Ausbildung in der Hospitality-Branche: Herausforderungen, Nachhaltigkeit und Wünsche für die Zukunft
Zukunftsorientiert, die nächste Generation im Blick, an eine Welt von morgen denkend – All das zeichnet nachhaltige Hotel und Unterkünfte aus. Doch das gelingt nur, wenn dieser Traum auch weitergetragen wird. Dafür braucht es ein Team, das den Traum unterstützt und junge Menschen die dort hineinwachsen und mit den genannten Werten im Hintergrund ausgebildet werden.
Ausbildung in der Hotellerie – Überstunden und mangelnde Qualität
Im Ausbildungsbereich zeichnet sich in der Hospitality-Branche ein düsteres Bild. Seit Jahren klagen Hoteliers über fehlende Interessenten. Vorhandene Ausbildungsplätze werden nicht besetzt und der Ruf der Branche ist mehr als nur angeknackst. Der neueste Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbunds, für den 14428 Jugendliche bezüglich ihrer Ausbildung befragt wurden, bestätigt das.
In beinahe allen betrachteten Punkten, insbesondere aber in der Ausbildungsqualität und im Punkt Überstunden, schnitten die Hospitality-Ausbildungen Hotelfachmann*frau und Koch*Köchin am schlechtesten ab. In der Gesamtbewertung rangieren beide Berufe dementsprechend weit unten.
Kein Wunder, dass nur knapp die Hälfte der befragten Auszubildenen zur Hotelfachkraft mit der Ausbildung zufrieden ist. Zum Vergleich: Bei den Industriemechaniker*innen am oberen Ende der Skala sind es über 80 Prozent.
Es muss sich etwas ändern
Neben den fehlenden Auszubildenden wanderten auch immer mehr Fachkräfte ab. Vor allem in die Industrie, bemerkt das STURM in der bayrischen Rhön. „Eine Rechnung, die nicht aufgeht und vor allem nicht nachhaltig ist“, resümiert es.
Nachhaltigkeit in der Ausbildung – Das bedeutet aber nicht nur Wertevermittlung und Lehrstoff, sondern auch die faire Behandlung des Teams, das Bezahlen von Überstunden, das Festlegen von Arbeitszeiten und eine qualitativ hohe Ausbildung. Es sei wichtig, dass das schlechte Image wieder besser werde, so das Hotel Das Rübezahl in Schwangau. Dafür kämpft das von der DEHOGA als Top-Ausbildungsbetrieb ausgezeichnete Romantikhotel mit einer guten Ausbildung.
Gute Ausbildung = Nachhaltige Ausbildung?
Was macht denn nun eine gute Ausbildung in der Hospitality-Branche aus? Vieles lässt sich aus dem Ausbildungsreport und den darin formulierten Forderungen ablesen, darunter: Überstunden als Ausnahme, nicht als Regel, gesicherte Übernahme nach der Ausbildung und mehr Mitbestimmung für die Auszubildenden.
Wir haben bei den nachhaltigen Hotels des Green Pearls® Netzwerks nachgefragt, wie sie die Situation erleben, worauf sie in der Ausbildung Wert legen und wie sie die Qualität der Ausbildung nachhaltig sicherstellen.
Nachhaltige Ausbildung
Die Kommunikation und Nähe zum Gast mache ihre Branche aus, fasst das Berghotel Rehlegg zusammen. Daher seien die Auszubildenden von Tag 1 an direkt involviert in die Arbeit am und mit den Gästen. Das Hotel im Nationalpark Berchtesgaden will seine Auszubildenden bestmöglich auf das Berufsleben vorbereiten. Dazu gehört auch, dass die jungen Menschen alle Abteilungen kennenlernen können, die für ihren Ausbildungsberuf relevant sind. Das Berghotel will außerdem vermitteln, dass schon kleine Gewohnheitsänderungen im eigenen Alltag der Natur etwas Gutes tun. Sei es beim Einsparen von Müll und Plastik oder bei der Qualität der eigenen Lebensmittel.
Die Ausbildung im Tiroler Hotel Klosterbräu basiert auf dem YOUNIQUE-Konzept des Hotels: YOU = Sie, der Gast & der Mitarbeiter und dessen Wünsche und UNIQUE = die Einzigartigkeit unseres Hauses und unserer Services.
Darauf aufbauend stehen eine familiäre, herzliche und freundschaftliche Atmosphäre im Mittelpunkt. Ehrliche und authentische Gastfreundschaft zieht sich wie ein Leitfaden durch alle Bereiche und eben auch die Ausbildung. Sie steht über allen anderen Fähigkeiten und macht das Klosterbräu für Urlauber*innen und Mitarbeitende gleichermaßen zu einem besonderen Ort.
Übrigens: Die Mitarbeiterunterkünfte des Hotels befinden sich in fußläufiger Nähe, sodass kein Auto für den Arbeitsweg benötigt wird. Außerdem bietet Seefeld eine sehr gute Bus- und Bahnanbindung für Pendler.
Das Allgäuer Hotel Das Rübezahl hat sich zum Ziel gesetzt, die Auszubildenden in der Branche zu halten. Essentiell dafür sind eine hochwertige Ausbildung und ein besseres Image der Branche. Eine große Aufgabe, aber zumindest im Hotel Das Rübezahl scheint es zu gelingen: Knapp 10 Prozent des Hotel-Teams sind Auszubildende oder duale Studierende. Und dass diese sich wohlfühlen zeigt sich in zahlreichen Projekten. Stolz berichtet Alexander Thurm, Inhaber des Hotels, zum Beispiel von dem letzten freien Projekt der Auszubildenden. Bei der „Herzensaktion zum Weihnachtsfest“ bereiteten die jungen Menschen eigenständig eine Weihnachtsaktion zum Schwangauer Nikolausmarkt und für die Bürger*innen vor. Neben Plätzchen backen und Chutneys einkochen kümmerte sich das Azubi-Team auch um die komplette Organisation.
Neben der Ausbildung im Hotel bietet das Hotel Das Rübezahl auch noch einen weiteren besonderen Ausbildungsort. Auf der eigenen Berghütte kann, basierend auf der Koch- oder Restaurantfachlehre, eine Ausbildung zum Hüttengastronom abgeschlossen werden. Neben der Bergluft und dem traumhaften Panorama biete diese Ausbildung sehr viel Abwechslung, da man viel mehr „Allrounder“ sein müsse als im Tal, beschreibt Alexander Thurm mit einem Augenzwinkern.
Der Fokus in der Ausbildung im bayrischen Klosterhof – Alpine Hideaway und Spa liegt klar auf einem sozialen Mehrwert. Ein herzliches Miteinander und ein wertschätzender Umgang seien sehr wichtig, schreibt uns das Hotel. Das Ergebnis: ein familiäres Arbeitsklima und flache Hierarchien, die nicht nur auf dem Papier existieren. Auszubildende werden von Anfang an ermutigt, ihre eigenen Ideen und Anregungen einzubringen. Azubi-Projekte wie die Weihnachtstombola für den guten Zweck oder die Tee-Schulung, die im Nachgang verfilmt und für Social Media aufbereitet wurde, bieten einen geschützten Raum, in dem die Auszubildenden und dualen Studierenden Verantwortung und Organisation übernehmen können.
Während der Ausbildung und der Arbeit im Klosterhof steht der Mensch als Individuum mit seinen Fähigkeiten und Interessen im Mittelpunkt. Kommunikation und Austausch in Azubi-Meetings, Entwicklungsgesprächen und im alltäglichen Business sind ebenso Teil des Rahmenplans wie das Erlangen umfassender Kenntnisse der Tourismusindustrie und der Arbeitsabläufe im Hotel- und Gastgewerbe. Dass das funktioniert und ankommt beweist die aktuelle Auszeichnung des Klosterhofs auf der Plattform kununu als „Top-Company“.
Ein besonderes Anliegen sei es, die jungen Menschen von der Branche und der eigenen Nachhaltigkeitsphilosophie zu begeistern, fasst Lisa-Marie Standl vom Klosterhof noch einmal zusammen. So wollten sie dem Negativtrend im Nachwuchs entgegenwirken.
Übrigens: Der Klosterhof ist ein Ganzjahresbetrieb. Anders als in anderen Tourismusunternehmen gibt es also keine saisonalen Schwankungen und unsicheren Arbeitsverhältnisse, sondern eine ganzjährige, sichere Beschäftigung.
Ausbildung in Nachhaltigkeit
Spaß und Leidenschaft bei der Arbeit stehen in der Ausbildung im STURM im Mittelpunkt. Das familiengeführte Hotel will für seine Mitarbeitenden, und damit auch für die Auszubildenden, ein zweites zu Hause sein.
Während der Ausbildung wird man nicht nur Teil eines Teams, sondern auch Teil einer kleinen Familie mit klarer Wertvorstellung.
Der Fokus auf Nachhaltigkeit und Bio zeigt sich auch darin, dass die Ausbildung in diesen Themen weit über den Lehrplan hinausgeht. Der große Naschgarten ist dabei die Basis, von der aus die Auszubildenden alles über Anbau, Ernte und Verarbeitung von Kräutern, Beeren, Salaten und Gemüse lernen. Ebenso werden die jungen Menschen in die Auswahl neuer, nachhaltiger Produkte und in Bestellvorgänge einbezogen.
Auch auf Gut Guntrams geht die Ausbildung über den Lehrplan hinaus. Alle Mitarbeiter*innen werden darauf geschult, bewusst ihre Sinne einzusetzen. Neben dem Sehen eben auch den Geruchs- und Geschmackssinn. Damit setzt das Naturhotel mit der angeschlossenen Bio-Landwirtschaft seine Philosophie der Achtsamkeit für die Natur konsequent um.
Blick in die Zukunft – Wünsche für die Ausbildung
Oftmals werden die Auszubildenden zu ihren Wünschen befragt. Was wollen sie in der Ausbildung sehen, was ist ihnen wichtig. Wir haben den Spieß einmal umgedreht und bei den nachhaltigen Hoteliers nachgefragt, was sie sich wünschen würden. Nicht unbedingt von den Auszubildenden, sondern vom Lehrplan in den Schulen und Berufsschulen, der Gesellschaft und ganz allgemein wie ihre Wunschvorstellung einer Ausbildung zur nachhaltigen Hotelfachkraft aussehen würden.
HUBERTUS Mountain Refugio in Balderschwang, Deutschland
Wir würden uns wünschen, dass die Auszubildende auch in der Schule etwas über das Thema Nachhaltigkeit erlernen würden.
Hotel Klosterbräu in Seefeld, Österreich
Wir wünschen uns noch mehr regionale Schulungen mit örtlichen & regionalen Lieferanten; teilweise wird das bereits von uns umgesetzt, aber in Zukunft wollen wir das noch verstärken.
STURM in Mellrichstadt, Deutschland
Wir wünschen uns mehr Wertschätzung und Anerkennung für eine Ausbildung im Allgemeinen, aber auch eine Ausbildung in der Hotellerie. Die letzten Jahre ist diese Branche etwas in Verruf geraten und auch durch die Pandemie-Situation wurde das Image weiter negativ getrübt. Dabei vermittelt eine Ausbildung in der Hotellerie Kenntnisse, die nicht nur für den beruflichen Alltag von Nutzen sind, zum Beispiel Menschenkenntnis, Kommunikationsfähigkeiten, Kenntnisse über Lebensmittel und Getränke sowie deren Zubereitung, Eindecken und Dekoration, sowie auch eine angemessene Reinigung unterschiedlichster Flächen und Stoffe, Organisation und Flexibilität.
Kaum eine andere Ausbildung vereint so viele “Lebensweisheiten” in einem Beruf.
Klosterhof – Alpine Hideaway & Spa
Wir wünschen uns im Allgemeinen, dass eine Ausbildung in der Hotellerie oder Gastronomie medial nicht so verstaubt und einschränkend dargestellt wird. Das Spektrum für Karrieremöglichkeiten ist riesig, die Branche innovativ und jung. Familiengeführte Unternehmen haben meist nichts mit veralteten Kettenstrukturen mehr zu tun, sondern werfen abteilungsübergreifend einen Blick über den Tellerrand hinaus und geben ihr Engagement und die Leidenschaft für diese ganz besondere Branche an die Auszubildenden weiter.
In Bezug auf den Lehrplan wünschen wir uns eine ganzheitliche Prüfungsvorbereitung und die zeitgemäße Anpassung der Inhalte. Manche Dinge sind einfach veraltet und nicht mehr in der aktuellen Praxis wiederzufinden.
Zusammenfassung
Die Ausbildung zur Hotelfachkraft oder zum*zur Koch*Köchin zählt seit Jahren zu den am schlechtesten bewerteten und unbeliebtesten Ausbildungen. Das zeigte sich erneut in dem aktuellen Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbunds. In der Branche selbst weiß man um die Probleme und bemüht sich um eine Verbesserung des Images durch qualitativ hochwertige Ausbildungen und die Kommunikation dieser. Insbesondere in nachhaltigen Hotels werden dabei Werte vermittelt, die weit über den normalen Lehrplan hinausgehen und nicht nur die Arbeit im Hotel wichtig sind.
