Nachhaltig entspannen: wenn Wohlbefinden auf Verantwortung trifft
Noch vor wenigen Jahren stand ein Spa-Urlaub vor allem für eine kurze Flucht aus dem Alltag, für Ruhe, Regeneration und Natur. Inzwischen hat sich der Anspruch vieler Reisender gewandelt: Es geht neben der Erholung um gezielte Revitalisierung und eine achtsame Lebensweise, die Körper, Geist und Umwelt gleichermaßen berücksichtigt.
Damit steht die Branche vor einer Herausforderung, denn Wellnessbereiche zählen zu den energie- und wasserintensivsten Einrichtungen im Tourismus. Beheizte Pools, Saunen und aufwendige Anwendungen verbrauchen erhebliche Ressourcen und stehen damit im Widerspruch zu dem wachsenden Wunsch nach Nachhaltigkeit.
Was zu der entscheidenden Frage führt, wie es sich entspannen lässt, ohne immense Spuren zu hinterlassen? Die Hotels des Green Pearls® Netzwerks suchen genau darauf Antworten und entwickeln Konzepte, die Entspannung und Umweltbewusstsein miteinander verbinden. Ein Blick in die Praxis zeigt, wie solche nachhaltigeren Ansätze konkret umgesetzt werden.
Technik trifft Nachhaltigkeit
Im Hotel SCHWARZWALD PANORAMA in Bad Herrenalb, einem heilklimatischen Kurort und Heilbad in Süddeutschland, verbinden sich die natürlichen Kräfte der Natur mit modernsten Anlagen. Das Haus setzt auf 100 % Ökostrom, ein eigenes Blockheizkraftwerk, Wassersparsysteme und intelligente Sensor- und Heizungssteuerungen. Bei den Anwendungen im 1.000 m² großen Spa-Bereich kommen zudem ausschließlich Naturkosmetikprodukte in Bioqualität zum Einsatz. Das Hotel verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, der über die klassische Regenerationsoase hinausgeht. „Selfness, also der achtsame Umgang mit sich selbst und das aktive Handeln hin zu einem gesunden Lebensstil, ist der Gedanke, der bei uns lebendig ist. Wir stellen die Bedürfnisse und die Gesundheit jedes einzelnen Gastes in den Mittelpunkt unserer Gastlichkeit“, erklärt der Geschäftsführer und Inhaber Stefan Bode. Daher wird das Spa-Angebot durch Yoga, Fasten und individuell abgestimmte Gesundheitsprogramme ergänzt.
Das OLM Nature Escape ist durch die Nutzung von Erwärme energieautark und seit Beginn an GSTC-zertifiziert. „Wir wollten ein Hotel mit einem Spa schaffen, das ökologisch, sozial und wirtschaftlich zukunftsfähig ist“, sagt Eigentümer Christian Lechner. Nicht umsonst wurde das OLM 2024 „Hotel des Jahres“. Der 500 m² große Eco SPA im OLM Nature Escape verbindet warme Holztöne und große Panoramafenster. Außerdem gibt es einen Naturbadeteich, einen Indoorpool, ein beheiztes Outdoor-Sportbecken und einen Adults-Only-Saunabereich. Die Energieversorgung erfolgt durch Photovoltaik, Wasserkraft und vor allem Erdwärme. Mit 3.000 m² Solarmodulen auf dem Dach, einer Geothermie-Anlage mit 126 Erdsonden und einem eigenen erdwärmegestützten Heizwerk erzeugt das Haus den benötigten Strom und die Wärme selbst. Insgesamt sind das 870 kW für den direkten Verbrauch. „Wir legen großen Wert darauf, dass unsere Geräte sparsam arbeiten und die Ressourcen geschont werden“, so Lechner.
In Matrei in Osttirol findet das Naturhotel Outside im rund 2.000 m² großen Natur Spa des Hauses nachhaltige Lösungen, bei denen moderne Systeme und regionale Ressourcen ineinandergreifen. „Unser Ziel ist es, Energie dort einzusetzen, wo sie wirklich gebraucht wird“, erklärt Geschäftsführer Daniel Ganzer. So nutzt der auf 35 °C beheizte Außenpool eine sparsame Wassertechnik: Außerhalb der Betriebszeiten wird das warme Wasser in einem unterirdischen Tank gespeichert und zu den sogenannten „Green Hours“ wiederverwendet. Auf diese Weise lassen sich Wärmeverluste reduzieren, ohne den Komfort für die Gäste einzuschränken. Ein besonderer regionaler Bezug zeigt sich im Deferegger Heilwasser-Solebad, das mit rund 600.000 Jahre altem, mineralstoffreichem Heilwasser aus der Umgebung gespeist wird. Bei der Gestaltung des Spa-Bereichs wurden natürliche Materialien wie Osttiroler Serpentinit benutzt, die eine Verbindung zur alpinen Landschaft der Osttiroler Alpen schaffen.
Auch im Hotel Das Rübezahl in Schwangau werden ressourcenschonende Anlagen zum Energie- und Wassersparen eingesetzt. Der 2.500 m² umfassende Wellnessbereich mit Naturteich, Reflexzonen-Bachbett und Panorama-Deck bietet Raum für Bewegung und Entspannung. Innen- und Außenpools, inklusive des ganzjährig beheizten Außenpools, nutzen Energie- und Wassersparsysteme, die beispielsweise die Abwärme der Kühlung wiederverwendet. Die Beauty-Alm und der Spa-Innenbereich sind mit Naturprodukten ausgestattet. Behandlungen wie Alpen-Kräuter-Massage, oder die Kundalini-Rückenmassage werden mit hochwertigen, regionalen und natürlichen Produkten durchgeführt.
Unser Ziel ist es, Entspannung, Natur und Effizienz zu verbinden. Wir setzen auf moderne Anlagen, energiesparende Systeme und eine bewusste Nutzung von Ressourcen, ohne dabei den Komfort unserer Gäste einzuschränken.
Geschäftsführer Alexander Thurm
Das Hotel Weiherhof setzt beim Thema Wellness ebenfalls auf ein reduziertes, umweltschonendes Konzept. „Nachhaltigkeit bedeutet für uns, Umwelttechnologie konsequent einzusetzen und Ressourcen aktiv zu steuern“, erklärt Geschäftsführer Klaus Pichler. So stammt das Poolwasser aus einer hauseigenen Quelle und belastet damit nicht die Trinkwasserversorgung. Zudem wird es ohne klassische Chlorzugabe aufbereitet. Stattdessen betreibt das Hotel eine moderne Ozon-Anlage. Auch beim Energieeinsatz wird genau hingeschaut: Die Saunen sind über automatische Zeitschaltuhren geregelt und nur zu definierten Zeiten in Betrieb. Eine weitere Sauna wird ausschließlich auf Anfrage aktiviert, um die Energie bedarfsorientiert zu nutzen. Im gesamten Haus sorgen Wassersparsysteme in Duschen, Armaturen und WC-Spülungen für einen reduzierten Verbrauch von rund 130 bis 140 Litern pro Gast und Nacht. Ergänzt wird das Konzept durch eigene biozertifizierte Pflegeprodukte aus Südtirol, die auch im Spa-Bereich das regionale Engagement des Hotels unterstreichen.
Ressourcen gezielt einsetzen
Das Adults-only Baumhotel My Arbor in Südtirol verbindet Naturerlebnis und Verwöhnprogramm auf besondere Weise. Ein Beispiel dafür sind die ätherischen Öle für Saunaaufgüsse. Sie stammen von einem kleinen Produzenten aus der Region, der Abfallprodukte aus der Holzverarbeitung, wie Zirbennadeln verwendet, um daraus die hochwertigen Öle zu destillieren. „Das ist ein wunderbares Beispiel für zukunftsfähiges Wirtschaften, das wir gerne unterstützen“, sagt Alexandra Huber, die das Baumhotel mit ihrer Familie leitet. „Wir wählen unsere Partner sehr sorgfältig aus“, betont Huber. Bei den Beauty- und Pflegeprodukten achtet das My Arbor auf höchste ökologische Standards. Die verwendeten Linien von Team Dr. Joseph und Pharmos sind zusätzlich biozertifiziert. Auch beim übrigen Freizeitangebot spielt der bewusste Umgang mit der Natur eine zentrale Rolle. Besonders beliebt ist das Waldbaden, eine meditative Praxis, bei der Gäste den Wald mit allen Sinnen erleben. Der Aufenthalt im Wald hilft, Stress abzubauen, den Puls zu senken und neue Energie zu tanken – und er sensibilisiert für den Schutz dieser Umwelt.
Die Familie Rinner verbindet im APIPURA hotel rinner in Südtirol erneuerbare und sparsame Energiesysteme mit einzigartigen Spa-Anwendungen. „Wir haben uns für ein ressourcenschonendes Wellnesskonzept entschieden“, erklärt Hotelmanager Manfred Rinner. Die Sauna wird deshalb nur auf Voranmeldung beheizt, damit keine Energie im Leerlauf verloren geht. Die Gäste melden sich dafür rund 20 Minuten vorher an. Auch der Whirlpool wird nachts nicht beheizt, sondern das Wasser in Tanks aufgefangen, um Wärmeverluste zu vermeiden. Anwendungen wie Honigmassagen mit dem eigenen Bio-Honig ergänzen das Angebot und verbinden Regeneration mit regionaler Kultur. „Unsere Gäste schätzen die Kombination aus moderner Ausstattung und authentischen Anwendungen sehr“, so der Hotelmanager.
Exklusivität für Umwelt und Gäste
Der Relax-Bereich im Hotel Okelmann’s in Warpe ist ein kleines, feines „Private Spa“, das Ruhe statt Trubel bietet und exklusiv für etwa zwei Stunden pro Zimmer pro Aufenthalt gebucht werden kann. Dazu gehören eine Tiny-Sauna, die in einem charmanten Schäferwagen untergebracht ist, und die dazugehörige, holzbefeuerte Hot Tub. Ergänzt wird das Erlebnis durch Klangmassagen und Yogaeinheiten sowie einen frei nutzbaren Raum der Stille. Nachhaltigkeit ist Teil des Konzepts: Sauna und Hot Tub werden nur nach vorheriger Reservierung aufgeheizt und danach wieder heruntergefahren, sodass die Energie gezielt eingesetzt wird. „Das ist eine kleine Einschränkung für spontane Besucher, aber auf jeden Fall ein Gewinn für die Umwelt“, erklärt Geschäftsführerin Kristin Okelmann. Die Gäste melden sich 20 Minuten vor der Nutzung an, damit die Sauna optimal arbeitet und aufgeheizt ist.
Das Hotel Korinjak an der kroatischen Adriaküste verfolgt einen anderen Ansatz: Statt energieintensiver Spa-Infrastruktur stehen Natur, Meer, Stille und Bewegung im Mittelpunkt. „Unser Konzept basiert auf dem Prinzip Low Impact, High Value“, erklärt Ana Grzincic. „Wir wollen unseren Gästen Erholung bieten, ohne dabei unnötig Ressourcen zu verbrauchen.“ Die Wellnessangebote beruhen daher vor allem auf manuellen Anwendungen und dem Wissen erfahrener Therapeut*innen sowie Gong-Stunden und Yoga-Einheiten mit ausgebildeten Trainer*innen. „Wir verzichten absichtlich auf energieintensive Geräte und setzen stattdessen auf natürliche Produkte, die möglichst aus der Region stammen und wenig Verpackung haben“, so Grzincic. „Unsere Gäste schätzen diese einfache, aber wirkungsvolle Form der Erholung sehr“, ergänzt sie.
Nachhaltigkeit bedeutet im Naturresort Gerbehof am Bodensee gewollte Reduktion und echte Handarbeit. „Wir verzichten weitgehend auf technische Geräte und setzen stattdessen auf persönliche Anwendungen“, erklärt Hotelmanagerin und Inhaberin Ursula Wagner. Die Sauna wird nur bei Bedarf eingeschaltet, um Energie zu sparen, bei Behandlungen kommen biozertifizierte Öle und Naturkosmetikprodukte zum Einsatz. Der Spa-Bereich selbst spiegelt diesen Ansatz wider: Innen- und Außensauna im Blockhausstil sind aus Holz gefertigt, der Boden besteht aus Silberquarzit, einem Heilstein aus Südtirol. Inhaltlich liegt der Fokus auf Entschleunigung und Regeneration. Anwendungen wie spezielle Stressabbau-Massagen nach Viktor Philippi sowie Meditationen am hauseigenen Steinkreis fördern langlebiges Wohlbefinden im Sinne eines ganzheitlichen Longevity-Konzepts. „Unser Ziel ist es, einen Ort zu schaffen, an dem Gäste inmitten der Natur zur Ruhe kommen und neue Energie schöpfen“, so Wagner.
Erholung mit gutem Gewissen
Ein nachhaltiger Spa-Urlaub verbindet heute Erholung mit Verantwortung gegenüber Umwelt, Ressourcen und Menschen. Die vorgestellten Konzepte der Green Pearls® Partner zeigen, dass Komfort und Achtsamkeit sich nicht ausschließen, sondern sinnvoll ergänzen können.
Sie setzen auf clevere und ressourcenschonende Lösungen wie die Nutzung erneuerbarer Energien und Ökostrom, eine (Innen-)Architektur mit naturbelassenen Rohstoffen, die Verwendung regionaler und biozertifizierter Produkte sowie auf gezielte Maßnahmen zur Steuerung des Ressourcenverbrauchs. Gleichzeitig schaffen diese natürlichen Materialien, warmes Licht und naturnahe Gestaltungselemente eine Atmosphäre der Ruhe und Achtsamkeit.
Durch das ganzheitliche Zusammenspiel all dieser Ansätze entsteht ein Wohlfühlangebot, das nicht nur bei den Gästen für ein gutes Gefühl sorgt, sondern auch die Umwelt schont.
