Darmstadt,
26
Oktober
2022
|
08:00
Europe/Amsterdam

Wie entwickelt man ein nachhaltiges Hotel, Marion Muller? (Pioniere der Nachhaltigkeit – Interviewserie)

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Ich würde es jetzt einfach mal als ständiges Nachdenken und Hinterfragen bezeichnen. Denk darüber nach, was du tust. Ohne Zeigefinger. 

Marion Muller
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Wie wird man eigentlich nachhaltiger Hotelier? Was inspiriert Menschen dazu, ihr Leben dem nachhaltigen Urlaub anderer zu verschreiben? Green Pearls® Hoteliers, deren Werdegänge kaum unterschiedlicher sein könnten, beantworten in dieser Interviewserie unter dem Titel „Pioniere der Nachhaltigkeit“ diese Frage.

Heute: Marion Muller vom Lifestylehotel SAND in Timmendorfer Strand

Ein steiniger Weg zum SAND

Marion Muller lacht viel während des Interviews. Vor allem als es darum ging, was ihre ersten Gedanken beim Kauf des alten Hotels Zum Timmendorfer Hof. Damals waren sie und ihr Mann noch weit entfernt vom heutigen, nachhaltigen SAND-Konzept. Erst einmal mussten sie überleben. Trotzdem gehörte so ein kleiner Gedanke an ein nachhaltiges Konzept immer schon mit dazu.

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Green Pearls®: Liebe Marion, danke, dass du dir die Zeit nimmst, uns ein wenig mit auf deinen Weg zum nachhaltigen Hotelier zu nehmen.

Marion Muller (Lifestylehotel SAND): Ja, sehr gerne. Wir müssen ja über diese Themen reden und wir möchten es auch.

 

GP: Was sind die drei Worte mit denen du das SAND beschreiben würdest?

Marion: Da hab vier für dich. Unter vier mache ich es nicht. *lacht* SAND, das Wort steht für “Sand Aspires Natural Design”. Und wir haben jetzt nicht nur das Design, wie handeln auch danach: “Sand Aspires Natural Doing”. Und das sind einfach vier Buchstaben, denen wir den Inhalt unseres ganzen Tuns geben und das bedeutet für uns nachhaltiger Lifestyle.

 

GP: Wie lange seid ihr, du und dein Mann, schon Hoteliers?

Marion: Das Haus haben wir 1995 gekauft. Es ist ein Hotel aus den 1920er Jahren. Da kann man sich ausmalen, was jetzt kommt. *lacht* Es war natürlich modernisierungs- und renovierungsbedürftig. Aber wir wollten selbstständig sein und haben gesagt „Okay, das können wir bezahlen; das kaufen wir.“ Ab da waren wir Hoteliers.

 

GP: Und wie lange interessierst du dich schon für Nachhaltigkeit?

Marion: Ich komme aus dem Tourismus. Ich habe Tourismus studiert und befand mich zu einer Zeit in der Ausbildung, in der Massentourismus normal war. Man konnte plötzlich Gruppenreisen von 30 Personen nach China organisieren, günstig nach Amerika reisen. Das kennen wir heute auch noch: Der Flug nach Mallorca kostet nicht viel.  

Diese Zeit hat mir zu denken gegeben. Ich war immer der Meinung, dass die Natur ja so erlebt und betrachtet werden will, wie sie ist. Wenn wir alle überall hinreisen und sorglos „herumtrampeln“, dann sind Eindrücke und Menschen vor Ort nicht mehr authentisch. Dann ist das, was wir da sehen nicht mehr so wie es war. Aber, wenn man von diesem Zweig abhängig ist und sich touristisch engagiert, ist es immer ein Zwiespalt zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit und den Auswirkungen auf die natürliche Umgebung und Umwelt. Das hat mich schon immer bewegt.

 

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Nachhaltig. Fast von Anfang an.

GP: Was war der allererste Gedanke, als du euer Hotel zum ersten Mal gesehen hast?

Marion: Oh mein Gott, hier muss eine Menge getan werden. *lacht*

 

GP: Hattet ihr schon mit dem Kauf des Hotels den Gedanken, das wird ein nachhaltiges Hotel? Oder kam das später?

Marion: Mit dem Kauf des Hotels war mir gar nicht klar, dass wir in diese Schiene gehen wollen. Wir mussten auch erstmal um das wirtschaftliche Überleben kämpfen. Man kann nicht sagen: Hopps, ich investiere jetzt ganz viel auf einmal, weil ich da diese Idee habe. Es muss langsam passieren, sich entwickeln. Aber im Inneren waren wir schon bereit, in diese Richtung zu gehen. Man muss sich nur erst Gedanken machen, was umsetzbar ist.

 

GP: Gab es denn einen Moment, wo die Entscheidung „nachhaltiges Hotel“ gefallen ist?

Marion: Den gab es. Wir hatten beim Kauf des Hotels um die 25 Zimmer und das war nicht rentabel. Es musste etwas passieren. Wir haben also investiert und unser Haus um 12 Zimmern aufgestockt. Gleichzeitig haben wir uns gesagt: Okay, wenn wir jetzt investieren, dann wollen wir es auch nachhaltig oder effizient machen. Damals ging es hauptsächlich um Energieeffizienz, weniger um die anderen Aspekte der Nachhaltigkeit. 

Das zweite Schlüsselerlebnis ergab sich daraus, dass wir zwar schon sehr gut gebucht waren, aber nie genug übrig blieb, um zu investieren. Das war der Punkt, wo wir beschlossen haben, dass wir handeln müssen. Wir mussten uns vom Traditionshaus verabschieden, um unser Konzept auf eine spezielle Zielgruppe ausrichten, die unsere Philosophie unterstützt. Also haben wir das Hotel mit der Unterstützung von externen Beratern komplett modernisiert. Das SAND wurde geboren. Das war 2012. Es hat eine Weile gedauert. Von ‘95 bis 2012. Aber dann ging es richtig los.

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Herausforderungen und Zukunftswünsche

GP: Wo siehst du jetzt die nächste große Herausforderung?

Marion: Die Umsetzung von Nachhaltigkeit ist immer eine Herausforderung. Wir sind kein Haus, das sich komplett als Biohotel oder Ökohotel aufstellt. Wir heißen ja SAND Lifestylehotel. Das ist uns auch wichtig, weil unsere Gäste auch einen gewissen Komfort haben sollen und sich entspannt im Urlaub fühlen möchten. Ich würde nie mit dem erhobenen Zeigefinger durch das Haus gehen. Es geht anders. Wir möchten den Gast überzeugen und mitnehmen und der Gast nimmt uns auch mit, in dem er uns Hinweise und Ideen gibt. 

Ich würde es jetzt einfach mal als ständiges Nachdenken und Hinterfragen bezeichnen. Denk darüber nach, was du tust. Ohne Zeigefinger. Und das ist eine Riesen-Herausforderung.

 

GP: Was macht für dich einen nachhaltigen Hotelier aus? Würdest du dich als nachhaltigen Hotelier bezeichnen?

Marion: Doch, mit Herzblut! Es gab bei uns eine Entwicklung von Energieeffizienz hinzu anderen Themen in Sachen Nachhaltigkeit. Es geht zum Beispiel um soziale Nachhaltigkeit im Mitarbeiterbereich. Das ist und bleibt ein wichtiges Thema. Wir haben eine betriebliche Altersvorsorge, geben Mitarbeiterzuwendungen und stellen Mitarbeitern PKWs zur Verfügung. Wir wollen, dass alle im SANDteam auch privat und zu Hause gut aufgestellt sind und ihnen die sogenannte Work-Life-Balance ermöglichen.

Ich möchte auch unsere Partner zu Nachhaltigkeit anregen. In den letzten Jahren ist dieses Thema ja ständig auf dem Tisch und jeder ist plötzlich nachhaltig. Für uns gilt es jetzt, die zu finden, die bei Green Pearls® als Pioniere der Nachhaltigkeit bezeichnet werden. Ich hinterfrage immer: Welche Partner leben unsere Gedanken authentisch, können unsere Bestrebungen unterstützen und das Netzwerk erweitern? Das sehe ich als Herausforderung im betriebswirtschaftlichen Umfeld.

Mir ist wichtig, auch Kollegen Möglichkeiten aufzuzeigen, wie unternehmerisch nachhaltig gehandelt werden kann. Es liegt mir sehr am Herzen vor allem kleineren und mittelgroßen Betrieben generell Mut zu konsequentem Umsetzen nachhaltiger Gedanken zu machen, auch wenn das einen extra Aufwand neben dem „Core-Business“ bedeutet. Es gibt konkrete Beispiele dafür, wie man seine Nische im Hotellerie-Bereich entwickeln kann, in der man dann Vorreiter ist. Auch das gehört für mich zur Nachhaltigkeit.

 

GP: Und das ist dann so das, wo du sagen würdest, dieses Denken, dieses “Leute an die Hand nehmen und mitnehmen”, das macht für dich einen nachhaltigen Hotelier aus?

Marion: Ja, und das auch zu leben.

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Zukunftsträchtig bedeutet in der Hotellerie auf jeden Fall Andersdenken, nicht starr in seiner Tradition zu verharren, sondern nach rechts und links zu gucken. 

Marion Muller
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GP: Was wünschst du dir für die Zukunft?

Marion: Zukunftsträchtigkeit in der Hotellerie bedeutet auf jeden Fall  Andersdenken, nicht starr in seiner Tradition zu verharren, sondern nach rechts und links zu gucken.

Nicht zu indoktrinieren, sondern gut zuhören. Das kann auch mal überraschend sein.

Sich darauf einstellen, wie jemand eigentlich verreisen möchte. Da ist das Thema Nachhaltigkeit einfach ein Muss. Da kommt man überhaupt nicht vorbei.

Authentizität und das Dahinterstehen sehr wichtig.  Man soll keine Rolle spielen. Wir haben früher immer gesagt, Hotellerie kommt gleich nach Zirkus. Das darf es nicht sein. Wir sind Dienstleister und Wunscherfüller auf Augenhöhe mit unseren Gästen. Dazu gehört es, mit dem Gast kommunikativ unterwegs zu sein und zu fragen, was er eigentlich möchte, was wir ihm geben können und wie wir unser Produkt verbessern und aufstellen können. Und das sollte jeder in der Branche tun.

 

GP: Vielen lieben Dank für deine Offenheit!

Über das Lifestylehotel SAND

Das Lifestylehotel SAND liegt an der deutschen Ostseeküste in dem beliebten Urlaubsort Timmendorfer Strand. Mit seinem klaren Design und frischen, SANDigen Ideen begeistert das Adults-only Hotel seine Gäste. Ob Wellness, Wochenendauszeit oder Aktivurlaub: Im SAND wird jeder fündig.

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Pioniere der Nachhaltigkeit bei Green Pearls®

Unter diesem Titel werden in der nächsten Zeit verschiedene Hoteliers und Gastgebende zu Wort kommen, ihre Gedanken zur Nachhaltigkeit teilen und über ihre Werdegänge berichten. Die Interviewserie ist fortlaufend und wird im zwei- bis dreiwöchigen Rhythmus veröffentlicht. Freuen Sie sich im zweiten Teil der Serie auf Marc Traubel vom HUBERTUS Mountain Refugio im Allgäu.