Der Return on Fairness: Warum faire Arbeitsbedingungen der beste Business Case für Hotels sind
Fachkräftemangel kostet. Überlastete Teams, eingeschränkte Öffnungszeiten und sinkende Servicequalität sind in der gesamten Hotelbranche spürbar. Laut Deutschem Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) fehlen in Deutschland zehntausende Arbeitskräfte, insbesondere in Service, Küche und Rezeption. Die Pandemie hat diese Entwicklung zusätzlich verschärft und viele Betriebe stehen seither unter massivem Druck.
Während zahlreiche Hotels weiterhin mit hoher Fluktuation kämpfen und immer neue Beschäftigte rekrutieren müssen, verfolgen die Häuser des internationalen Nachhaltigkeitsnetzwerks Green Pearls® einen anderen Ansatz: Teammitglieder halten statt zu ersetzen. Was zunächst nach Idealismus klingt, erweist sich bei näherem Hinsehen als klarer wirtschaftlicher Vorteil. Denn die Kosten für Recruiting, Einarbeitung und Qualitätsverluste durch Personalwechsel übersteigen die Investitionen in wertschätzende Arbeitsbedingungen bei weitem.
Retention statt Recruitment: Die Zahlen sprechen für sich
Ein Blick in die Praxis zeigt: Retention ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis gezielter Entscheidungen. Auf der kroatischen Insel Iž kehrt im Hotel Korinjak seit Jahren dasselbe Team saisonal zurück, manche seit zehn, einige sogar seit zwanzig Jahren. Nicht, weil es an Alternativen fehlt, sondern weil Arbeitsrhythmus, respektvolles Miteinander und ein gemeinsames Werteverständnis stimmen.
Auch im Hotel Luise in Erlangen arbeitet der Großteil des Teams seit vielen Jahren festangestellt, übertariflich bezahlt und nahezu ohne Überstunden. Im Hotel Klosterbräu in Seefeld in Tirol werden Mitarbeiterjubiläen nicht mit Standardgeschenken begangen, sondern gemeinsam mit Gästen im historischen Weinkeller gefeiert. Das Hotel Weihrerhof in Südtirol pflegt seit Jahrzehnten eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe, in der Fluktuation die Ausnahme ist, nicht die Regel. Der Klosterhof – Alpine Hideaway & Spa setzt ebenfalls auf dauerhafte Perspektiven statt Saisonarbeit. Das Haus verfolgt ein umfassendes und ausgezeichnetes Personalkonzept und beschäftigt ausschließlich festangestellte Mitarbeitende, von denen viele dem Betrieb seit über drei Jahren verbunden sind.
Loyalität zahlt sich aus
Angestellte, die die Philosophie eines Hauses verinnerlicht haben, Stammgäste persönlich kennen und Abläufe intuitiv beherrschen, sind durch nichts zu ersetzen. Auch die beiden rein veganen Hotels LA VIMEA und das Paradiso Pure.Living Vegan Hotel demonstrieren, wie gezielte Bindungsstrategien funktionieren: Saisonverträge werden durch Wohnmöglichkeiten direkt vor Ort ergänzt, inklusive vollwertiger veganer Verpflegung für das Team. Als wertebasierte Betriebe wählen beide Häuser ihr Personal gezielt aus, viele Mitarbeitende identifizieren sich stark mit der veganen Philosophie, was die Loyalität über Jahre hinweg zusätzlich stärkt.
Studien beziffern die Kosten einer Neubesetzung auf 50 bis 150 Prozent eines Jahresgehalts. Hinzu kommen die kaum messbaren Verluste durch Qualitätsabfälle, Wissensabfluss und Mehrbelastung der verbleibenden Teams. Wer Beschäftigte hält, spart nicht nur Geld, sondern bewahrt Vertrauen, Know-how und Authentizität.
Der Mensch im Mittelpunkt
Viele Green-Pearls®-Partner-Hotels investieren deshalb gezielt in die Gesundheit ihrer Teams mit messbarem Return on Investment. Im OLM Nature Escape in Südtirol erhalten Angestellte ab dem dritten Arbeitsjahr ein kostenloses Gesundheits-Check-up sowie jährlich zwei Osteopathie- oder Physiotherapie-Behandlungen.
Im SCHWARZWALD PANORAMA in Bad Herrenalb stehen quartalsweise kostenlose Massagen sowie die Nutzung von Spa, Sauna und Schwimmbad zur Verfügung. Das bio-orientierte Gut Sonnenhausen bei München geht noch einen Schritt weiter und hat ein betriebliches Gesundheitsmanagement etabliert, das als hoteleigene Arbeitsgruppe von der Ludwig-Maximilians-Universität München zu verschiedenen Aspekten der Bedürfnisse und gesundheitsfördernden Maßnahmen wissenschaftlich begleitet wird. Krankenkassenstudien belegen:
Jeder in Gesundheitsförderung investierte Euro rechnet sich mit dem Faktor 2,5 bis 4,8 durch reduzierte Fehlzeiten.
Planbarkeit und Fairness
Ein weiterer Erfolgsfaktor ist Planbarkeit. Aber auch die Digitalisierung interner Prozesse ist ein oft unterschätzter Hebel. Automatisierte Schichtplanung, digitale Zeiterfassung und Self-Service-Portale reduzieren den administrativen Aufwand und gestatten datenbasierte Personalsteuerung, gerade in saisonal geprägten Betrieben. Gleichzeitig stärken sie die Eigenverantwortung der Angestellten und das Vertrauen in gerechte Prozesse.
Flexibel, digital, transparent
Das Gut Sonnenhausen erstellt seine Dienstpläne bis zu vier Wochen im Voraus und arbeitet dabei mit digitaler Zeiterfassung. Überstunden werden transparent erfasst und ausgeglichen. Auch im Hotel STURM in der Röhn sorgen klare Arbeitszeitmodelle und digitale Tools für Urlaubsplanung und Dienstpläne für Verlässlichkeit im Alltag. Im inklusiven Green City Hotel Vauban in Freiburg wiederum ermöglichen fixe Arbeitspläne eine hohe Planungssicherheit, sodass Überstunden nahezu nicht anfallen. Spätestens seit dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts zur verpflichtenden Arbeitszeiterfassung sind solche Systeme nicht nur sinnvoll, sondern unerlässlich. Sie schaffen Transparenz für alle und erhöhen die Rechtssicherheit für Betriebe wie für Beschäftigte.
Doch Planbarkeit bedeutet nicht Starrheit. Beim familiengeführten Hotel Okelmann's in Niedersachsen werden Arbeitszeiten flexibel und in persönlicher Abstimmung mit den Teammitgliedern gestaltet, damit sich der Berufsalltag gut mit Familie und Freizeit vereinbaren lässt. Ähnlich individuell ist der Ansatz im Baumhotel My Arbor in Südtirol: Hier können Angestellte zwischen Teilzeit, Vollzeit oder einer 5-, 5,5- oder 6-Tage-Woche wählen, je nach persönlicher Lebensphase und Bedarf. Das Naturhotel Outside in Osttirol richtet Arbeitszeiten ebenfalls konsequent an individuellen Lebenssituationen aus, ob Teilzeit, Vollzeit oder Stundenmodell. Diese Wahlfreiheit wird von vielen als entscheidender Wettbewerbsvorteil wahrgenommen und trägt maßgeblich zur Zufriedenheit und dauerhaften Bindung der Teams bei.
Faire Arbeitsbedingungen als Wachstums- und Entwicklungschance
Gerechte Arbeitsbedingungen sind ein Entwicklungsthema. Ein perfektes Beispiel dafür ist das Canvas & Orchids Retreat in Kambodscha. Dort begann beispielsweise Sokchea als Bootsfahrer und führt heute nach kontinuierlicher Weiterbildung englischsprachige Exkursionen. In Südtirol und Sizilien setzen die ADLER Lodge RITTEN und das ADLER Spa Resort SICILIA auf individuelle Bildungswege ihrer Teams und ersetzen saisonale Beschäftigung gezielt durch ganzjährige Arbeitsverträge. Als explizite „Plattform für Wachstum" versteht sich auch die SANDcollection mit ihren beiden Häusern an der Ost- und Nordsee. Hier wird das Personal ermutigt, Verantwortung zu übernehmen und sich aktiv weiterzuentwickeln.
Qualifizierte Teams entlasten Führungskräfte, ermöglichen Premium-Service und schaffen so auch die Grundlage für wirtschaftlich tragfähige Preise. Aktive Ausbildung und die gerne praktizierte Übernahme von Auszubildenden gehören im Green City Hotel Vauban ebenso zum Konzept wie Weiterbildung und klare Aufstiegsmöglichkeiten, die dafür sorgen, dass Angestellte kontinuierlich gefördert werden und sich wohlfühlen. Nach einem Jahr Betriebszugehörigkeit erhalten Beschäftigte im Vauban zudem vermögenswirksame Leistungen.
Innere Werte und äußeres Image
Diese interne Kultur wirkt nach außen. In einem zunehmend umkämpften Arbeitsmarkt wird Employer Branding zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Mit flexiblen Arbeitszeitmodellen und kostenloser Unterkunft positioniert sich das My Arbor selbstbewusst als moderner Arbeitgeber. Seinen Standort als Lebensgefühl zu vermarkten, Arbeiten mit Blick auf Schloss Neuschwanstein, gelingt auch dem Hotel Das Rübezahl in Schwangau im Allgäu. Dass Standort-Attraktivität und entsprechendes Marketing Diversität ermöglichen, beweist das SCHWARZWALD PANORAMA, das zuletzt auch Auszubildende aus Nepal gewinnen konnte.
Eine Frage der Haltung
Wertschätzende Arbeitsbedingungen beginnen jedoch immer mit einer Haltung. Für das Hotel Bella Vista in der Schweiz ist jeder Angestellte genauso wichtig wie ein Gast. Diese Überzeugung spiegelt sich in flachen Hierarchien, verlässlichen Dienstplänen und einem Bonussystem wider, das Leistung anerkennt. Beim Okelmann's entspringt diese Fairness unter anderem einer persönlichen Motivation: Die Inhaberinnen kennen schlechte Arbeitsbedingungen aus eigener Erfahrung und haben sich bewusst für ein anderes Modell entschieden.
Im Okelmann's stehen Freude, Wertschätzung und ein familiäres Miteinander im Mittelpunkt, mit fairer Bezahlung, flexiblen Arbeitszeiten und besonderen Team-Events.
Kristin und Maren Okelmann
Das Naturresort Gerbehof bei Friedrichshafen am Bodensee bilanziert sogar nach den Prinzipien der Gemeinwohl-Ökonomie. Erfolg wird hier nicht nur in Euro gemessen, sondern auch in sozialer Gerechtigkeit und Menschenwürde.
Fazit
Gerechte Arbeitsbedingungen sind keine Kostenfalle, sondern eine Investition mit messbarem Return. Hohe Fluktuation hingegen ist teuer – finanziell, organisatorisch, sozial und kulturell. Die Hotels der Green Pearls® beweisen, dass wirtschaftlicher Erfolg und soziale Verantwortung keine Gegensätze sind. Sie sind Pioniere einer neuen Arbeitgeberkultur in der Hotellerie, die eines klar macht: Der beste Weg, gute Beschäftigte zu finden, besteht darin, sie gar nicht erst gehen zu lassen.
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Unsere Quellen
