Darmstadt,
17
Mai
2023
|
08:29
Europe/Amsterdam

Wie fühlt es sich an, ein nachhaltiges Hotel zu führen, Daniel Ganzer? (Pioniere der Nachhaltigkeit – Interviewserie)

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Mein Vorsatz ist es, mit positivem Beispiel voranzugehen und so etwas zu bewirken.

Daniel Ganzer

Die Geschichten der nachhaltigen Hoteliers der Green Pearls® Partner sind unterschiedlich und individuell. Die einen bauen Neues, die nächsten entwickeln vorhandenes weiter, andere wuchsen in einer Hoteliers-Familie auf und wurden quasi hineingeboren. In dieser Interviewserie haben wir uns das Ziel gesetzt, ihre Geschichten zu erzählen.

Heute: Daniel Ganzer vom Naturhotel Outside in Matrei in Osttirol

Mitten im Draußen

Generationenwechsel im familiengeführten Naturhotel Outside. Seit einigen Wochen steht nun Daniel Ganzer an der Spitze und trägt die Verantwortung für das Osttiroler Wanderhotel, nachdem er den Chefposten von seinem Vater übernommen hat. Als nachhaltiger Hotelier durch und durch hat er einige Pläne für das Outside, die aber – so viel sei schon einmal verraten – dem eingeschlagenen, nachhaltigen Weg weiter folgen werden.

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Als wir Daniel Ganzer erreichen, sitzt der Hotelchef vor einem Panoramafenster, das sich auf die atemberaubende Bergwelt der Hohen Tauern öffnet. „Das wird wohl zu hell im Hintergrund“, meint er nach einem kritischen Blick auf den Bildschirm und wechselt den Platz, bevor wir beginnen. „Mitten im Draußen“, steht nun hinter ihm an der Wand. Das Motto des Naturhotel Outside, das mit dem Bergpanorama von vorher noch mehr Wirkung zeigt.

Darin zeigt sich auch die enge Verbindung zur Natur und Region. Das Natur- und Wanderhotel liegt mitten im Nationalpark Hohe Tauern in Osttirol. Die Natur ist allgegenwärtig: vor den Fenstern, in den natürlichen Materialien, auf dem Teller und natürlich in der Philosophie und in den Gedanken an die Zukunft.

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Green Pearls®: Hallo Daniel. Ich freue mich, dass das so spontan geklappt hat!

Daniel Ganzer: Ja gerne.

 

GP: Zum Einstieg und um dich und das Hotel ein bisschen kennenzulernen, starten wir mit einer leichten Frage: Was ist dein Lieblingsort im Naturhotel Outside und was macht diesen Ort besonders?

Daniel: Jetzt im Sommer ist es leicht. Da ist es der Steg am Badesee in unserem Hotelgarten. Die Sonne steht da am längsten und man hat einen tollen Blick über das gesamte Tal. Aber natürlich gibt es neben diesem auch noch andere schöne Plätze.

 

GP: Ist dieser Blick etwas, was das Outside auszeichnet?

Daniel: Grundlegend zeichnet uns schon die Lage im Nationalpark Hohe Tauern aus. Wir sind mitten im Nationalpark gelegen, was super für Aktivitäten ist. Also die Lage in der quasi unberührten Landschaft Osttirols ist schon mal ein tolles Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zu anderen Destinationen.

Dann das Haus betreffend, da sind es die Menschen, die aus der Region kommen und langjährig bei uns sind, die uns besonders machen. Wir sind ein Familienbetrieb, das heißt wir sind Tanten und Onkel, Eltern, Cousins und Cousinen im Haus. Es "menschelt" sehr bei uns. Wir haben tolle Mitarbeiter*innen und dementsprechend auch eine tolle Dienstleistungsqualität.

Und das Dritte ist natürlich das Gesamtkonzept rund um das Thema „Mitten im Draußen“ bzw. die Nachhaltigkeit. Da sind wir hier in der Region schon sehr weit und vor allem auch sehr im Detail unterwegs.

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GP: Wenn du sagst, ihr seid ein Familienbetrieb, bist du dann in das Hotelbusiness reingewachsen? Anders gefragt: Wie lange bist du schon dabei?

Daniel: Das ist schwer zu sagen. Ja, Familienbetrieb heißt, dass man quasi auch als Kind schon dabei ist. Das heißt jetzt nicht, dass man arbeitet, aber man ist da. Aktiv im Hotel bin ich jetzt seit *überlegt kurz* über zehn Jahren.

 

GP: Warum interessierst du dich für Nachhaltigkeit? Gab es da einen bestimmten Punkt, an dem sich deine Einstellung geändert hat?

Daniel: Nein, bei mir kam die Motivation nicht durch ein Ereignis oder durch zum Beispiel Fridays For Future in letzter Zeit. Es ist bei uns viel vorgelebt worden und es war viel einfach klar. Ich bin kein Umweltaktivist, aber für mich ist Nachhaltigkeit einfach logisch und alles andere macht für mich wenig Sinn. Mein Vorsatz ist es, mit positivem Beispiel voranzugehen und so etwas zu bewirken.

Generationenwechsel und Zukunftspläne

 

GP: Du hast ja vor Kurzem das Hotel von deinem Vater übernommen. Wie fühlt sich das an, jetzt der Chef des Naturhotel Outside zu sein?

Daniel: Es ist jetzt nicht so, dass von heut auf morgen per Stichtag auf einmal alles anders ist. Natürlich fühlt es sich anders an, wenn man mehr Verantwortung auf den Schultern trägt. Aber die Aufgaben haben sich nicht viel geändert. Ich war auch vorher überall involviert. 

 

GP: Wie hast du das Thema Nachhaltigkeit in eurem Hotel in Angriff genommen?  

Daniel: Das Thema Nachhaltigkeit haben meine Eltern ja schon integriert. Das ist nichts, was ich bei uns im Haus neu erfunden habe. Ich habe im Unterschied zu meinen Eltern das mehr nach außen kommuniziert. Ich habe Zertifikate machen lassen, also das österreichische Umweltzeichen und das Eco-Label. Und ich habe Kooperationen gesucht, wie zum Beispiel mit Green Pearls® und dadurch die Kommunikation verstärkt. Aber der Gedanke rund um nachhaltiges Wirtschaften und die sozialen und ökologischen Aspekte gehörten immer schon zu unserem Haus.

 

GP: Sieht so dein Plan aus, wie du das Hotel jetzt weiterführen möchtest?

Daniel: Ja klar! *lacht* Ich werde jetzt nicht groß etwas umreißen, sondern den Weg weitergehen, den wir begonnen haben. Alles, was wir machen, ist abgestimmt auf unser Nachhaltigkeitskonzept. Das heißt, wir versuchen in allen Bereichen, zum Beispiel Energietechnik, besser zu werden.

 

GP: Würdest du sagen, dass das Naturhotel Outside ein nachhaltiges Hotel ist?

Daniel: Ich würde nicht sagen, dass wir die nachhaltigsten sind. Das sind wir sicher nicht. Aber wir versuchen, den Gedanken konsequent durchzusetzen und bei allem, was wir machen und neumachen, darauf zu achten, dass das State of The Art ist.

Es gibt ja mittlerweile Hotels, die werden als Zero-Emission oder Positiv-Energiehäuser gebaut. Finde ich super! Wir haben aber nicht die Möglichkeit ein Zero-Emission-Haus zu sein, weil wir einfach schon seit 30 Jahren Bestand haben. Dementsprechend müssen wir eben damit arbeiten.

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GP: Gibt es ein Projekt, worauf du dich besonders freust?  

Daniel: Wir planen aktuell einen Umbau im Bestand, um die Fassade optisch und energetisch zu sanieren. In dem Zug denken wir auch über das Thema Wellness nach. Wir haben einen Spa-Bereich im Haus und dass Wellness eine Energieschleuder ist, da kann man drumherum reden wie man will ...

Wir sind also im Moment am Überlegen, wie wir das lösen. Wir werden sicher weiterhin Wellness im Haus haben, aber bewusster damit und mit dem Thema Energie umgehen.

Das sind eigentlich die nächsten größeren Projekte. Das erste kommt dann wahrscheinlich im Herbst dieses Jahres auf uns zu und die weiteren dann nächstes und übernächstes Jahr.

 

GP: Das klingt nach einigen Baustellen. Siehst du im Energiebereich deine größten Herausforderungen für die kommenden Jahre?  

Daniel: In diesem Sektor entwickelt sich unheimlich viel. Dementsprechend hat man beinahe den Luxus, dass man aussuchen kann. Also da würde ich jetzt keine besondere Herausforderung sehen. Man muss eben für sich selbst wissen, was man will.

Die größte Herausforderung bei uns im Hotel ist eigentlich das Thema Mitarbeiter*innen. Mitarbeiterknappheit oder Fachkräftemangel ist ja in allen Branchen angekommen. Wir sind da auf einem guten Weg, aber wir müssen uns trotzdem ständig hinterfragen. Machen wir Employer-technisch alles richtig? Was können wir besser machen? Das ist die größte Challenge, um weiterhin unser Qualitätsniveau halten und ausbauen zu können.

 

GP: Wenn wir jetzt nicht über konkrete Projekte reden, sondern etwas weiter in die Zukunft schauen: Wo und wie siehst du das Outside? Was ist deine Vision?

Daniel: Der Weg, den wir beschreiten, davon bin ich überzeugt, wird erfolgreich sein und in der Zukunft wahrscheinlich noch mehr an Bedeutung gewinnen. Auch weil es relevant und wichtig ist. Ich wünsche mir für unser Haus, dass wir weiterhin konsequent so weitergehen können und dass wir die richtigen Menschen für unser Team finden.

Im Grunde genommen möchte ich einen positiv besetzten, verwurzelten Ort in der Region schaffen, der nicht irgendwas vorgaukelt zu sein, sondern das ist, was es sich selbst verspricht. Ein Ort mitten im Draußen so wie es hinter mir an der Wand steht. Mit Erlebnissen, mit Menschen und mit Qualität. Das ist mein Credo bei meinem ganzen Tun. Wie das dann genau ausschaut, ob das Haus so oder so ausschaut ... Das kann ich jetzt nicht sagen. Im Endeffekt soll es Freude machen.

Natürlich soll es auch wirtschaftlich erfolgreich sein. Oft ist es so bei Familienunternehmen, dass die Familienmitglieder viel arbeiten und privat viel zurückstecken. Ich wünsche mir einen Ort, der so gut dasteht, von seinem Konzept und seiner wirtschaftlichen Situation her, dass auch neben dem Beruf die Familie gut funktioniert. Das ist wichtig.

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GP: Was würdest du dir generell für die Entwicklung in der Hotellerie wünschen? Sowohl in Bezug auf Nachhaltigkeit aber auch ganz allgemein.

Daniel: Ich tue mich schwer damit, den Kollegen jetzt etwas auszurichten. Das muss am Ende jeder mit sich selbst ausmachen. Der Ball liegt eher bei der Gesellschaft oder Politik. Gerade letztere muss die Rahmenbedingungen setzen, die nachhaltige Praktiken begünstigen und nicht-nachhaltige eben weniger.

Und auch der Gast gehört ...  in die Pflicht genommen ist jetzt vielleicht das falsche Wort. Aber es sind, je nachdem welcher Studie man glauben will, zwischen 70 und 80 Prozent der CO2-Emmissionen, die durch An- und Abreise produziert werden. Selbst wenn es nur 60 Prozent sind, ist das ein Riesen-Brocken. Das ist mit der größte Hebel für CO2-Ersparnis und das kann nur der Gast selbst bzw. die Öffentlichkeit machen. Also konkret: der Ausbau von öffentlichen Verkehrsmitteln, das Thema Last Mile in der Destination. Da gibt es noch nicht immer die passende Lösung.

Wir schauen natürlich, wo wir uns verbessern können, wo wir effizienter werden können, nur der Gast trägt auch sehr viel selbst dazu bei, wie viel in seinem Urlaub emittiert wird. Mein Ideal wäre, was das Thema Anreise betrifft, dass vor allem auch in Deutschland der öffentliche Verkehr ausgebaut wird, dass das Thema Last Mile professionell und sinnvoll angegangen wird, sodass es vielleicht nicht nur für den Gast sondern auch für Einheimische funktioniert. Das wäre ein großer Schritt in die richtige Richtung.

Grundsätzlich haben wir, glaube ich, alle verstanden, um was es geht.

Daniel Ganzer

Es geht um effiziente Raumnutzung, dass nicht unnötig Flächen verbraucht werden. Es geht um ausbalancierte Betriebsgrößen, vor allem in unserer Region. Es geht um grundsätzliche Fragen: Wo brauchen wir Bergbahnen, wo brauchen wir keine? Wo dient die Hotellerie oder Industrie einigen wenigen Großindustrien und wo fließt die Wertschöpfung wirklich in die Region?

In den letzten zwei, drei Generationen war es so, dass die Familien in den Regionen den Tourismus aufgebaut haben, in welchen Facetten auch immer. Jetzt bekommt man zunehmend mit, dass externe Investoren, die ja nicht grundsätzlich schlecht sind, reinkommen und versuchen, die Marktpotenziale zu kapitalisieren. Und das dient nicht immer dem Interesse der regionalen Bevölkerung.

 

GP: Was macht für dich einen nachhaltigen Hotelier aus?

Daniel: Einen nachhaltigen Hotelier? Dass er nicht differenziert zwischen seinem Business und seinem privaten Lebensstil. Dass das kongruent und stimmig ist. Ich kann nicht irgendetwas im Betrieb vorleben, das ich nicht privat selbst lebe. Wenn jemand sagt „Ich bin nachhaltiger Hotelier“ und kommt mit einem riesigen SUV-Verbrenner daher, der in keiner Relation zu den Gegebenheiten steht, dann stelle ich mir die Frage, ob das zusammenpasst? Umgekehrt finde ich es cool, wenn Unternehmer, wenn es möglich ist, öffentlich reisen. Das gibt es ja auch. Das heißt zusammengefasst: Das, was man predigt, das sollte er oder sie auch selbst leben. Das ist für mich ein nachhaltiger Hotelier.

 

GP: Vielen Dank für deine Zeit!

Über das Naturhotel Outside

Inmitten des Nationalparks Hohe Tauern in Österreich liegt das familiengeführte Naturhotel Outside. Aktivsportler fühlen sich in diesem gemütlichen Hotel ebenso wohl wie Entspannungssuchende und Genussurlauber. Direkt vor der Hoteltür starten zahlreiche Wanderwege, Mountainbikestrecken und Skipisten. Der kleine, aber feine Wellnessbereich lockt nach einem ereignisreichen Tag mit Sauna, Pool und Naturbadeteich im Garten. Das Küchenteam zaubert aus regionalen Zutaten einzigartige Gerichte, die in der Tradition der lokalen Küche stehen, aber immer einen besonderen Twist haben.

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Pioniere der Nachhaltigkeit bei Green Pearls®

Unter diesem Titel kommen verschiedene Hoteliers und Gastgebende zu Wort, teilen ihre Gedanken zur Nachhaltigkeit und berichten über ihre Werdegänge. Die Interviewserie ist fortlaufend und wird in unregelmäßigen Abständen veröffentlicht. Freuen Sie sich auf den nächsten Teil der Serie.

Bis dahin empfehlen wir Ihnen, die vorangegangen Teile: