Darmstadt,
22
April
2026
|
11:30
Europe/Amsterdam

Unternehmensnachfolge in Hotels: Nachhaltigkeit über Generationen sichern

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Rund 75 bis 80 Prozent der gastgewerblichen Betriebe in Deutschland sind familiengeführt oder familiengeprägt, so die aktuelle Studie „Familienbetriebe im Gastgewerbe“ des Bundesverbands „Die KMU-Berater“. Ähnliche Strukturen finden sich in Österreich und Südtirol. Das Thema Generationenwechsel betrifft also die Mehrheit der Hotels. Viele Betriebe wurden über Jahrzehnte und Generationen hinweg mit Leidenschaft aufgebaut. Wenn die Übergabe ansteht, geht es deshalb nicht nur um rechtliche oder steuerliche Fragen. Es geht um Identität, Verantwortung, Werte und wie eine gelebte Nachhaltigkeitsvision weitergegeben und abgesichert werden kann.

Generationenwechsel – mehr als Selbstverwirklichung

Familienunternehmen leben von langfristigen Perspektiven und einer engen, persönlichen Verbindung zum eigenen Haus. Entscheidungen, wie die Übergabe an die nachfolgende Generation, entstehen daher selten aus kurzfristigem Renditedruck, sondern aus dem Anspruch, Stabilität und Kontinuität zu sichern. Gerade deshalb ist verantwortungsvolles Wirtschaften in familiengeführten Hotels häufig der Ausdruck einer inneren Überzeugung gegenüber Mitarbeitenden, Gästen und der Region. Die Regelung der Nachfolge ist deshalb immer auch ein emotionaler Prozess. Sie verlangt Klarheit, Vorbereitung und gegenseitigen Respekt. Bestehende Werte sollen bewahrt werden, zugleich möchte die nächste Generation eigene Akzente setzen. Beides muss sich ergänzen.

Nachfolge bedeutet gerade in nachhaltigen Unterkünften nicht kurzfristige Selbstverwirklichung, sondern die bewusste Übernahme unternehmerischer Verantwortung.

Nachhaltigkeit als „vererbbarer“ Wert

Nachhaltigkeit ist mehr als ein Zertifikat oder ein Maßnahmenkatalog. Sie beschreibt ein unternehmerisches Selbstverständnis und oft auch fest verankerte Werte in der Philosophie des Hauses. Beides entsteht meist nicht durch Vorgaben, sondern durch Vorleben. Wenn Kinder früh erleben, wie ihre Eltern regionale Partner einbinden, ressourcenschonend bauen oder langfristige Mitarbeiterbindung priorisieren, wird verantwortliches Handeln auch für sie selbstverständlich.

Nachhaltigkeit verbindet Generationen – Best-Practice-Beispiele aus dem Green Pearls® Netzwerk

Summit Lodges Pfunds: Werte von klein auf vermitteln

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Die Summit Lodges Pfunds wurden 2018 auf dem Grund der Familie Spiss errichtet. Das Grundstück befindet sich seit Generationen in Familienbesitz und diente früher als Weide. Mit dem Bau der beiden Ferienhäuser im nordamerikanischen Blockhaus-Stil entwickelte die Familie ihr Erbe behutsam weiter – im Einklang mit Natur und Region. Von Anfang an stand fest: Die Lodges sollen ressourcenschonend entstehen und Gästen ein authentisches Natur- und Kulturerlebnis ermöglichen. Die beeindruckende Landschaft rund um Pfunds ist für die Familie nicht nur Kulisse, sondern Grundlage ihres langfristigen Erfolgs.

Nachhaltigkeit wird hier auch generationenübergreifend gedacht. Die nächste Generation wächst ganz selbstverständlich mit den Werten des Unternehmens auf. Verantwortung, unternehmerisches Denken und nachhaltiges Handeln werden früh vermittelt, nicht erst bei der Übergabe.

Naturhotel Outside: Nachhaltigkeit als gelebte Unternehmenskultur

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Mitten im Nationalpark Hohe Tauern liegt das familiengeführte Naturhotel Outside, das bereits auf einen gelungenen Generationswechsel zurückschauen kann. Für Daniel Ganzer, der den Betrieb 2023 von seinen Eltern übernommen hat, war nachhaltiges Wirtschaften von Anfang an eine Selbstverständlichkeit. Dabei versteht sich der Gastgeber nicht als Aktivist, sondern als Praktiker: Bestehendes weiterentwickeln, Energie effizienter nutzen, achtsam mit Ressourcen umgehen. Ein starkes Team, Wertschätzung und regionale Verwurzelung sind für ihn zentral. Seine Vision: ein wirtschaftlich gesundes Haus, das Gästen und Mitarbeitenden Freude macht und das auch kommenden Generationen eine lebenswerte Zukunft sichert.

Hotel Schloss Lerchenhof: Professionelle Übergabe bei gleichbleibender Philosophie

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Im Juli 2025 ging das Slow Food Hotel Schloss Lerchenhof offiziell in die Hände von Johann Steinwender und seiner Frau Karin über. Bereits von Mai 2023 bis Juni 2025 führten die beiden den Betrieb in Pacht. Die zweijährige Übergangsphase war bewusst gewählt, um den Übergabeprozess professionell zu strukturieren und transparent zu gestalten. Getragen wurde er jedoch von einem respektvollen familiären Miteinander mit den Eltern Hans und Gerhild. Für Johann Steinwender ist der Lerchenhof mehr als ein Arbeitsplatz. Er ist hier aufgewachsen, half schon als Kind mit und entwickelte so früh eine enge Bindung zum Haus. Nach über zehn Jahren internationaler Erfahrung im Tourismus kehrte er zurück. Eine Entscheidung, die mit der Geburt seines ersten Sohnes auch persönlich motiviert war. Steinwender führt das Biedermeier-Schloss im österreichischen Kärnten mit dem Anspruch, es langfristig und konsequent nachhaltig zu bewirtschaften.

Hotel Luise: Nachhaltigkeit als familiäres Vermächtnis

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Ben Förtsch führt das Hotel Luise in dritter Generation. Es gab keinen radikalen Neuanfang, sondern eine bewusste und sorgfältige Weiterentwicklung des gewachsenen Wertefundaments. Nachhaltigkeit wird hier, zusätzlich zu Technik und Design, in Geschichten, Symbolen und Haltung erlebbar. Die Mondbaumstämme am Eingang erinnern an seinen Vater, persönliche Anekdoten auf der Speisekarte an die Familiengeschichte. Diese sichtbaren Zeichen schaffen Identität, nach innen wie nach außen. Ein Foto von 1931 zeigt Luise Gumbmann, deren Name das Hotel trägt. Ihre Tochter Marga gründet 1956 den Betrieb. Dieses Bewusstsein für Herkunft bildet bis heute das Fundament unternehmerischer Entscheidungen. Eine grüne Philosophie gehörte dabei spätestens seit Ben Förtschs Eltern mit dazu und prägt das Haus bis heute. Förtsch selbst verbindet Kreislaufwirtschaft, klimaschonende Konzepte und innovatives Design mit dieser Geschichte.

Relais del Maro: Gastfreundschaft über Generationen

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Das Relais del Maro ist ein charmantes, familiengeführtes Albergo Diffuso im ligurischen Borgomaro. Geführt wird es von Elena Scalambrin und ihrer Mutter Piera. Die Wurzeln der Familie reichen tief in die Geschichte des kleinen Dorfes im Hinterland von Imperia. Über Generationen hinweg waren die Vorfahren als Schuster, Gastwirte oder Metzger im Ort bekannt und verwurzelt. Aus dem Wunsch heraus, den historischen Familienbesitz zu erhalten und dem Dorf neues Leben einzuhauchen, renovierte die Familie mehrere Häuser behutsam und verwandelte sie 2012 in ein Hotel. So trägt das Relais del Maro dazu bei, Borgomaro zu beleben und Tradition mit modernem Komfort zu verbinden. Persönliche Erinnerungen und Anekdoten prägen das Haus und machen es zu einem sehr authentischen Ort. Wie einst ihre Vorfahren Wandersleute beherbergten, empfängt die Familie heute Gäste aus aller Welt mit denselben Grundsätzen.

SANDnature: Nachhaltigkeit strukturell absichern

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Mit der Gründung der SANDcollection hat die Geschäftsführerin Marion Muller für die Lifestylehotels SANDnature und SANDglow eine klare Vision formuliert: Der „SANDspirit“ soll weit über die einzelnen Hotels hinaus wirken: als ganzheitliches Verständnis eines nachhaltigen Lifestyles. Transportiert wird diese Haltung durch einen Werte- und Kriterienkompass, der ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit verbindlich definiert und schriftlich festhält. Bemerkenswert ist der partizipative Bottom-up-Ansatz: Die Kriterien werden nicht allein von der Geschäftsführung vorgegeben, sondern gemeinsam mit dem Team entwickelt und kontinuierlich überprüft. Für Marion Muller bedeutet Unternehmensnachfolge im Familienbetrieb alles in Generationen zu denken. Eine nachhaltige Vision muss ideologisch klar aufgestellt, wirtschaftlich tragfähig und organisatorisch abgesichert sein. Dazu gehört eine frühzeitige, langfristige Planung der Übergabe, idealerweise unter Einbindung externer Expertinnen und Experten und natürlich der eigenen Familie.

Hotel Korinjak: Verständnis, das überdauert

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Auf der kroatischen Insel Iž ist das Hotel Korinjak das einzige Hotel. Diese besondere Ausgangslage prägt das Verständnis von Nachhaltigkeit und jede Entscheidung, die getroffen wird.  Für den Familienbetrieb steht daher auch bei der Nachfolge nicht das Hotel an sich im Mittelpunkt, sondern die Haltung, die dahintersteht. Gerade in der sensiblen Insellage müsse nachhaltiges Wirtschaften zur täglichen Praxis gehören: beim Umgang mit Wasser und Energie, bei der Auswahl regionaler Lebensmittel und im respektvollen Miteinander.

Die Weitergabe dieser Werte erfolgt bewusst und frühzeitig. Die nächste Generation wird nicht nur in operative Abläufe eingebunden, sondern wächst in die dahinterliegende Denkweise hinein. So entsteht ein Verständnis dafür, warum bestimmte Maßnahmen ergriffen werden, Abläufe so stattfinden, wie sie stattfinden, und bestimmte Auswahlen getroffen werden. Gleichzeitig bringt die neue Generation andere, weiterführende Perspektiven ein und entwickelt das bestehende Konzept behutsam weiter. Für das Hotel Korinjak bedeutet ein Generationenwechsel deshalb vor allem, Verantwortung zu teilen und eine Haltung zu verankern, die unabhängig von einzelnen Personen Bestand hat.

My Arbor: Zwischen Tradition und neuer Generation

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Im Baumhotel My Arbor in Brixen steht für Alexandra Huber fest, dass nachhaltiges Wirtschaften nicht nur weitergeführt, sondern aktiv in die Zukunft gedacht werden muss. Sie und ihre Familie stecken gerade inmitten des Generationenwechsels. Die Übergabe erfolgt schrittweise und im engen Austausch zwischen den Eltern und den Kindern. Traditionen geben dabei Orientierung, gleichzeitig brauche es Offenheit für neue Ideen und Entwicklungen, so Alexandra Huber. Verantwortung richtet sich immer auch an die nächsten Generationen. Nachhaltigkeit ist eine langfristige Perspektive, die mitwächst und sich weiterentwickelt. Dass Alexandra Huber selbst gerade Mutter geworden ist, macht diesen Prozess sogar noch greifbarer.

Hotel Das Rübezahl: Nachhaltigkeit in der DNA

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Im Hotel Das Rübezahl vollzieht sich der Generationswechsel leise und sanft. Mit Alexander Thurm ist die dritte Generation bereits seit einiger Zeit in der Geschäftsführung aktiv. Zuvor hatten Hildegard und Herbert Thurm den Betrieb an Erhard und Giselle Thurm weitergegeben, die Das Rübezahl zu einem bekannten, romantischen Hideaway entwickelten. Der Lernerfolg aus Generation zwei prägt nun auch Generation drei. Konflikte um Werte? Fehlanzeige. „Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein und die Liebe zur Natur stecken in unserer DNA“, sagt Alexander Thurm. Diese Haltung sei nie strategisches Etikett gewesen, sondern gelebte Praxis im täglichen Handeln ebenso wie in langfristigen Entscheidungen. Was sich mit der dritten Generation verändert hat, ist vor allem die Sichtbarkeit. Alexander hat das Selbstverständliche nach außen getragen. Sein Anspruch ist keine radikale Neuausrichtung, sondern kontinuierliche Verbesserung und die Kommunikation der inneren Werte.

Paradiso Pure.Living: Gemeinsame Werte als stabiles Fundament

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Klare, geteilte Werte können eine Nachfolge über Generationen hinweg tragen. Das zeigt das vegane Hotel Paradiso Pure.Living auf der Seiser Alm deutlich. 1994 kaufte Valeria Caldarelli zusammen mit ihrem Mann das Traditionshotel, baute es auf und prägte es über viele Jahre hinweg. Heute führen ihre Söhne Alexander und Maximilian Spögler den Familienbetrieb mit demselben Pioniergeist und Mut weiter.

Was die Übergabe erleichtert hat, ist ein gemeinsames Verständnis von Nachhaltigkeit. Alle Generationen der Familie leben inzwischen vegan und teilen eine klare Haltung, die sowohl das Paradiso als auch dessen Schwesterhotels bis heute bestimmt. Diese Kontinuität schafft Vertrauen und Orientierung für die Zukunft. Während im Paradiso also bereits die nächste Generation heranwächst, ist die Grundlage für die nächste Nachfolge jetzt schon gelegt: eine Haltung, die nicht erklärt werden muss, sondern im Alltag gelebt wird und ganz selbstverständlich weitergegeben wird.

Das „unendliche Spiel“ der Generationen

Eine gut geplante Nachfolge ist essenziell, um Werte und Erfolg eines Familienunternehmens nachhaltig und über Generationen hinweg zu sichern. Sie ist kein einmaliger Akt, sondern ein Prozess, geprägt von Vertrauen und strategischer Weitsicht. Familienbetriebe bilden das Rückgrat der deutschsprachigen Hotellerie. Wenn es gelingt, Nachhaltigkeit nicht nur als Strategie, sondern als Haltung zu verankern und weiterzugeben, entsteht ein „unendliches Spiel“, das auf Beständigkeit, Innovationskraft und Verantwortung basiert. Die Green Pearls® Partner zeigen, dass Unternehmensnachfolge vor allem die bewusste Entscheidung ist, Werte weiterzutragen und Verantwortung für kommende Generationen zu übernehmen. So bleibt Nachhaltigkeit kein Trend, sondern wird zum Vermächtnis.

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