Darmstadt,
18
Juni
2025
|
11:30
Europe/Amsterdam

Nachhaltige Hotelarchitektur beginnt an der Fassade

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Sie schützt, strukturiert und kommuniziert – die Fassade ist mehr als die äußere Hülle. In zukunftsorientierten Hotelprojekten vermittelt sie zwischen Innen und Außen, überführt bestehende Bausubstanz in neue Nutzungskonzepte oder verschmilzt Gebäude scheinbar organisch mit der umgebenden Natur.

Beispiele für gelungene und nachhaltige Fassadengestaltungen von Hotelgebäuden finden sich im Green PearlsⓇ Netzwerk. Sie zeigen, wie sich Architektur und Umwelt in Einklang bringen lassen – von begrünten Fassaden über die Arbeit im und mit dem Bestand bis zur Transformation und Neunutzung denkmalgeschützter Gebäude.

Der Übergang vom öffentlichen zum privaten Raum

Ein exemplarisches Beispiel ist die Erweiterung des Hotels STURM in Mellrichstadt. Statt die Bausubstanz der 1970er Jahre abzureißen und das Hotel neu aufzubauen, entwickelte das Büro SLG Architekten gemeinsam mit Professor Matthias Loebermann eine zweite Haut – einen feingliedrigen Holz-Paravent, der sich wie ein Filter um das bestehende Gebäude legt.

„Die neue Hülle erfüllt nicht nur technische Anforderungen wie Sonnen- und Witterungsschutz – sie schafft einen stufenweisen, geborgenen Übergang vom öffentlichen zum privaten Raum“, erklärt Architekt Fabian Getto von SLG. Die Fassadenlösung zeige, wie mit wenigen Eingriffen eine neue architektonische Identität entstehen kann.

Die Fassade spiegelt die Ideologie des Hotels wider. Sie erfüllt beim Hotel STURM gleichermaßen einen hohen Anspruch an kleidende, gestalterische, technische (Sichtschutz, Sonnenschutz, Witterungsschutz, Energiegewinnung und Dachbegrünung) wie auch inhaltliche Funktionen – etwa stufenweise, geschützte Übergänge vom öffentlichen zum privaten Raum.

Architekt Fabian Getto vom Büro SLG Architekten 

Nachhaltigkeit als gestalterisches Leitmotiv

Seit der Neugestaltung 2017 hat sich das STURM kontinuierlich weiterentwickelt – architektonisch wie konzeptionell. Statt einem klassischen Swimmingpool wurde ein Naturteich angelegt, um den herum 2022 neue Gartenblickzimmer entstanden – erneut entworfen von Loebermann. Die aus Lärchenholz errichteten Rückzugsorte wurden 2024 mit dem „best architects award“ ausgezeichnet. Derzeit erweitert SLG das Gelände um das „Haus der Ruhe“. Ganz im Sinne des Nutzungszwecks ordnet sich hier die Architektur der Landschaft unter.

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Selbst gebaut, bewusst gestaltet

Als Henrike und Dr. Andreas Färber das einstige Klostergut der Augustiner Mönche und spätere Gasthaus in Bayerisch Gmain übernahmen, war klar: Die neue, nachhaltige Identität des Klosterhof – Alpine Hideaway & Spa sollte nicht nur auf dem Papier, sondern auch sichtbar in der Architektur entstehen. Dabei wurde die Fassade zum zentralen Ausdruck dieses Anspruchs – mit Lärchenschindeln aus der Region (Bad Reichenhall), die nicht nur als Bekleidung der Außenwände dienen, sondern sich auch im Inneren des Hauses wiederfinden und so eine Verbindung schaffen. Viele davon haben die Gastgeber eigenhändig zugeschnitten und angebracht.

Sie sind ein klares architektonisches Statement für handwerkliche Traditionen und fügen den Klosterhof gleichzeitig sanft in die Landschaft ein. Er liegt eingebettet in eine Senke. Die Schindeln und die begrünten Dächer unterstreichen das gestalterische, aber auch soziale Ziel der Gastgeber, sich in die Umgebung einzufügen, statt ihr etwas aufzuzwingen.

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Geplanter Holzbau

Das Thema Fassade und Materialwahl bleibt in dem Gesundheitshotel relevant. Ein Anbau ist bereits in Planung. „Ich freue mich, dass es wahrscheinlich ein Holzbau wird“, sagt Gastgeber Dr. Andreas Färber im Interview mit Green Pearls®. Als sie den heutigen Klosterhof gestaltet hätten, sei die Technik noch nicht weit genug gewesen, um ihren Ansprüchen zu genügen. Er macht auch deutlich, dass nachhaltige Architektur kein abgeschlossener Zustand, sondern ein stetiger Prozess ist.

Stadthotel mit Schattenpflanzen: Das Green City Hotel Vauban

Im Freiburger Stadtteil Vauban (europaweit bekannt für nachhaltige Stadtplanung) markiert das Green City Hotel Vauban den Eingang ins Quartier. Entworfen vom Berliner Architekturbüro Barkow Leibinger, realisiert unter der Projektleitung von Lukas Weber, zeigt der Bau, wie gestalterischer Anspruch und ökologisches Denken zusammengehen können.

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Begrünte Hotel-Fassade

Die begrünte Seilfassade an der Südseite funktioniert als lebendiger Klimapuffer: Im Sommer spenden Wisterien, Rosen und Schlingknöterich natürlichen Schatten – im Winter hingegen lassen die unbelaubten Pflanzen die Sonnenstrahlen durch und unterstützen so passiv die Erwärmung der Fassade. So entsteht ein vegetativer Sonnenschutz mit doppeltem Nutzen.

Auch in der Materialwahl zeigt sich der nachhaltige Ansatz: Vorvergraute Weißtanne und Fensterrahmen aus PEFC-zertifizierten Kiefernhölzern sorgen für eine Verbindung zur Natur. Ergänzt wird das Ensemble durch vertikale Holzfinnen, die der Fassade einen rhythmisierten Ausdruck verleihen. Neben der Architektur überzeugt das Hotel auch durch seine innere Haltung: Es wird als Integrationsbetrieb geführt, in dem Menschen mit Behinderung arbeiten. Nachhaltigkeit wurde hier also nicht nur gebaut, sondern wird tagtäglich gelebt.

Verschmelzung mit der Natur – wenn Architektur zurücktritt

Das OLM Nature Escape in Südtirol ist eines dieser Hotels, bei dem Gäste manchmal erst auf den zweiten Blick realisieren, wo das Gebäude aufhört und die Landschaft beginnt. Der kreisrunde Neubau wurde nach einer Vision von Gastgeber Christian Lechner vom Büro Andreas Gruber Architekten realisiert und liegt eingebettet in eine Almlandschaft im Tauferer Ahrntal. Die Fassade aus Glas und Betonspiegelt Himmel und Berge – und macht das OLM zu einem Beispiel dafür, wie Architektur sich nicht in den Vordergrund drängt, sondern Umgebung und Ausblick ins Zentrum rückt.

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Große Fenster, regionale Materialien – und die Landschaft als Hauptdarsteller

Auch andere Hotels greifen diesen Ansatz auf – mit unterschiedlichen architektonischen Mitteln, aber einem gemeinsamen Ziel: die Grenze zwischen Drinnen und Draußen aufzulösen.

Im Birkenhof Spa & Genussresort sorgt eine mit Holz gestaltete Fassade für das Gefühl, „zu Gast in der Natur“ zu sein. Große Fensterflächen lassen Tageslicht und Landschaft tief in die Räume eindringen. Ähnlich sieht es im Naturhotel Outside aus, wo viel Glas und Holz im Spa- und Lobbybereich eine optische Offenheit schaffen – und das mit dem Energieverbrauch eines Passivhauses.

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Die Resorts der ADLER-Gruppe in Italien gehen noch einen Schritt weiter: Die ADLER Lodge RITTEN besteht aus mehreren Einzelhäusern und Lodges, verteilt rund um einen Naturteich und entlang der Hanglinie. Sie sind komplett mit heimischem Holz erbaut und orientieren sich architektonisch am traditionellen Südtiroler Baustil. So entstand ein gemütliches, naturnahes Ensemble im Wald, anstelle eines zentralen Baukörpers.

Im ADLER Spa Resort SICILIA verschmelzen Holz, Glas, Tuffstein und Lehm zu einem Resort, das sich sanft in die umgebende Natur eingliedert. Begrünte Dächer, kleine Gärten zwischen den Gebäuden und die bewusste Gliederung in einzelne Elemente statt eines massiven Blocks machen das Resort zum Statement einer neuen Zurückhaltung – einer Architektur, die sich bewusst zurücknimmt und der Landschaft den Vortritt lässt.

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My Arbor, hoch oben in den Baumkronen Südtirols gelegen, macht den Baum zum architektonischen Leitmotiv. Das Hotel ruht teils auf pfahlartigen Stelzen, die an Baumstämme erinnern, und die Holzschindeln an der Fassade greifen die Waldumgebung auf. So scheint das Gebäude förmlich zwischen den Bäumen zu verschwinden – es wird selbst zum Baum. Im SCHWARZWALD PANORAMA greift die abgerundete Fassadenform die sanften Linien des Bergs über Bad Herrenalb auf. Große Fenster umrahmen das Panorama – nicht als Bild, sondern als erlebbaren Raum.

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Wenn Erhalten zur Haltung wird

Nachhaltige Architektur bedeutet nicht zwangsläufig Neubau – oft liegt ihr größtes Potenzial im Weiter-, An- oder Umbauen. Das ließ sich bereits am Einstiegsbeispiel des STURMs erkennen. Auch die folgenden Hotels zeigen, wie man aus Bestehendem durch sensible Umgestaltung, kluge Materialwahl oder bewussten Minimalismus neue Qualität schaffen kann.

Das OCÉANO Health Spa Hotel auf Teneriffa ist hier ein weiteres Paradebeispiel: Aus einem typischen 70er-Jahre-Hotelkomplex mit Betonfassade und Balkonen wurde schrittweise ein Refugium des ganzheitlichen Wohlbefindens. Bei der umfassenden Renovierung 2019 wurde die Fassade grundlegend neugestaltet – mit wellenartigen Elementen, Glasbrüstungen statt Geländern und einem zurückhaltenden, organischen Look, der den Blick auf den Atlantik noch freier werden lässt. „Unser modernes Konzept haben wir nun auch baulich umgesetzt“, sagt Gastgeber Karl Matthias Rolle über die Renovierung.

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Auch das Relais del Maro im ligurischen Borgomaro hat seine äußere Form bewahrt: Die Fassaden der alten Familienhäuser, darunter einst eine Dorfmetzgerei, wurden lediglich restauriert und frisch gestrichen. Die Gastgeberfamilie macht deutlich: Nachhaltigkeit bedeutet hier, nicht zu verändern, was bereits gut ist – sondern es für kommende Generationen zu erhalten. Als Albergo Diffuso verteilt sich das 4-Sterne-Hotel auf mehrere Gebäude inmitten der Dorfgemeinschaft.

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In Gut Sonnenhausen bei München denkt Gastgeber Georg Schweisfurth weiter: Gemeinsam mit einem Lichtkünstler wird derzeit ein Konzept für eine besonders inszenierende Außenbeleuchtung entwickelt – eine poetische Verbindung von Architektur, Natur und künstlerischer Interpretation, die den Charakter des ehemaligen Gestüts (ein denkmalgeschütztes, historisches Anwesen von 1900) neu zur Geltung bringen soll.

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Drei Stämme für drei Generationen – Mondholz als Erinnerungsträger

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Eine besonders emotionale Form der Fassadengestaltung findet sich im Hotel Luise in Erlangen: Seit dem Umbau 2018/19 zieren drei vertikale Mondholzstämme die Fassade – als Hommage an den verstorbenen Seniorchef und Symbol für die drei Generationen der Gastgeberfamilie Förtsch. Zusammen mit dem biophilen Design durch den begrünten Eingang,der Dachgestaltung und vielen lebenden Pflanzen zeigt sich hier, wie Naturund persönliche Geschichte ineinanderfließen. 

Tradition trifft Gegenwart

Das Eco-Hotel Okelmann’s im niedersächsischen Warpe setzt auf regionale Handwerkskunst: Die traditionelle Fachwerkfassade wurde von einer ortsansässigen Zimmerei gefertigt. Gleichzeitig wurde die Eingangstür bewusst minimalistisch und modern gestaltet – ein spannendes Spiel zwischen Erbe und Gegenwart, das sich durch das gesamte Haus zieht. Auch im Naturresort Gerbehof am Bodensee spielt Holz die Hauptrolle: Die Fassaden sind mit Holzfachwerk verkleidet, und im Inneren wurden Möbelstücke und Interior aus Holz aus dem eigenen Wald direkt auf dem Hof geschreinert.

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Fassaden als Übersetzerinnen der Hotelidee

Ob gewellter Hochbau am Ozean, restaurierte Dorfmetzgerei oder Holzverkleidung aus dem eigenen Wald – die Fassade ist nicht nur eine Hülle oder ein hübsches Dekor. Sie vermittelt zwischen Außenwelt und Innenraum, zwischen Landschaft und Architektur. Als das erste, was Gäste von einem Hotel – bewusst oder unbewusst – wahrnehmen, setzt sie den Ton: für die Atmosphäre des Aufenthalts ebenso wie für die Einstellung des Hauses. Diese Verbindung von Anspruch und Atmosphäre zeigt sich in allen vorgestellten Häusern. Nachhaltige Architektur beginnt hier nicht beim Ausheben der Baugrube – sondern in der Haltung und der Philosophie.