Darmstadt,
07
Juni
2023
|
09:02
Europe/Amsterdam

Der steinige Weg zu Klimaneutralität – So gehen ihn die Green Pearls® Partner

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Ein wichtiger Aspekt, wenn wir über Nachhaltigkeit im Hotel oder im Tourismus sprechen, ist der Klimaschutz. So akut wie nie zuvor, müssen alle Beteiligten in der Branche jetzt handeln, um unseren Planeten zu erhalten und die Katastrophe abzumildern. Zu den Anforderungen an die Green Pearls® Unterkünfte gehört deshalb auch der Einsatz für den Klimaschutz und das Bewusstsein über die eigenen Auswirkungen und Emissionen. Bevor wir uns jedoch die Maßnahmen einzelner Green Pearls® Partner ansehen, müssen wir eine Frage klären: 

Was bedeutet Klimaneutralität und Klimapositivität?

Im Zusammenhang mit Gesprächen und Forderungen rund um die Klimakrise fallen immer häufiger die Begriffe „klimaneutral“ und „klimapositiv“ ohne dass in jedem Fall klar ist, was sich dahinter verbirgt. Dabei scheint es im ersten Moment ganz einfach: Klimaneutralität bedeutet, dass nur so viele Treibhausgase, zum Beispiel Kohlenstoffdioxid oder Methan, emittiert werden, wie in sogenannten Kohlenstoffsenken auch aufgenommen werden kann. Rein rechnerisch hätten wir dann die Netto-Null-Emissionen erreicht.

Das Problem: Die natürlichen Kohlenstoffsenken, also Wälder, Ozeane und unversiegelte Böden, können unsere aktuell verursachten Emissionen nicht aufnehmen. Und künstliche Kohlenstoffsenken, die einen tatsächlichen Beitrag zur Aufnahme der Treibhausgasemissionen leisten, gibt es bislang nicht.

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Ohne Reduktion geht es nicht

Um Klimaneutralität (Aufnahme = Emission) oder sogar Klimapositivität (Aufnahme > Emmission) zu erreichen, müssen die Emissionen zunächst deutlich reduziert werden, übrigens nicht nur lokal betrachtet, sondern auch global. Erst dann kann über Ausgleichsmaßnahmen nachgedacht werden. Dieser erste Schritt gehört bei den meisten unserer Partner zum Alltag, umfasst er doch das Beobachten, Reflektieren und Optimieren der eigenen Prozesse und Gegebenheiten, die für ein nachhaltiges Handeln ohnehin unablässig sind.

Bei der Ermittlung der Emissionen wird unterteilt in direkte und indirekte Emissionen sowie in drei sogenannte Scopes: 

  • Scope 1 umfasst die direkten Emissionen des Hotels bzw. des Ferienhauses. Dazu gehören zum Beispiel der Fuhrpark und durch das Hotel selbst verursachte Emissionen.
  • Scope 2 bezeichnet Emissionen, die an anderer Stelle verursacht werden und in das Hotel „importiert werden“, zum Beispiel über Strom oder Wärme.
  • Scope 3 umfasst indirekte Emissionen, die außerhalb der Grenze der ersten beiden Scopes liegen. Beinhaltet sind dort zum Beispiel Dienstreisen oder auch der Anfahrtsweg der Mitarbeiter*innen.

Wie wird man klimaneutral?

Kennt man die eigenen Emissionen geht es ans optimieren und reduzieren. Diese Reduktion kann an verschiedenen Stellen und auf verschiedene Art und Weise erfolgen. Die Green Pearls® Unterkünfte zeigen, wie unterschiedlich der Weg zum Ziel sein kann.

Mit der Kraft der Sonne – Erneuerbare Energien in nachhaltigen Unterkünften

Mehrere Photovoltaikanlagen, eine Solarthermie-Anlage, eine Wärmepumpe mit Erdwärme und ein eigenes Blockheizkraftwerk – Die Aufzählung der energetischen Maßnahmen, die das STURM in der Rhön bereits ergriffen hat, scheint nicht aufzuhören. Besonders stolz ist das Team auf die im letzten Jahr fertiggestellten Gartenblickzimmer. Diese sind nach den neuesten Energiestandards errichtet und haben dank eigener Photovoltaikanlage sowie der schon genannten Wärmepumpe eine klimaneutrale Energiebilanz. In Zukunft sollen zwei Industrie-Akku-Speicher eine energetische Kreislaufwirtschaft ermöglichen und die klimafreundliche Energie auch an Schlechtwetter-Tagen und nachts zur Verfügung stellen.

Darüber hinaus sei eine der Hürden auf dem Weg zu Klimaneutralität der Erhalt und die Modernisierung des Bestandsgebäudes aus den 70er Jahren. Hier war ein Spagat zwischen Klimaschutz und Design das Ziel, das mit Hilfe des Architekten Matthias Loebermann auch gelang. Durch den Nicht-Abriss des Gebäudes konnten eine Menge Ressourcen gespart und Abfall vermieden werden, was wiederum dem Klima zu Gute kommt.

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Klimaneutralität ist wichtig und richtig. Jedoch ein langer Weg, wobei die größte Herausforderung noch nicht einmal der Weg hin zu einer Klimaneutralität ist, sondern wohl die damit verbundene Bürokratie.

STURM
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Auf unsere Frage, ob sie klimaneutral seien, antwortete Alexander Thurm, Junior-Chef im Hotel Das Rübezahl, mit einem Lächeln: „Leider noch nicht ganz.“ In dem romantischen Alpenhotel vis-a-vis des berühmten Schloss‘ Neuschwanstein wird seit 2021 etwa 90 % des benötigten Stroms durch die Photovoltaikanlage und ein Blockheizkraftwerk selbst erzeugt. Für den restlichen Bedarf bezieht Familie Thurm Ökostrom. Pool und Whirlpool werden mittels Wärmerückgewinnung aus den Kühlhäusern geheizt. Außerdem regt Familie Thurm ihre Gäste dazu an, mit dem öffentlichen Nahverkehr anzureisen oder die Gegend zu erkunden. Letzteres geht wunderbar zu Fuß und man kann die zahlreichen, zum Teil seltenen Pflanzenarten auf der naturbelassenen Ausgleichsfläche in der Nähe des Hotels so ohnehin besser betrachten.

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Ein Merkmal, was nachhaltige Hotels auszeichnet, ist das konstante Streben danach, besser zu werden. So stellt Daniel Ganzer vom Naturhotel Outside fest, dass sie trotz Fernwärme, Strom aus regenerativen Quellen und der eigenen Photovoltaikanlage sowie vielen weiteren kleinen Maßnahmen nicht klimaneutral oder klimapositiv seien. „Aber wir kommen diesem Ziel sukzessive näher“, fügt er hinzu.

So stehen in dem Hotel im Nationalpark Hohe Tauern in diesem und dem nächsten Jahr einige Bauarbeiten an, wie zum Beispiel die Erweiterung der Photovoltaikanlage auf etwa 100 kW-Peak und das Ersetzen der alten Fenster und Balkontüren mit besonders gut gedämmten Holzfenstern bzw. Türen.

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Im A‘ Cràpa Mangia knallten zu Beginn des Jahres regelrecht die Korken. Nach jahrelangem Kampf gegen die Baugesetzgebung darf im Herbst endlich eine Photovoltaikanlage auf dem historischen Landgut einziehen. Dabei wird natürlich darauf geachtet, dass diese nicht störend auf das Ensemble wirkt, sondern sich harmonisch eingliedert und zum Beispiel als Schattenspender auf dem Parkplatz fungiert. Warmes Wasser wird bereits seit Jahren zum größten Teil mit Hilfe von Sonnenkollektoren erzeugt.

Kurze Wege für Lebensmittel

Auf Gut Guntrams gehört Klimaschutz zum Alltag. „Es ist nicht unser Stil, eine Maßnahme fürs Klima laut hinauszuposaunen“, schreibt uns das Team des Naturguts. Klimaneutral und klimapositiv seien leider Schlagworte, mit denen immer mehr „Schindluder“ getrieben werde. Wer auf Gut Guntrams Urlaub macht, kann sich sicher sein, dass die Grünflächen schonend und biologisch bewirtschaftet werden. Natürlich mit einem E-Traktor. Die eigenen Produkte werden, wenn sie nicht im Hofladen verkauft werden, mit einem E-Van ausgeliefert und die Lebensmittel, die im Lokal auf den Teller kommen, haben keine weiten Wege hinter sich. Stattdessen stammen sie oftmals aus der direkten Umgebung. Auf Produkte wie Meeresfisch wird ganz verzichtet.

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Am Weissensee in Österreich ist das Thema „Lebensmittel ohne weite Transportwege“ der bedeutendste Teil der Philosophie im Genießerhotel Die Forelle. Als Importautarkheit beschreibt Hotelinhaber und Chefkoch Hannes Müller seine Einstellung. So gut wie alle Lebensmittel stammen aus der direkten Umgebung, von Landwirten und Produzenten, die Müller persönlich kennt und aus dem eigenen Garten. Darüber hinaus wird kaum etwas weggeworfen. Stattdessen wird eingelegt, fermentiert, eingefroren oder anderweitig haltbar gemacht. Das gilt auch für die Schalen.

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Einen ähnlichen Ansatz verfolgt das luxuriöse Schweizer Hotel CERVO Mountain Resort in Zermatt. Nur wenige Produkte stammen nicht aus der Region oder haben einen weiteren Weg als 150 Kilometer. Bei allen Lieferanten achtet das CERVO konsequent auf die Einhaltung ökologischer (und sozialer) Kriterien und geht somit in Sachen Klimaschutz die Extra-Meile. Dazu gehört auch, dass Fleischgerichte sowie das Hausbier einen Preisaufschlag haben, mit dem die entstandenen Emissionen kompensiert werden.

Übrigens: Der Strom im CERVO stammt vollständig aus Zermatter Wasserkraft. Eine Wärmepumpe mit Wärmerückgewinnungssystem erzeugt fast den kompletten Wärmebedarfs des Hotels, sodass sie auf fossile Rohstoffe weitestgehend verzichten können. Auch Gäste werden mit in den Prozess des Klimaschutzes einbezogen, indem sie durch einen kleinen Aufpreis ihren Aufenthalt kompensieren können. Das CERVO kooperiert dafür mit MyClimate.

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CO2-Kompensation: Ja oder Nein?

Damit haben wir den letzten Bereich oder den letzten Schritt auf dem Weg zur Klimaneutralität bereits angesprochen: die Kompensation oder den Ausgleich unvermeidbarer Emissionen. Die Betonung liegt dabei auf „unvermeidbar“, denn wie das Creativhotel Luise richtig feststellt, sollte CO2-Kompensation kritisch betrachtet werden. Oft werde es als moderner Ablasshandel gesehen, sagt das Team des Erlanger Hotels und möchte deshalb vor allem die Maßnahmen hervorheben, die zur Treibhausgasreduktion eingesetzt werden. Dazu gehört zum Beispiel, dass der Strom vollständig aus Sonnenenergie von der eigenen Photovoltaikanlage und Wasserkraft erzeugt wird.

Das Creativhotel Luise wurde außerdem als erstes Hotel Deutschlands von Viabono als „klimapositiv“ ausgezeichnet, das heißt, es werden mehr Emissionen ausgeglichen, als das Hotel selbst erzeugt.

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Wir wollen keine Nullnummer sein, sondern wirklich etwas Positives bewirken.

Creativhotel Luise
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Die unvermeidbaren Emissionen werden derzeit über den Klimawald kompensiert. Dieser entsteht auf einst für die Rinderzucht gerodeten Flächen in Panama und schafft neben neuen Lebensräumen für einheimische Tiere auch Arbeitsplätze und Bildungsmöglichkeiten für die lokale Bevölkerung.

Auch das Berghotel Rehlegg kompensiert die verbliebenen Emissionen, die sich trotz Photovoltaik und Blockheizkraftwerk nicht vermeiden lassen. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit Positerra über einen aktiven Hummusaufbau, also die Bindung von Treibhausgasen wie CO2 im Boden. Weiterhin wird, ebenfalls in Panama, ein Aufforstungsprojekt unterstützt und auch direkt vor der Haustür im Nationalpark Berchtesgaden pflanzen die Mitarbeitenden regelmäßig Bäume.

„Den eigenen Fußabdruck zu messen ist schon eine Herausforderung“, meint Klaus Pichler vom Hotel Weihrerhof nachdenklich. Man gehe da in Details, über die man nie richtig nachgedacht habe. Doch genau darin liegt das Geheimnis, immer wieder neue Stellschrauben zu finden und besser zu werden. Sei es bei der Wahl regionaler Lieferanten, den Fahrten der Mitarbeitenden oder der Energiegewinnung durch Photovoltaikanlagen und Blockheizkraftwerk, wie es im Weiherhof der Fall ist. „Eigentlich wären wir ja klimapositiv, da wir unseren Wald mit seinen sieben Hektar nicht bewirtschaften und dieser so jede Menge CO2 speichert“, meint Klaus Pichler lachend.  

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Zusätzlich werden alle nicht vermeidbaren Emissionen über Gold-Standard Klimaschutzprojekte kompensiert, die immer etwas mit Wasser zu tun haben. Der eigene See vor der Haustür ist die Inspiration dazu und gleichzeitig eine Erinnerung daran, warum Klimaschutz so wichtig ist.