Die Zukunft nachhaltiger Hotelrenovierungen: Circular Design und Upcycling
Nachhaltigkeit trifft auf Kreativität: In der Hotellerie revolutionieren zirkuläre Designkonzepte und Upcycling die Renovierung von Hotelzimmern. Insbesondere nachhaltig ausgerichtete Hotels setzen auf wiederverwendete Materialien und innovative Konzepte, um Ressourcen zu schonen, Abfall zu vermeiden und zugleich stylishe, funktionale Räume zu schaffen. Wie das gelingt und warum es die Zukunft der Branche ist, erfahren Sie hier.
Circular Design: Nachhaltige Gestaltung mit Zukunftsperspektive
Circular Design ist ein Design-Ansatz, der dem Kreislaufgedanken folgend darauf abzielt, Abfall zu vermeiden und Ressourcen effizient zu nutzen und wiederzuverwenden. Materialien und Produkte werde dabei so gestaltet, dass sie am Ende ihres Lebenszyklus recycelt, wiederverwendet oder anderweitig wieder dem Kreislauf zugeführt werden können. Im Gegensatz zu linearen Produktionsmodellen, bei denen Rohstoffe zu Produkten verarbeitet und nach ihrer Nutzung entsorgt werden, verfolgt Circular Design oder auch das Cradle-to-Cradle®-Prinzip eine Strategie der geschlossenen Kreisläufe. Betrachtet wird der gesamte Lebenszyklus eines Materials – von der Beschaffung über die Produktion und Verwendung bis hin zur Wiederverwertung.
In der Hotelindustrie eröffnen zirkuläre Designkonzepte neue und nachhaltige Möglichkeiten, Zimmer- und Hotelrenovierungen durchzuführen. Hotelzimmer werden dann beispielsweise mit langlebigen Materialien ausgestattet, die recycelbar oder biologisch abbaubar sind. Eine weitere signifikante Rolle spielen modulare Möbel sowie wiederverwendete Baumaterialien, da diese flexibel und langfristig genutzt werden können.
Circular Living im Schwarzwald
Wie ein Hotelzimmerkonzept nach Circular-Design-Prinzipien aussehen kann, zeigt das Hotel SCHWARZWALD PANORAMA mit seinem "Circular Living"-Konzept. Besonders wichtig war es Hotelinhaber Stephan Bode dabei, dass sein Konzept auch für andere Renovierungen und Neubauten adaptierbar ist und gleichzeitig bemerkenswerte ökologische Effizienzstandards erfüllt. „Circular Living“ basiert auf Materialien, die aufgrund ihrer Umweltfreundlichkeit, Materialgesundheit, Qualität und Langlebigkeit ausgewählt wurden. Fachlich abgesichert wird dies durch internationale Zertifizierungen wie Cradle to Cradle Certified® und EcoVadis. Die Zusammenarbeit mit dem renommierten Schwarzwälder Inneneinrichter FRITZ SCHLECHT | SHL sorgte dafür, dass die drei verschiedenen Zimmerentwürfe auf höchstem Design-Niveau umgesetzt werden.
Ressourcenschonung bei jeder Entscheidung
Ein weiteres Beispiel ist das Hotel Luise in Erlangen. Bei seinen „Nachwachsenden Hotelzimmern“ ist der Name Programm. Diese wurden vollständig nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip umgesetzt, bei dem alle verwendeten Materialien entweder biologisch abbaubar oder zu 100 % recycelbar sind. Jede Entscheidung bezüglich der Materialwahl war also von Anfang an geprägt von dem Aspekt der Ressourcenschonung. Diese nachhaltige Philosophie erstreckt sich dabei nicht nur auf die Materialien, sondern auch auf den gesamten Betrieb der Zimmer (z. B. Wassersparen durch „Astronautenduschen“).
Verbindungen schaffen durch Kreisläufe
Das Südtiroler Hotel Weihrerhof* setzt ebenfalls auf Kreislaufdenken und gestaltete seine Windspiel-Zimmer dementsprechend. Materialgesundheit, Kreislauffähigkeit, Klimaneutralität und Dekarbonisierung standen bei der Auswahl der Produkte und Einrichtungsstücke im Vordergrund. Dazu gehört auch, dass die alten Holzmöbel aufgearbeitet und die Polstermöbel neu bezogen wurden, statt neue zu kaufen. Diese Upcycling-Entscheidungen und machen die Windspiel-Zimmer nicht nur umweltfreundlich, sondern verleihen ihnen zudem eine individuelle Note, die die Vergangenheit mit der Zukunft verbindet.
Upcycling und umweltfreundliche Materialien: Zwei Säulen für eine grüne Zukunft
Upcycling und die Verwendung nachhaltiger Materialien sind maßgeblich für eine nachhaltige Zukunft in der Hotelbranche. Während Upcycling eine kreative Lösung zur Wiederverwertung von Produkten und Möbeln präsentiert, ermöglicht der Einsatz ressourcenschonender, langlebiger Materialien eine langfristige Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks von Hotels. Gemeinsam bilden diese Praktiken einen wichtigen Bestandteil einer grünen Hotelstrategie, die ökologische, ökonomische und ästhetische Vorteile vereint.
Alte Möbel neu gedacht
Upcycling ist eine Methode, bei der alte Materialien oder Gegenstände in neue, funktionale und ästhetisch ansprechende Objekte umgewandelt werden. Diese aus dem privaten DIY-Bereich bekannte Praxis findet zunehmend Anwendung in der Hotelbranche. Kein Wunder, schließlich verbindet sie den Aspekt der Ressourcenschonung mit innovativen und individuellen Designlösungen. Ein herausragendes Beispiel sind die kürzlich nach diesem Prinzip renovierten Zimmer des HUBERTUS Mountain Refugio Allgäu, die eine neue Richtung für nachhaltige Hotelzimmerrenovierungen zeigen. Unter der kreativen Leitung von Innenarchitektin Sarah Stapelfeldt wurden die ursprünglichen Möbel und Materialien aufgearbeitet, umgestaltet und teilweise neu zusammengesetzt. Entstanden sind so einzigartige, funktionale Designstücke, die einen modernen, stilvollen Charme verbreiten und gleichzeitig den Umwelteinfluss des Hotels verringern.
Upcycling bzw. Recycling betrifft nicht nur die eigenen Möbelstücke oder Materialien, sondern kann auch auf neue Ausstattungen übertragen werden. Im Lifestylehotel SAND an der Ostsee wurden beispielsweise Teppichfliesen von Interface verlegt, die einen Anteil von bis zu 93,25 Prozent recyceltem Material (Pre-Consumer und Post-Consumer PET) enthalten. Der hohe Recyclinganteil hilft nicht nur, Plastikabfälle zu reduzieren, sondern bietet auch einen langlebigen und funktionalen Bodenbelag, der mit seiner „sandigen“ Optik perfekt in das Design-Konzept des Lifestylehotels passt.
Nachhaltige Materialien für eine umweltfreundliche Renovierung
Neben Upcycling spielt die Wahl der Ausgangsmaterialien eine ebenso zentrale Rolle für die Nachhaltigkeit eines Renovierungsprojekts. Werkstoffe wie recyceltes Holz, Bambus, Hanf, Kork und Lehmputz bieten Alternativen zu herkömmlichen Baustoffen. Sie tragen nicht nur zur Reduktion der Umweltauswirkungen bei, sondern zeichnen sich auch durch ihre Langlebigkeit, Effizienz und einfache Pflege aus. Diese Eigenschaften helfen Hotels, langfristig Kosten zu sparen und ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.
Ein Paradebeispiel sind hier die 28 Naturzimmer des Tiroler Hotels Klosterbräu, welche 2023 eröffnet wurden. 95 % der verbauten Materialien stammen direkt aus der Umgebung. Lehmputz, Holz aus dem eigenen Wald und Details wie Lampenschirme aus getrockneten Heublumen ergeben einen kreativen, gesunden, natürlichen und nachhaltigen Materialmix.
So nachhaltig wie möglich: Der neue Natur SPA im Naturhotel Outside
Im Zuge des Umbaus und Re-Openings des Wellnessbereichs im Dezember 2024 hat das Naturhotel Outside besonderen Wert auf die Verwendung regionaler Materialien und umweltfreundlicher Techniken gelegt. Der Innenbereich besteht aus Osttiroler Serpentin und Lärchenholz. Das Heilwasser für das neue Solebad stammt aus einer nur knapp 30 Kilometer entfernten Heilwasserquelle. Das Hotel berücksichtigt außerdem energetische Effizienzmaßnahmen wie die bewusste Positionierung des beheizten Außenpools an einer geschützten Stelle sowie eine zusätzliche Photovoltaikanlage, die rund 20 % des Eigenbedarfs deckt.
Die Kombination aus Upcycling und der Verwendung nachhaltiger Materialien ermöglicht es Hotels, ihre Umweltbilanz zu verbessern und gleichzeitig ein einzigartiges, umweltbewusstes Design zu schaffen. Ästhetik, verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen und Funktionalität gehen dabei Hand in Hand.
Wirtschaftliche Vorteile einer nachhaltigen Hotelrenovierung
In Bezug auf die Wirtschaftlichkeit zeigt sich immer wieder, dass zirkuläres Design und Upcycling zur Kostenreduktion beitragen können. Ein Hotel, das Möbel oder Bauelemente wiederverwendet, vermeidet hohe Entsorgungskosten, da weniger Material auf Deponien landet. Gleichzeitig reduzieren wiederverwendbare Textilien, modulare Elemente oder recycelte/upgecycelte Möbel auch die Notwendigkeit für Neuanschaffungen.
Die genaue Höhe der Einsparungen variiert je nach Umfang der Renovierungen und den gewählten Ausgangsstoffen, aber die Prinzipien von Upcycling und zirkulärem Design bieten in beinahe allen Fällen langfristig signifikante wirtschaftliche Vorteile, da die Lebensdauer von Materialien verlängert und der Ressourcenverbrauch insgesamt gesenkt wird.
Markttrends, Perspektiven und Vorreiterrollen
Wie gezeigt bieten Circular Design und Upcycling nicht nur ökologische Vorteile, sondern bringen auch ästhetische und wirtschaftliche Potenziale für die Hotelbranche mit sich. Konzepte, die darauf aufbauen, ermöglichen es, Möbel, Dekor und andere Hotelmaterialien neu zu denken und sie wieder in den Gestaltungsprozess zu integrieren.
Die Nachfrage nach nachhaltigen Unterkünften und dementsprechenden Renovierungen wächst zudem stetig. Studien zeigen, dass immer mehr Reisende bei ihrer Wahl des Hotels auf Umweltfaktoren achten: Gut Dreiviertel bevorzugen mittlerweile umweltfreundliche Unterkunftsoptionen (Booking.com, 2024). Das heißt: Hotels, die auf kreislauffähiges Design setzen, werden auch den steigenden Erwartungen von Gästen gerecht, die Wert auf nachhaltige Reiseerlebnisse legen.
Die Verantwortung, die Hoteliers mit der Entscheidung für eine nachhaltige Renovierung übernehmen, geht über die eigenen Auswirkungen hinaus. Ressourcenschonung, Abfallvermeidung und Energieeffizienz bei der Renovierung der zahlreichen Hotelzimmer allein in Deutschland tragen direkt zu den globalen Klimazielen bei, etwa dem Pariser Klimaabkommen, das eine drastische Reduktion von Treibhausgasemissionen bis 2050 fordert. Im Einklang mit dem European Green Deal, der den Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft bis 2050 fordert, bietet Circular Design ebenfalls eine Lösung, für die nur geringfügig mehr Aufwand betrieben werden muss und die nicht zwangsläufig mehr kostet. So berichtet es Stephan Bode im Interview mit Green Pearls® über das Circular Living Konzept. Für Hoteliers bietet sich zudem aktuell die Chance, damit als Vorreiter in einer Branche zu agieren, die zunehmend unter Druck steht, umweltfreundliche und zukunftsfähige Konzepte umzusetzen.
Die Zukunft der Hotelrenovierung gestalten
Etwa alle 10 bis 12 Jahre müssen Hotels und Ferienunterkünfte ihre Zimmer renovieren. Dabei fällt jedes Mal tonnenweise Abfall an. Herkömmliche Teppichböden, Holzwerkstoffe (nicht Vollholz) und andere Verbundstoffe sind hierbei für das Recycling uninteressant oder ungeeignet, weshalb die alte Zimmerausstattung häufig einfach auf den Mülldeponien landet.
Circular Design und Upcycling sind Alternativen, die nicht nur einen Gewinn für die Umwelt darstellen, sondern auch eine wirtschaftlich kluge Entscheidung sind. Hotels und Unterkünfte, die auf diese Prinzipien bei Um- und Neubau setzen, verbessern ihre Ökobilanz, übernehmen Verantwortung für die eigenen Umweltauswirkungen und schaffen gleichzeitig einzigartige, nachhaltige Erlebnisse für ihre Gäste. Green Pearls®-Partner gehen hier mit gutem Beispiel voran und zeigen, wie kreative, ressourcenschonende Renovierungen zu einer nachhaltigeren Zukunft der Hotellerie beitragen können – und das sowohl ökologisch als auch ökonomisch.
*CIN-Codes für italienische Hotels
- Hotel Weihrerhof: IT021072A1L46PNBHX
