragen vor allem konkreter und individueller werden. Gäste suchen nicht mehr einfach nach ‚Hotel Südtirol‘, sondern nach Häusern, die zu bestimmten Werten und Bedürfnissen wie Nachhaltigkeit, Ruhe, Lage am See oder familiäre Führung passen. KI-gestützte Suchen funktionieren anders als klassische Schlagwortsuchen, da sie die Bedeutung bis hin zum Kontext verarbeiten und nicht nur Begriffe abgleichen. Daher liefert sie präzisere Treffer. Der Weihrerhof reagiert auf diese Entwicklung mit einer klaren Content-Strategie: Inhalte werden transparent, konkret und strukturiert formuliert, sodass sowohl menschliche Gäste als auch KI-Systeme ein realistisches und stimmiges Bild des Hauses sowie seiner Werte wie Naturverbundenheit, Seezeit und Familie erhalten.

Die Lifestylehotelgruppe SANDcollection in Norddeutschland beschreibt, was viele Green Pearls® Partner in ähnlicher Form erleben: KI und Social Media erleichtern Gästen die Orientierung, liefern Reisevorschläge, Preisprognosen und Alternativtermine in Sekunden. Die Digitalisierung habe das Buchen vereinfacht und den Entscheidungsprozess enorm beschleunigt, meint Inhaberin Marion Muller. Trotzdem werden Details nach wie vor gerne persönlich abgeklärt, z.B. per Telefon, E-Mail oder über den Live-Chat der Webseite. Die FAQ-Funktion digitaler Buchungsplattformen beantworte Fragen häufig nicht ausreichend oder individuell genug. Vor diesem Hintergrund verfolgen das SANDnature (Ostsee) und das SANDglow (Nordsee) eine Ausrichtung, die auf einer klaren Positionierung samt Corporate Identity, einer optimierten Online-Präsenz mit konkreten Inhalten, Bild- und Videomaterial, flexiblen Stornierungsoptionen sowie personalisierten Angeboten statt Standardpaketen basiert. Hinzu kommt der gezielte Einsatz eigener digitaler Tools zur Datenanalyse und Gästekommunikation, kombiniert mit einem bewussten Bekenntnis zu persönlichem Service als Mehrwert.

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Von einer technischen Seite nähert sich der Klosterhof – Alpine Hideaway & Spa in Bayern dem Thema. Interne Analysen zeigen dem Haus, dass ein wachsender Anteil der Website-Zugriffe von KI-Assistenten stammt. Der Webauftritt wird daher so gestaltet, dass die künstliche Intelligenz detaillierte und strukturierte Informationen daraus ziehen kann. Wer im Zeitalter intelligenter Suchsysteme sichtbar sein will, muss seine Inhalte so aufbereiten, dass Algorithmen sie lesen, verstehen und weiterempfehlen können.

Das Naturhotel Outside beobachtet, dass geringere Planungsvorläufe und Wahlfreiheit für Gäste selbstverständlich geworden sind. Entscheidungen fallen spontaner, Vergleiche werden häufiger gezogen, die Recherche dahinter wird gründlicher. KI dient dabei gezielt als Inspirations- und Recherchewerkzeug. Wer in Sekunden buchen will, braucht in Sekunden klare Antworten. Das Hotel reagiert darauf mit verständlichen Websiteinhalten, ehrlichen Bildern und unkomplizierter Kommunikation. Gleichzeitig wächst das Bedürfnis nach persönlicher Beratung. KI liefert Orientierung, den letzten Anstoß geben jedoch oft die Menschen.

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Sichtbarkeit, Klarheit und der unersetzliche Faktor Mensch

Wer in einer KI-gestützten Buchungswelt sichtbar sein will, braucht strukturierte, ehrliche, aber vor allem menschliche Inhalte. Auch eine unverwechselbare Positionierung ist im Wettbewerb um Aufmerksamkeit unverzichtbar. Aber wer Gäste wirklich binden will, braucht das, was kein Algorithmus liefert: echte Gastfreundschaft, persönliche Beratung, individuelle Nähe. KI verändert, wie Reisende suchen, vergleichen und entscheiden. Sie verändert nicht, was Menschen am Ende eines langen Reisetages wirklich suchen: einen Ort, der sie willkommen heißt.

Unsere Quellen:

KI in der Reiseplanung: Die wichtigsten Fragen im Überblick