Darmstadt,
23
April
2025
|
11:30
Europe/Amsterdam

Print mit Haltung – Warum Druckprodukte in grünen Hotels (noch) eine Rolle spielen

Download

Viele Hotels setzen verstärkt auf digitale Kommunikationslösungen. Auch im Green Pearls® Netzwerk zeigt sich diese Tendenz. Gleichzeitig gibt es gute Gründe, Printformate nicht vollständig zu verbannen, sondern sie gezielt zur Markenbildung und Kundenbindung einzusetzen. Dabei geht es genauso sehr um die Inhalte wie um die Umsetzung.

 Wenn Print zur Botschaft wird

hotel-das-rübezahl-magazin-4.0

Anfang April erschien das Gästemagazin BergGeist des Hotels Das Rübezahl in Schwangau in der vierten (gedruckten) Ausgabe. (Hier geht es zur Anmeldung.) Warum sie in Zeiten von Energieeffizienz und digitalem Wandel noch auf ein gedrucktes Produkt setzen? „Wir möchten bewusst, dass sich unsere Gäste die Zeit nehmen, sich einmal gemütlich hin zu setzen, durch die Seiten zu blättern und die Geschichten zu erspüren. Dies macht man dann doch eher mit einem Print-Magazin, als wenn man online einen Text auf die Schnelle überfliegt“, erklärt Laurena Hollweck, Direktionsassistentin und Marketingverantwortliche im Hotel Das Rübezahl. Die Artikel seien keine bloßen Werbetexte, sondern Erzählungen und Einblicke in die Gedanken und Kreationen von Persönlichkeiten, bei denen es Wert sei, sich einen Augenblick Ruhe zu gönnen und in das Magazin einzutauchen, erklärt sie weiter.

Hochwertige Gestaltung, Haptik, Langlebigkeit – die neue Ausgabe des BergGeist-Magazins zielt darauf ab, immer wieder gelesen zu werden und so die Botschaften und Informationen des Hotels über einen langen Zeitraum zu kommunizieren. Inhalt und Konzept folgen ebenso der nachhaltigen Philosophie des Hotels wie jeder Schritt in der Entwicklung und Umsetzung in Bezug auf Effizienz und Umweltfreundlichkeit.

Wir haben gelernt, wie viel Unterschied es macht, bei der Auswahl von Papier und Druckverfahren auf Nachhaltigkeit zu achten. Naturpapier, zertifizierte Druckereien und die bewusste Entscheidung, eher weniger Exemplare hochwertig zu produzieren, sind nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern steigern auch die Wertigkeit des Magazins.

Laurena Hollbeck, Hotel Das Rübezahl

Nachhaltigkeit bei der Erstellung von Printprodukten – Drei Learnings aus dem Hotel Das Rübezahl

Gedruckte Kommunikation muss nicht im Widerspruch zu einer Nachhaltigkeitsphilosophie stehen. Wenn die entsprechenden Produkte wie Magazine, Menükarten oder auch Postkarten und Flyer durchdacht gestaltet, auf das Wesentliche reduziert sowie hochwertig und umweltfreundlich produziert werden, sind sie ein wirkungsvolles Mittel, um Gäste langfristig an die eigene Unterkunft zu binden.

Download

Laurena Hollweck fasst ihre Learnings aus der Produktion des Magazins so zusammen:

  • Weniger ist oft mehr – auch beim Druck. [...]Wir haben stark darauf geachtet, nicht zu viele Magazine zu produzieren, die am Ende weggeworfen werden oder durch sinnlose Versendungen nicht den richtigen Leser erreichen. Hier steht der niedrigere Preis beim Massendruck nicht über dem höheren Anspruch an Sinnhaftigkeit und Qualität. Stattdessen haben wir uns gefragt: Wer soll das Magazin wirklich lesen? Und wie können wir es gezielt dorthin bringen, wo es wertgeschätzt wird? Ob direkt bei uns im Hotel, bei Partnerbetrieben oder ausgewählten Stammgästen. So wird aus einem gedruckten Magazin kein Wegwerfprodukt, sondern ein bewusst gewählter, langlebiger Begleiter, der unsere Werte transportiert.
     
  • Nachhaltigkeit beginnt bei den Inhalten. Ökologische und soziale Verantwortung zeigt sich nicht nur im Material, sondern auch darin, was wir erzählen. Geschichten über regionale Produzenten, saisonale Küche oder bewusste Auszeiten inspirieren unsere Leserinnen und Leser – und zeigen, dass Nachhaltigkeit auch im Lebensstil eine Rolle spielt. Deswegen haben wir unseren regionalen Partnern die Gelegenheit gegeben, sich in unserem Magazin zu präsentieren. So können unsere Gäste die Vielfalt der ansässigen Produzenten kennenlernen und die Wichtigkeit von Netzwerken für die gesamte Region sehen. 
     
  • Kooperation statt Kompromiss. Wirtschaftlich nachhaltig zu produzieren heißt auch, vertrauensvolle Partner zu finden, die unsere Werte teilen. Ob Fotograf, Texterin oder Druckerei – ein gemeinsames Verständnis von Qualität und Verantwortung führt nicht nur zu besseren Ergebnissen, sondern macht die Zusammenarbeit auch menschlich wertvoller.

Nachhaltig Drucken: Hier liegen die Herausforderungen

Während die Gestaltung oftmals schon rein aus ökonomischer Sicht auf Langlebigkeit ausgelegt ist, steht vor allem die Produktion, also der Druck selbst, in der Kritik. Angefangen beim Papierverbrauch und der damit verbundenen Abholzung von Wäldern für die Zellstoffproduktion, über die Nutzung umweltschädlicher Druckfarben bis hin zu energie- und wasseraufwendigen Druckverfahren

Herausforderung 1: Papier

19 Millionen Tonnen Papier, Pappe und Karton wurden 2021 in Deutschland verbraucht. Davon waren rund 5,9 Millionen Tonnen sogenannte Grafische Papiere, also Zeitungen, Schreibpapiere und Ähnliches. Die meisten Papiere landen nach einmaligem Nutzen in der Tonne. Dabei ist die Papierherstellung ein Verfahren, was Unmengen an Wasser, Chemikalien und Zellstoff benötigt. Letzterer stammt aus Wäldern und Plantagen auf der ganzen Welt, vor allem von Monokultur-Plantagen in Südamerika und Indonesien. So trägt die Herstellung von sogenanntem Primär- oder Frischfaserpapier maßgeblich zur Abholzung von Regen- und Urwäldern bei.

Genau deshalb stellen sich nachhaltige Hotels wie das Hotel Das Rübezahl vor der Produktion von neuen Printprodukten die Frage danach, wie diese Produkte besonders langlebig gestaltet werden können. „Generell versuchen wir all unsere vergangenen Print-Broschüren und Informationen digital abzubilden, zum Beispiel durch unsere neue Gäste-App mit allen Informationen zum Hotel inklusive Gästeaktivitäten Kalender, Spa-Broschüre, Speisekarte etc. Es gibt keine A-Z Listen oder Mappen auf den Zimmern“, beschreibt Laurena Hollbeck den Umgang mit Printmaterialien im Hotel. „Vereinzelte Produkte, wie unsere Spa-Broschüre, liegen in der Beauty-Alm für das Stöbern der Gäste aus, jedoch wird ein aktives Verteilen, zum Beispiel bei der Anreise, vermieden“, ergänzt sie. Sollten dann doch Produkte gedruckt werden, würden diese auf Recyclingpapier bzw. nachhaltigerem Natur-Papier gedruckt. 

Download

Exkurs: Naturpapier

Der Begriff Naturpapier selbst ist nicht zwangsläufig ein Indiz für eine nachhaltigere Papiersorte, sondern bezieht sich oftmals auf eine natürliche Optik und Haptik ungeachtet, ob sie aus recycelten oder frischen Fasern bestehen. Naturpapiere können Recyclingpapiere oder Papiere aus alternativen Rohstoffen wie Gras, Hanf oder Kalkstein sein. Auch FSC® oder PEFC® zertifizierte Papiere werden gern als Naturpapier bezeichnet, da sie aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen. Das können dann aber auch Frischfaserpapiere sein, die eine deutlich schlechtere Umweltbilanz als Recyclingpapiere haben.

Nahezu alle Hoteliers des Green Pearls® Netzwerks setzen bei der Papierwahl auf Recyclingpapiere oder alternative Papiersorten, wenn ein Druck nicht vermieden oder durch andere Maßnahmen ersetzt werden kann. Im Erlanger Hotel Luise kommt für die wenigen Drucksachen wie den Hotel-Kalender oder die Broschüre entweder Recyclingpapier oder ein Papier zum Einsatz, das aus Resten der Zuckerproduktion besteht. Im APIPURA hotel rinner in Südtirol wird zunehmend Apfelpapier aus Resten der Apfelsaftproduktion genutzt. Beliebte Alternativen sind auch Papiersorten aus Gras oder Hanf oder neuere Varianten aus Silphie, Zuckerrübe oder Bambus.

Download

Herausforderung 2: Farben

Egal ob in der Druckerei oder im Hotel: Es braucht Farbe, um etwas zu drucken. Herkömmliche Druckerfarben setzen als Bindemittel oft Mineralöle ein und beinhalten Weichmacher und Schwermetalle. Gut für die Umwelt und die Gesundheit ist anders. Durch die steigende Nachfrage nach umweltfreundlichen Produktionen gibt es glücklicherweise immer mehr Farben, die ungiftig, zum Teil sogar lebensmittelecht, biologisch abbaubar oder kompostierbar sind und auf die gefährlichen Bestandteile verzichten. Mineralöle werden beispielsweise durch Pflanzenöle wie Lein- oder Sojaöl ersetzt. Ein weiterer wichtiger Aspekt für die Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit von Druckfarben sind gute Deinking-Eigenschaften, die ein leichtes und restloses Entfernen vom Papier im Recyclingprozess ermöglichen.

Auf mineralölfreie und ungiftige Druckfarben kann auch im Hotel geachtet werden. Ein besonderes Beispiel für eine durchdachte Drucklösung innerhalb des Hotels liefert das LA VIMEA Vegan Hotel in Naturns in Südtirol. Statt klassischer Tintenpatronen, die zusätzlichen Müll verursachen, setzt das Hotel auf eine Drucker-Variante, die das Team aus Tintenfläschchen nachfüllen kann. Zwar dauert der Druckvorgang mit Druckern dieser Art etwas länger, aber wie das Team von LA VIMEA betont: „Wir glauben, dass wir diese Zeit der Natur widmen können.“ 

Download

Herausforderung 3: Verfahren

Papier und Druckfarben bestimmen im Endeffekt auch die Umweltfreundlichkeit des Druckverfahrens. Ungestrichene Naturpapiere saugen beispielsweise mehr Farbe auf als gestrichene Varianten. Um unnötige Fehldrucke (und damit einhergehende Papierverschwendung) zu vermeiden braucht es Druckereien, die sich mit dem Druck auf solchen Papieren auskennen, Farb- und Bildwirkungen einschätzen können und ihre Kund*innen dementsprechend beraten. Inzwischen gibt es immer mehr nachhaltige Druckereien, die zusätzlich ihren Energie- und Wasserverbrauch optimieren, auf Ökostrom setzen, eine effiziente Logistik haben und unvermeidbare Emissionen am Ende der Produktion ausgleichen.

Nachhaltigkeit bedeutet, Verantwortung für den gesamten Lebenszyklus eines Produkts zu übernehmen – vom ersten Entwurf bis zur letzten Seite.

Laurena Hollbeck, Hotel Das Rübezahl

Print ist nicht tot – wird aber bewusster eingesetzt

Nachhaltige Hotels tendieren dazu, den größten Teil der Kommunikation im digitalen Raum stattfinden zu lassen (mehr dazu erfahren Sie im nächsten Teil dieser Serie, der am 18.06.2025 erscheint). Dennoch haben auch Printprodukte für viele einen festen Platz in der Kommunikationsstrategie. „Wir setzen auf digitale Kommunikation und reduzieren Printmaterialien, nutzen aber nachhaltige Papieroptionen für wichtige Infos“, fasst Klaus Pichler vom Hotel Weihrerhof in Südtirol seine Herangehensweise und die vieler seiner Kolleg*innen noch einmal zusammen.

Entscheidend ist der bewusste Einsatz: Gedrucktes wird auf das Wesentliche reduziert, sorgfältig produziert und gezielt eingesetzt. Hochwertige Menükarten, Postkarten oder Magazine wie das des Hotels Das Rübezahl bleiben im Umlauf, erzeugen Vertrauen und schaffen eine physische Verbindung zum Hotel. Die bewusste Entscheidung für nachhaltige Papiere, Farben und Druckereien sind in diesem Rahmen nicht nur Mittel zum Zweck, sondern klarer Teil der Nachhaltigkeitskommunikation. So wird der Print selbst zur nachhaltigen Botschaft.