Darmstadt,
11
Februar
2026
|
11:30
Europe/Amsterdam

Massentourismus vermeiden – warum das Reisejahr 2026 zur Bewährungsprobe für Destinationen wird.

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Das Jahr 2026 ist gestartet, und der Januar zeigt sich traditionell als buchungsstärkster Monat. Wie die Fachzeitschrift fvw berichtet, haben die Deutschen ihre Reiselust trotz wirtschaftlicher und politischer Unsicherheiten nicht verloren. Der Deutsche Reiseverband (DRV) prognostiziert für das neue Reisejahr steigende Umsätze und geht davon aus, dass die Bundesbürger in diesem Jahr etwa 86 Milliarden Euro für Urlaub und Reisen ausgeben werden. Das ist eine Steigerung um mindestens drei Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Reisen bleibt auch in diesem Jahr für viele Menschen ein zentrales Bedürfnis.

Albin Loidl, DRV-Präsident 

Die Frühbucherzahlen bestätigen diesen Trend eindrucksvoll: Noch früher als im vergangenen Jahr werden Urlaubsreisen für die kommenden Monate gebucht.

Wenn Beliebtheit zur Belastung wird

Die Art, wie Reiseziele entdeckt werden, hat sich grundlegend verändert. Viele Reisende lassen sich heute nicht mehr nur von klassischen Reiseführern inspirieren, sondern kombinieren KI-Tools mit sozialen Netzwerken, Videoplattformen und Online-Foren. Diese sogenannte Travel Mixology beschleunigt Trenddynamiken massiv: Orte können innerhalb weniger Monate zu globalen Hotspots werden, oft ohne die nötige Infrastruktur oder geeignete Schutzkonzepte. Besonders deutlich zeigt sich dieser Effekt, wenn Serien, Filme oder Influencende bislang wenig bekannte Destinationen ins Rampenlicht rücken.

Zusätzlich verstärken technologische Entwicklungen im Luftverkehr diesen Trend. Neue Langstrecken-Schmalrumpfflugzeuge ermöglichen Nonstop-Verbindungen zwischen Städten, die zuvor nur umständlich erreichbar waren. Zwar eröffnen sich dadurch neue Märkte, zugleich geraten jedoch Regionen unter Druck, die auf einen plötzlichen Besucheransturm nicht vorbereitet sind.

Gumpen am Königssee Sperrung ©Nationalpark Berchtesgaden

Die Folgen zeigen sich vor allem an beliebten Naturdestinationen. Ein prägnantes Beispiel ist der Nationalpark Berchtesgaden: Der sogenannte „Infinity Pool“, eine Gumpe oberhalb des Königssees, wurde durch Social-Media-Beiträge zu einem weltweiten Besuchermagneten. An Spitzentagen machten sich über 350 Menschen auf den gefährlichen Weg. Das Ergebnis war ein mehrere Kilometer langes Netz aus Trampelpfaden, massive Eingriffe in sensible Lebensräume und eine erhebliche Gefährdung streng geschützter Tierarten. 2021 blieb schließlich nur eine Konsequenz: die Sperrung des Gebiets für mindestens fünf Jahre, um weitere Zerstörung zu verhindern.

Green Pearls: Drei Ansätze für einen nachhaltigeren Tourismus in beliebten Destinationen

Die Partnerhotels der Green Pearls®, einer Vereinigung nachhaltiger Hotels weltweit, verfolgen unterschiedliche, aber gleichermaßen durchdachte Strategien im Umgang mit dem Thema Massentourismus. Dabei lassen sich grundlegende Ansätze unterscheiden: Hotels in Regionen, die aktiv Touristenströme bewältigen, Hotels in bewusst abgelegenen Gebieten fernab touristischer Hot Spots sowie Hotels in Regionen, die Tourismus in ihren Regionen nachhaltig fördern.

Aktive Besucherlenkung und Schutzmaßnahmen

Das Hotel Klosterbräu & Spa in der Region Seefeld in Tirol steht exemplarisch für einen durchdachten Ansatz in einer touristisch gut erschlossenen Region. In Seefeld setzt man bewusst auf sanften Tourismus statt auf Massen. Durch ganzjährige Angebote, vom Langlaufen im Winter bis zum Golf im Sommer, verteilt sich der Besucherstrom gleichmäßig über alle Jahreszeiten. Im Landschaftsschutzgebiet Wildmoos und in den Karwendel-Naturparkregionen sorgen klare Wegeführungen gezielt dafür, dass sensible Bereiche entlastet werden. Besonders wirksam: Zufahrtsbeschränkungen für Fahrzeuge wie die limitierten Zufahrten ins Gaistal. Eine digitale Besucherlenkung über Apps ergänzt die klassische Infrastruktur und weist Gäste auf weniger frequentierte Routen hin.

Einen noch strikteren Ansatz verfolgt das Naturschutzgebiet Seiser Alm rund um das Paradiso Pure.Living in den Dolomiten. Das Hotel befindet sich auf über 2.000 Metern Höhe im UNESCO-geschützten Naturpark Schlern-Rosengarten. Um das Gebiet vor CO₂-Emissionen zu schützen, gilt die Regel, dass Gäste nur zu bestimmten Zeiten sowie mit Genehmigung mit ihrem privaten Auto auf die Seiser Alm fahren dürfen. Zusätzlich gilt: Die Fahrzeuge dürfen nur am An- und Abreisetag in die Region gefahren werden; für den Rest des Urlaubs müssen sie im ausgewiesenen Parkbereich bleiben. Dafür stellt Paradiso für jeden Gast eine spezielle Durchfahrtsgenehmigung aus, die von den örtlichen Rangern des Naturparks validiert wird. Darüber hinaus sind in diesem geschützten Gebiet Neubauten von Hotels und die Erweiterung bestehender Unterkünfte streng limitiert.

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Das Hotel Klosterhof Alpine Hideaway & Spa in der Region Berchtesgaden hat dagegen direkte Erfahrungen mit den Auswirkungen von Influencer-Tourismus durch den bereits erwähnten "Infinity Pool" am Königssee gemacht. Nach der Sperrung des beliebten Spots hat sich die Strategie grundlegend geändert: Statt darauf zu hoffen, dass Besucher von selbst Vernunft zeigen, setzt man nun auf transparente Aufklärung und aktive Alternativangebote. Das Klosterhof informiert Gäste offen über die Hintergründe der Sperrung und empfiehlt gezielt weniger frequentierte Ausflugsziele; davon gibt es in der Region mehr als genug. Ein Ansatz, der sich bewährt: Wer versteht, warum ein Ort geschützt werden muss, respektiert die Regeln deutlich eher.

Auch rund um Schloss Neuschwanstein, eines der bekanntesten Wahrzeichen Deutschlands und seit Kurzem UNESCO-Welterbe, steht der Tourismus vor neuen Herausforderungen. Mit der Auszeichnung gehen deutlich strengere Anforderungen an den Schutz des Schlosses und seiner sensiblen Umgebung einher. Gleichzeitig nimmt der Besucherandrang weiter zu. Das nahegelegene Hotel Das Rübezahl unterstützt die regional getroffenen Maßnahmen zur besseren Besucherlenkung, etwa durch die Empfehlung von Randzeiten, alternativen Routen und weniger frequentierten Aussichtspunkten. Ziel ist es, den steigenden Gästezustrom so zu steuern, dass die Umweltbelastung reduziert und der außergewöhnliche kulturelle Wert des Weltkulturerbes sowie die gesamte Region langfristig bewahrt werden.

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Auf der kroatischen Insel Iž zeigt sich, wie regionale Schutzbestimmungen und individuelle Hotelphilosophie ineinandergreifen. Das Hotel Korinjak ist das einzige Hotel auf der Insel und somit ist Tourismus automatisch limitiert. Das Hotel selbst nimmt keine großen Gruppen auf und operiert nur saisonal von Frühjahr bis Frühherbst. Diese Selbstbeschränkung ist Teil der Philosophie des Hauses und trägt dazu bei, dass die Insel ihren ursprünglichen Charakter behält. Zu den Schutzmaßnahmen gehören außerdem die Pflicht, auf markierten Wegen und Pfaden zu bleiben, ein limitierter Zugang zu sensiblen Bereichen wie Nistplätzen oder Riffen, ticketbasierte Eintrittssysteme mit möglichen Begrenzungen zu Spitzenzeiten sowie Schwimm- und Tauchverbote in bestimmten Zonen zum Schutz empfindlicher Unterwasserformationen.

Abgeschiedenheit als Konzept: Natürlicher Schutz durch Lage

Weit entfernt von Massentourismus-Routen, an den Ufern des kambodschanischen Tatai Rivers, liegt das Canvas & Orchids Retreat, das Abgeschiedenheit zum Programm macht. Schon die Anreise, die nur per Boot erfolgen kann, begrenzt naturgemäß die Besucherzahlen. Die Exkursionen in die unberührte Natur und zu Orten wie dem Tatai-Wasserfall oder den Mangrovenwäldern werden rotierend geplant, sodass die Gruppen klein bleiben. Entscheidend ist auch die enge Zusammenarbeit mit den lokalen Gemeinden: Besuche werden über verschiedene Orte und Jahreszeiten verteilt, sodass der Tourismus stetige Einnahmen bringt, ohne einzelne Communities zu überlasten.

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Das OLM Nature Escape im Tauferer Ahrntal positioniert sich ebenfalls bewusst abseits überlaufener Dolomiten-Hotspots. Wer hier eincheckt, wird gezielt motiviert, abseits bekannter Routen zu gehen. Die Tourentipps sind hochindividuell, angepasst an Tageszeit, Wetter, Können und persönliche Interessen. Das Ziel: Begegnungen mit der Natur ermöglichen, nicht mit Menschenmengen. Dieser personalisierte Ansatz des Eco Aparthotels verbindet aktuelle Reisetrends wie Individualisierung und maßgeschneiderte Erlebnisse mit wirksamem Naturschutz.

Das Ziel: Begegnungen mit der Natur ermöglichen, nicht mit Menschenmengen.

OLM Nature Escape

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Im Norden Teneriffas, am Fuße des Biosphärenreservats Anaga-Gebirge, hat sich über Jahre im OCÉANO Health Spa Hotel ein besonderes Bewusstsein für Besucherströme und Massentourismus entwickelt. Der Norden ist ohnehin weniger touristisch geprägt und diese Ruhe soll erhalten werden. Die Lage prägt auch die anreisenden Gäste: Viele kommen mit dem expliziten Wunsch nach Ruhe und Erholung, nicht um möglichst viele Programmpunkte abzuhaken. Sie verbringen die meiste Zeit im Hotel, genießen die angebotenen Wellness- und Spa-Anwendungen und wählen Aktivitäten außerhalb der Anlage sehr gezielt aus. Für Ausflüge, etwa in die UNESCO-Welterbestadt La Laguna, nutzen sie bevorzugt öffentliche Verkehrsmittel. Ein Beispiel dafür, wie Hotellage und Gästeverhalten harmonisch zusammenwirken und sanften, verantwortungsvollen Tourismus ermöglichen.

Naturhotel-Outside-Fassade-Nachhaltige-Spa-Architektur

Das Naturhotel Outside befindet sich im größten Schutzgebiet Mitteleuropas, dem Nationalpark Hohe Tauern. Diese besondere Ausgangslage bietet eine natürliche Begrenzung von Touristenströmen und dies versteht das Hotel nicht als Selbstverständlichkeit, sondern als Verantwortung. Bislang existiere Overtourismus hier nicht, so das Team des Hotels. Und so soll es auch bleiben. Die Ansprache des Naturhotels Outside richtet sich daher gezielt an Gäste, die Ruhe, Natur und Weite suchen und sich auf die Regeln eines Schutzgebiets einlassen. Aktivitäten werden naturverträglich geplant, sensible Bereiche respektiert und der Aufenthalt insgesamt entschleunigt gestaltet.

Weihrerhof - Außenansicht des Hotels am See

Auch auf dem Ritten in Südtirol verfolgt man eine Philosophie der bewussten Zurückhaltung. Große Events gibt es nicht. Stattdessen fördert das Hotel Weihrerhof längere Aufenthalte auch außerhalb der Ferienzeiten, etwa durch die "Midweek-Seezeit". Gäste sollen entschleunigen, nicht konsumieren. Ergänzt wird diese Haltung durch klare regionale Regeln zum Schutz von Wanderwegen und Waldflächen. Die Kombination aus Selbstbeschränkung und lokalem Naturschutz schafft einen Raum, in dem sich Menschen wirklich erholen können.

Die andere Seite: Regionen, die mehr Tourismus brauchen

Nicht überall ist Overtourism ein Thema. Am Bodensee sind etwa die Besucherzahlen seit der Corona-Pandemie zurückgegangen. Maßnahmen, um die Gäste über die gesamte Saison hinweg zu verteilen und die Nebensaison zu stärken, sind weiter im Aufbau. Das Naturresort Gerbehof kennt diese Herausforderung: Regionen mit saisonalen Schwankungen, die sich eine gleichmäßigere Auslastung über das Jahr wünschen. Ein Luxusproblem? Ganz und gar nicht, für die lokale Wirtschaft, die stark vom Tourismus lebt, ist eine ausgewogene Besucherstruktur ein echter Gewinn.

Ähnlich verhält es sich in der Rhön: Während Hotspots unter der Last des Massentourismus ächzen, bleiben andere attraktive Regionen weitgehend unentdeckt. Die Rhön bietet spektakuläre Natur, Ruhe und Authentizität, liegt aber außerhalb der üblichen touristischen Pfade. Für Hotels wie das Hotel STURM ist ein moderater Zuwachs an Gästen oft ausdrücklich erwünscht und wirtschaftlich wichtig.

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Fazit: Qualität vor Quantität als Leitmotiv

Die aktuellen Buchungszahlen für 2026 zeigen, dass die Reiselust der Menschen ungebrochen ist. Umso wichtiger wird es sein, diese Nachfrage verantwortungsvoll zu kanalisieren. Während beliebte Destinationen zu teilweise drastischen Maßnahmen greifen müssen, zeigen die Green Pearls® Partner Hotels, dass präventive Strategien, durchdachte Standortwahl und aktive Gästekommunikation wirksame Instrumente sein können, um negative Auswirkungen von vornherein zu vermeiden. Die Devise lautet dabei stets: lieber weniger Gäste, die länger bleiben, achtsam mit der Natur umgehen und die Region authentisch erleben, als Massen, die nur für einen flüchtigen Social-Media-Moment kommen und wieder verschwinden.